Gastvortrag von Giovanni Lanza

 

 

 

in der

Vorlesung: "Umberto Eco"

von Prof. Lorenz Engell

 

(WS 1998/9, Do., 19-21, Hs C)

 

 

1.

Zur Zeit des ersten Weltkrieges schrieb der Wiener Schriftsteller Arthur Schnitzler eine Sammlung von Aphorismen und Bemerkungen über den Krieg. U.a. schrieb er:

Man sagt, er ist den schönen Heldentod gestorben. Warum sagt man nie, er hat eine herrliche Heldenverstümmelung erlitten? Man sagt, er ist für das Vaterland gefallen. Warum sagt man nie, er hat sich für das Vaterland beide Beine amputieren lassen? (Die Etymologie der Machthaber!)

Das Wörterbuch des Krieges ist von den Diplomaten, den Militärs und den Machthabern gemacht. Es sollte von denen richtiggestellt werden, die aus dem Krieg heimgekehrt sind, von den Witwen, den Waisen, den Ärzten und den Dichtern.

In einer anderen Bemerkung spricht er von dem Komplott der Machthaber gegen die Phantasie der Völker, der Menschen, d.h. gegen die Fähigkeit der Menschen, sich andere Aspekte der Realität, der Wirklichkeit vorzustellen-, das Komplott bes teht eben darin, die Leute zu überzeugen, daß es nur eine Interpretation der Realität gibt, daß die Wirklichkeit so ist, wie die Machthaber behaupten, und, meint Schnitzler, sehr oft ist diese Wahrheit, die man als einzige Realit&aum l;t, oder einzige Interpretation der Realität, durchsetzen will, eine Lüge, eine Mistifikation.

Schnitzler machte hier Semiotik, er wußte es nicht, aber er machte Semiotik: wie Eco bemerkt: eine Ideologie, eine Weltanschaung, ist ein semantisches System, d.h. eine der möglichen Arten der Weit Form zu geben. Als solche stellt die Ideolo gie eine partielle Interpretation der Weit, eine perspektivische Segmentierung der Realität dar und kann theoretisch jedesmall revediert werden, wenn neue Botschaften eine Art semantische Umstrukturierung verursachen und also neue Wertzuordnungen ein führen.

Das Komplott von dem Schnitzler spricht, will gerade das vermeiden, daß neue semantische Umstrukturierungen, neue Wertzuordnungen entstehen, das Komplott will andere Optionen verschleiern, und dies wird mittels der Worte (das Wörterbuch), de r Zeichen, mittels einer rhetorischen Zeichen-Manipulation gemacht.

Daher, würde Eco sagen, die wichtige kritische Funktion der Semiotik: eben das Verhältnis zwischen einem bestimmten Sprachgebrauch und einem besonderen semantischen System zu zeigen. Und in diesem Sinn wird die Semiotik eine Theorie der L&uum l;ge. Eco sagt: Die Semiotik ist im Grunde die Disziplin, die alles untersucht, was man zum Lügen verwenden kann.

2.

Die Semiotik ist eine komplexe, paradoxe Disziplin, schon deswegen, weil sie, wie Eco bemerkte eine junge Disziplin ist, die aber gleichzeitig 2.000 Jahre alt ist, im Sinne, daß man sich in Abenland immer mit den Begriffen Zeichen, Bedeutung, Kom munikation, Signifikation beschäftigt hat, in der Philosophie, in der Historiographie, in der Sprachwissenschaft, in der Medizin, aber die Semiotik, als autonome Disziplin, als autonome Wissenschaft, hat sich erst in diesem Jahrhundert legitimiert un d entwickelt, und nicht zufällig in diesem Jahrhundert: Die Semiotik hat sich istitutionell in den 60 Jahren entwickelt, weil, wie Eco sagt, etwas in dieser Zeit passiert ist, und zwar ein Erdbeben, eine neue Sensibilität, ein neues philosophisc hes Kunstwollen- die thecnologische Entwickung der Massenmedien, diese Entwicklung hat es verursacht, daß das Problem der Kommunikation, der Signifikation, der Bedeutung so zentral geworden ist.

