WS 02 | 03

 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   

Diven.
Inszenierte Lichtgestalten ]

 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 
   
 

 

Rashomon. Die Wahrheit der Medien


Forschungsprojekt (6 SWS)
17.0 Credits

Prof. Dr. Engell


Wer könnte sich nicht darüber beklagen (oder freuen ?), daß uns die Wahrheiten verloren gegangen sind, daß alles, alles Lüge geworden ist. Gern und meistens auf beklagenswert simple Weise wird sie diskutiert, die Frage nach der Wahrheit im Zeitalter der Medien: Was ist heute noch wahr ? Läßt sich Wahrheit der Medien überhaupt noch an irgend etwas überprüfen, wo doch alles, woran wir sie messen könnten, seinerseits durch Medien vermittelt wird ? Und ist nicht auch der Konsens, auf dem Wahrheit sich aufbauen ließe, längst postmodernistisch atomisiert ? Wir
werden doch unausgesetzt manipuliert, manipulieren andere und am Ende uns selbst. Die Frage kann nur lauten, wie das trotz allem funktioniert. Möglicherweise benötigen wir ja die Wahrheit gar nicht mehr. Das Forschungsprojekt geht von Akira Kurosawa Film "Rashomon" aus, einer Studie über die Relativität der Wahrheit, das Unzureichen des Augenscheins und die Aussichtslosigkeit einer Flucht in die Subjektivität. Von hier aus soll untersucht werden, wie die Frag e nach der Wahrheit in Relation zu den Medien gestellt werden muß. Dabei wird eine einfache Grundüberlegung zum Zusammenhang von Medien und Wahrheit an den Anfang gestellt: Im Zeitalter der Repräsentation und der analogen Medien wird die Wahrheit an Probleme der Beobachtung, der Beschreibung und Darstellung geknüpft; Wahrheit wird begriffen als Übereinstimmung von Behauptung und Sachverhalt. Im Zeitalter der Massenmedien dann wird die Wahrheit an die Probleme der Überzeugung und der Konstruktion von Gewißheit geknüpft; sie wird begriffen als Konsens über das für sicher Gehaltene. Im digitalen Zeitalter schließlich wird die Frage nach der Wahrheit- möglicherweise - verdrängt und verlegt auf die Frage nach der Performanz und der Effektivität: wahr ist dann, was funktioniert.
Das Projekt untersucht exemplarisch verschiedene Fälle von Medien-Wahrheit an Beispielen aus Malerei, Dichtung, Wissenschaft, Photographie usw. bis hin zur elektronischen Berichterstattung und Digitalem Imaginarium und parallelisiert sie mi t einschlägigen - und ausgewählten - Theorien der Wahrheit und der Wahrheitsfindung und -bestimmung von Aristoteles bis Nietzsche und Heidegger, Derrida und Luhmann.

Semesterapparat in der Bibliothek


Erster Termin: 22.10.2002, 9.00 bis 13.00 Uhr
Dienstags ungerade Woche, 9.00 bis 13.00 Uhr
Raum 13, Bauhausstrasse 11

Bemerkung:
Das Projekt besteht aus einem zweistündigen Plenum, der Vorlesung "Anfänge der
Medien-Philosophie" und dem Seminar "Zeichen-Arbeit".

Richtet sich an: M