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Schrift-Welten: Zur Geschichte der Schriftkultur

Studienprojekt 8 SWS

Dr. Oliver Fahle

Schrift ist eine der ältesten und bis in die Gegenwart wichtigsten Kulturtechniken. Dennoch scheint sie ihre privilegierte Stellung in der abendländischen Kultur nach und nach einzubüßen, die sie besonders nach der Mechanisierung durch den Buchdruck besetzt gehalten hat. Heute sieht es so aus, als teile sie sich das mediale Feld mit anderen Ausdrucksträgern des Sichtbaren und Hörbaren. Schon die Moderne, aber vor allem die zunehmende Ausbreitung des Digitalen schließlich sieht Schrift nicht mehr nur als Träger von ihr selbst unabhängige Bedeutungen, sondern hebt die graphischen und bildhaften, d. h. materialen Bedingungen der Schrift selbst hervor. Schrift steht damit in einem Feld komplexer Zusammenhänge, die jede gestalterische Reflexion berücksichtigen muß: Text und Textur, Wort und Wortbild, Stift und Taste, Lesen und Sehen, Entziffern und Verstehen. In Verbindung mit einer kurzen Einführung in die praktischen Grundlagen der Typografie erproben wir zunächst in kurzen Entwürfen zentrale Verwendungsweisen der Gestaltung mit Schrift. Unter Berücksichtigung der kulturellen Formationen, die durch das Medium Schrift hervorgebracht worden sind - die im begleitenden Seminar Geschichte der Schriftkultur behandelt werden - reflektieren und entwickeln die Teilnehmenden des Projekts dann gegenwärtige Bedeutungsdimensionen der Schrift im Rahmen einer gestalterischen Arbeit.