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Professur Medien-Philosophie
Wie alle Philosophie, so befaßt sich auch die Medien-Philosophie
mit dem Denken. Ihr spezieller Gegenstand sind die Werkzeuge des Denkens,
seine Medien. Sie erforscht damit Denken als Werkzeuggebrauch. Nicht jedes
Werkzeug erlaubt jeden Gebrauch. Die Eigenschaften des Werkzeugs prägen
vielmehr seine möglichen Funktionen und das, was sich daraus machen
läßt. Deshalb interessiert die Medien-Philosophie sich für
die Außenseiten, für die äußeren, die funktionalen
und genetischen Zusammenhänge des Denkens.
So untersucht Medien-Philosophie die Bedingungen und Verfahren, die die
Werkzeuge dem Denken von außen auferlegen und eröffnen. Sie
hat es etwa mit den Apparaturen der Wahrnehmung, der Vorstellung und der
Sinngebung, der Erkenntnis und des Urteils zu tun. Dabei kann es sich
um technische wie um ästhetische, um geschichtliche wie um gesellschaftliche
Dispositionen handeln, um Kunstwerke, Maschinen, Institutionen und andere
materielle oder immaterielle Artefakte. Sie haben am Denken ebenso Anteil
wie die Philosophen.
Indem sie sich auf diese - dinglichen und abstrakten - Instrumente des
Denkens konzentriert, erfaßt die Medien-Philosophie die Vermitteltheit
des Denkens. Das heißt, daß für die Medien-Philosophie
Denken stets medial konditioniert ist. Es wird überhaupt nur mittelbar
wirksam, d.h von außen her und nach außen hin, es funktioniert
immer als Vermittlung und als Mitteilung. Es ist gemacht, produziert und
produktiv. Welche Form das Denken jeweils in diesen Zusammenhängen
annimmt, eben das hängt von den Strukturen und Ereignissen der Vermittlung
und der Mitteilung ab, von den Medien.
Denken kann demnach nicht auf irgendwelche Innenräume wie "Bewußtsein",
"Geist" oder gar "Gehirn" beschränkt werden;
es findet vielmehr in Außenräumen und durch sie statt. Medien-Philosophie
bemüht sich deshalb speziell darum, Operationen und Systeme des Denkens
im Außenraum zu entdecken, zu erkunden und freizulegen, wie sie
sich jeweils mitteilen. Sie umgreift dabei auch zahlreiche Spezialgebiete,
wie etwa das Denken als Mitteilung des Anschaulichen und Schönen
in der Medien-Ästhetik, der Geschichte in der Medien-Historik, des
Wahren in der Medien-Logik, des praktischen Handelns in der Medien-Ethik
und Medien-Pragmatik, oder auch der Spezifika des Menschseins in der Medien-Anthropologie.
Traditionell ist das eingeführte Medium des Denkens die Sprache
und in Sonderheit die Schrift; Schriftlichkeit gilt als die privilegierte
äußere Form des Denkens, des philosophischen Denkens zumal.
Schriftlich werden Gedanken nicht erst niedergelegt und mitgeteilt, kritisiert
und iherseits bedacht, sondern überhaupt erst entwickelt. In der
Schrift kann das Denken auf sich zurückkommen. Also prägen die
Bedingungen der Schriftlichkeit und die Eigenschaften der Schrift auch
die tradierten philosophischen Verfahren.
Medien-Philosophie bemüht sich aber darum, die Bedingungsräume
des Denkens auch jenseits der Schrift zu entdecken und zu erkunden. Mit
der medialen Moderne, mit Photographie, Telegraphie, Rechenmaschine und
ihren zahlreichen Fortentwicklungen und Kombinationen, sind nicht-sprachliche
und nicht-schriftliche Apparaturen der Mitteilung entstanden, die zur
Organisation der Denkvermögen erheblich beitragen und die ebenfalls
geeignet sind, das Denken auf sich zurückkommen zu lassen. Auf sie
richtet sich das medien-philosophische Untersuchungsinteresse.
