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1) Baudrillard und die Moderne




    B. versteht sich als Kulturkritiker der Moderne. Die Kritik technischer Medien ist dabei ein wichtiger, aber nicht der einzige Aspekt.
    Zwei entscheidende Momente zur Charakterisierung der Moderne sollen hervorgehoben werden:
    - Selbstvergewisserung: Anders als die Tradition kann die Moderne nicht auf einen traditionalen Bestand an Wertsetzungen zurückgreifen, sondern muß ihre Legitimationen aus sich selbst heraus entwickeln und sie deshalb immer wieder hinterfragen. Die verzweifelte Suche nach gültigen Kriterien, die Suche nach dem "verlorenen Ursprung" (die nur scheitern kann) ist ein entscheidender Ansatz der Kritik Baudrillards. Dabei schließt er an Ansätze an, die schon bei Nietzsche oder Bataille zu finden waren: Die Setzungen der Moderne (etwa durch die "Vernunft" und die Wissenschaft) werden als willkürliche Setzungen – als Ordnungsmuster - neben anderen aufgefaßt, die die Illusion eines möglichen universellen Wissens bereitstellen. Dadurch wird die Realität zu einer Setzung mit immer raffinierteren Mitteln (z. B. mittels technischer Medien).
    - Fortschritt: Die Moderne steht unter ständigem Fortschrittszwang in allen Bereichen. Bewegung und Werden ersetzen Stillstand und stabile Identitäten. Zwar ist deutlich geworden, daß technischer und ökonomischer Fortschritt nicht mit kulturellem Fortschritt gleichzusetzen ist (oft eher im Gegenteil), dennoch erfordert die ideologische Disposition etwa modernen ökonomischen Kalküls die Fortsetzung des Fortschrittsdenkens (man denke an die Hoffnungen, die - nicht zuletzt von Studierenden von Mk und Mg – an die Entwicklungen rechnergestützten Wissens geknüpft werden). B. analysiert die dabei entstehende zirkuläre Leere der kulturellen Debatte (Nach der Orgie), die den Leerlauf durch zunehmende Beschleunigung zu kompensieren versucht. Da jede Kritik in den "orbitalen Kreislauf" absorbiert wird, kann dem Stillstand nur durch Überbietung begegnet werden, wie es beispielhaft Warhol in der Kunst praktizierte (Hyperkonformismus und Schweigen).

 

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