Rashomon. Die Wahrheit der Medien
Forschungsprojekt (6 SWS)
17.0 Credits
Prof. Dr. Engell
Wer könnte sich nicht darüber beklagen (oder freuen ?), daß
uns die Wahrheiten verloren gegangen sind, daß alles, alles Lüge
geworden ist. Gern und meistens auf beklagenswert simple Weise wird sie
diskutiert, die Frage nach der Wahrheit im Zeitalter der Medien: Was ist
heute noch wahr ? Läßt sich Wahrheit der Medien überhaupt
noch an irgend etwas überprüfen, wo doch alles, woran wir sie
messen könnten, seinerseits durch Medien vermittelt wird ? Und ist
nicht auch der Konsens, auf dem Wahrheit sich aufbauen ließe, längst
postmodernistisch atomisiert ? Wir
werden doch unausgesetzt manipuliert, manipulieren andere und am Ende
uns selbst. Die Frage kann nur lauten, wie das trotz allem funktioniert.
Möglicherweise benötigen wir ja die Wahrheit gar nicht mehr.
Das Forschungsprojekt geht von Akira Kurosawa Film "Rashomon"
aus, einer Studie über die Relativität der Wahrheit, das Unzureichen
des Augenscheins und die Aussichtslosigkeit einer Flucht in die Subjektivität.
Von hier aus soll untersucht werden, wie die Frag e nach der Wahrheit
in Relation zu den Medien gestellt werden muß. Dabei wird eine einfache
Grundüberlegung zum Zusammenhang von Medien und Wahrheit an den Anfang
gestellt: Im Zeitalter der Repräsentation und der analogen Medien
wird die Wahrheit an Probleme der Beobachtung, der Beschreibung und Darstellung
geknüpft; Wahrheit wird begriffen als Übereinstimmung von Behauptung
und Sachverhalt. Im Zeitalter der Massenmedien dann wird die Wahrheit
an die Probleme der Überzeugung und der Konstruktion von Gewißheit
geknüpft; sie wird begriffen als Konsens über das für sicher
Gehaltene. Im digitalen Zeitalter schließlich wird die Frage nach
der Wahrheit- möglicherweise - verdrängt und verlegt auf die
Frage nach der Performanz und der Effektivität: wahr ist dann, was
funktioniert.
Das Projekt untersucht exemplarisch verschiedene Fälle von Medien-Wahrheit
an Beispielen aus Malerei, Dichtung, Wissenschaft, Photographie usw. bis
hin zur elektronischen Berichterstattung und Digitalem Imaginarium und
parallelisiert sie mi t einschlägigen - und ausgewählten - Theorien
der Wahrheit und der Wahrheitsfindung und -bestimmung von Aristoteles
bis Nietzsche und Heidegger, Derrida und Luhmann.
Semesterapparat
in der Bibliothek
Erster Termin: 22.10.2002, 9.00 bis 13.00 Uhr
Dienstags ungerade Woche, 9.00 bis 13.00 Uhr
Raum 13, Bauhausstrasse 11
Bemerkung:
Das Projekt besteht aus einem zweistündigen Plenum, der Vorlesung
"Anfänge der
Medien-Philosophie" und dem Seminar "Zeichen-Arbeit".
Richtet sich an: M
|