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Film und Karneval: Ophüls, Buñuel, Fellini
Proseminar (2 SWS)
5.0 Credits
Lars Nowak, M. A.
Karneval - das war von der Antike bis zur frühen Neuzeit ein verallgemeinertes
Schauspiel der öffentlichen Plätze, in dem durch Maskerade,
Parodie und
Mesalliancen alle nur denkbaren Gegensätze vermischt und verkehrt
wurden,
allen voran diejenigen von Hohem und Niedrigem, von Sakralem und Profanem.
Karneval war die Subversion der weltlichen und geistlichen Autoritäten
und
Hierarchien und die Relativierung der von diesen Autoritäten verkündeten
Wahrheiten. Karneval war die Befreiung des Körpers aus seiner Unterwerfung
unter den Geist, sein Hervortreten als eine groteske Materialität,
die das
klassische Ideal der Ausgewogenheit sprengt, die in einem permanenten
Werden
begriffen ist und in der sich Innen und Außen, Individuum und Individuum,
Tod
und Geburt miteinander verschlingen. Und über all dem erhob sich
ein
schallendes Gelächter, das Furcht, Resignation und Repression vertrieb.
So zumindest sah es der russische Literaturwissenschaftler Michail Bachtin,
dessen Denken sich selbst auf eine geradezu karnevaleske Art dem Zwang
zur
Systematizität entzog und der seit seiner Entdeckung durch die französischen
Strukturalisten Julia Kristeva und Tzevtan Todorov zu den wichtigsten
Kulturtheoretikern unserer Tage zählt.
Als sozialen Ort des Karnevals bestimmte Bachtin nicht nur die
heidnisch-christliche Volkskultur, sondern auch - und für die Gegenwart
sogar
primär - die hohen Künste, vor allem die Literatur, sei es die
eines Menippos, die
eines Rabelais, die eines Dostojewski oder die der Surrealisten. Warum
dann
nicht mit dem amerikanischen Filmwissenschaftler Robert Stam noch einen
Schritt weiter gehen und die Ästhetik des Karnevals auch auf den
Film
übertragen? Schließlich gehört nicht nur das Medium Kino
- vermittelt über
Jahrmarkt, music hall und Zirkus - zu den Nachfahren des Karnevals;
darüberhinaus entwickeln auch immer wieder einzelne Regisseure filmische
Ästhetiken, die als karnevalesk gelten können.
Wir wollen in diesem Seminar den Karneval zunächst als historisches
Faktum und
ästhetisches Konzept rekonstruieren. Anschließend möchte
ich mit Euch den
Spuren nachgehen, die der Karneval in den Filmen von Max Ophüls,
Luis Buñuel
und Federico Fellini hinterlassen hat. Dabei wird sich zeigen, daß
jeder dieser
Autoren eine andere Dimension des Karnevals entfaltet hat.
Erster Termin: 18.10.2002, 11.00 bis 13.00 Uhr
Raum 13, Bauhausstrasse 11
Richtet sich an: M
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