Über die Bedingungen, denen etwa Photographie, Kinematographie und
Datenverarbeitung das Denken unterstellen, ist noch relativ wenig bekannt.
Sonst gäbe es ja auch medien-philosophisch nichts zu erforschen.
Aber die Medien-Philosophie hat doch schon erste Ergebnisse gezeitigt,
so daß etwa von einer "Ontologie des photographischen Bildes"
oder einer "Epistemologie des Films" oder einer "Historik
des Digitalen" gesprochen wird. Solche Termini meinen keineswegs
nur, daß die Seinsweise der Photographie, die Erkenntnis des Films
oder gar die Geschichte der Digitalen Medien in Rede stehen. Vielmehr
geht es auch um die Art und Weise, wie das photographische Bild das Sein
oder der Film die Erkenntnis oder die Digitalen Medien die Geschichte
jeweils organisieren und konstituieren.
Jenseits der Aufzeichnungsmedien (die ja immerhin als Graphien noch im
Dunstkreis der Schriftlichkeit liegen mögen), betrachtet die Medien-Philosophie
aber auch Funktionsmedien, etwa Wahrnehmungs-, Steuerungs- und Übertragungsmedien
wie Teleskopie und Mikroskopie, Radio und Fernsehen, die Rechnerkommunikation,
aber auch etwa das Geld. Deren Philosophie zu betreiben heißt freizulegen,
wie sie das Denkvermögen konditionieren und wie sie Formen bereitstellen,
in denen das Denken auf sich selbst zurückkommen kann. Indem die
Medien-Philosophie den medialen Außen- und Bedingungsraum des Denkens
untersucht, legt sie also schließlich in den Werkzeugen deren eigenes
Denken, deren eigene Philosophie frei.
Denn die Medien warten ja mit dem Denken nicht auf die Philosophen.
Bereich Mediensoziologie
Die Mediensoziologie befasst sich mit der komplexen Wechselbeziehung
zwischen den Medien und der Gesellschaft. Sie untersucht dabei nicht nur
die Auswirkungen, die die verschiedenen Medientypen und Medieninhalte
auf die Gesellschaft ausüben, sondern auch wie sich die Gesellschaft
in historischen Prozessen - mehr oder weniger reflektiert - Medien schafft,
gestaltet, und gebraucht.
Bei der Analyse der Herstellung der Medienprodukte kommen der wirtschaftlichen
Struktur, dem rechtlichen Rahmen, den politischen Machtverhältnissen,
der technischen Organisation und den sozialen Normen der Medien besondere
Aufmerksamkeit zu.
Die soziologische Medienwirkungsforschung untersucht die Rolle der Medien
in der Sozialisation des Individuums und bei der Bildung kollektiver Identitäten
sowie die Fähigkeit der Medien zur ideologischen Beeinflussung und
zur Manipulation von Konsumptionsentscheidungen.
Große Bedeutung misst die Mediensoziologie der Frage nach der Rolle
medialer Öffentlichkeiten bei der Steuerung gesellschaftlichen Wandels
zu. Öffentliche Diskurse lassen sich als Arenen beschreiben, in denen
Akteure mit unterschiedlichsten Interessen und Zielsetzungen aufeinandertreffen
und dabei geltende Interpretationen von Wirklichkeit aushandeln. Das Maß
an Reflexion, das in die gesellschaftliche Selbststeuerung einfließt,
hängt insbesondere von den Bedingungen öffentlicher Kommunikation
ab. Unterschiedliche Medienformen wie Fernsehen, Zeitungen oder das Internet
können sich wegen ihrer je verschiedenen Struktur unterschiedlich
auf die Kommunikationsverhältnisse auswirken. Dies zu berücksichtigen
ist Aufgabe einer bewussten gesellschaftlichen Gestaltung der Medien.
Heute hat sich die Mediensoziologie der Herausforderung der sich beschleunigenden
Globalisierung zu stellen. Zum Gegenstand der Mediensoziologie werden
daher neben lokalen und nationalen auch zunehmend transnationale und globale
Medien.
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