Es gibt verschiedene Richtungen, verschiedene Theorien in der Semiotik, und das ist Thema eines Seminars oder einer ganzen Reihe von Seminare.

Eine sehr wichtige Richtung ist die von Charies Sanders Peirce, und diese Richtung, spielt eine wesentliche, entscheidende Rolle in der intellktuellen, wissenschaftlichen, künstlerischen Produktion Ecos. Das hat er selber gesagt: man kann erkennen , daß die Semiotik von Peirce für mich immer wichtiger geworden ist. Und eben über einige Beziehungen zwischen dieser Richtung der Semiotik und einigen Ideen, Thesen, von Eco möchte ich etwas sagen.

 

3.

Charles Sanders Peirce, 1839 geboren, 1914 gestorben, gilt als der Begründer der modernen kognitiven Semiotik und als der Begründer des Pragmatismus. Beide Punkte spielen ihre Rolle in der Kulturwissenschaft von Eco.

Kognitiv, d.h. erkenntnistheoretisch- die Semiotik beschäftigt sich mit den Problemen der Erkenntnis. Auch Gefühle, Wahrnehmungen, Empfindungen gehören, meint Peirce, zur Erkenntnis: sie sind eine besondere Art, zu erkennen-, und nat&uum l;rlich gehört die Kommunikation zur Erkenntnis: ich kommuniziere Ihnen etwas, das ich erkannt habe, und das Empfangen einer Kommunikation bedeutet, sich mit einer Erkenntnis zu beschäftigen, bedeutet diese Erkenntnis zu akzeptieren, oder abzule hnen, oder zu benützen, zu erweitern, zu bereichern, sie weiteren Menschen zu kommunizieren.

Modeme- im Sinne, daß die Semiotik immer eine kognitive Wissenschaft gewesen ist. Die ersten wissenschaftlichen Paradigmen der Semiotik kommen auf die Welt in Abenland mit der Athener Medizin, mit Ippocrates. Vorher gab es, z. B. die Semio tik der Wahrsager (die Leute, die die Zeichen der Götter interpretierten, die sagten: das ist ein Zeichen dafür, daß der Gott das will) und es gab auch die magische Medizin (epilessia- heilige Krankheit).

Mit der Medizin von Ippokrates wird die Zeichenlehre wissenschaftlich fundiert- Die Symptome sind Zeichen, die Symptomatologie ist die Beobachtung, das Studium, die Interpretation der Symptome, und sie bildet die Basis für die Diagnose und die Pro gnose. Das merken Sie schon an dem Namen der Disziplin- Semiotik stammt aus dem Griechischen techné semeiotiké (dieser Ausdruck entsteht im Rahmen der antiken Medizin): Kunst/Technik der Zeichen, der Zeichenbeobachtung. Diagnose stamm t auch aus dem Griechischen- diagignosko bedeutet "erkennen durch"- also die Diagnose ist der Erkenntnisprozeß durch- wodurch? durch die Techne semeiotike, durch die Beobachtung und die Interpretation der Sympthome (der Zeichen). Die Diagnose basier t auf der Untersuchung und Interpretation der Sympthome. Man erstellt eine Diagnose und eine Prognose, d. h. man erkennt die Krankheit und was noch passieren wird, wie die Krankheit sich entwickeln wird, durch die Zeichenbeobachtung.

Es beginnt mit der Athener Medizin eine lange Tradition der Semiotik (in der Philosphie, in der Historiographie), eben die Semiotik als Erkenntnistheoretische Disziplin; bei Peirce spielt diese Tradition eine grundlegende Rolle, Peirce systhematisiert am besten diese Tradition, und das in einer wichtigen Zeitperiode (zwischen Positivismus und Krise des Positivismus).

Die Zeichen - sagt William von Baskervielle in Der Name der Rose - sind das einzige, was der Mensch hat, um sich in der Weit zurechtzufinden. So meint auch Peirce und diese These, diese Überzeugung ist zentral auch für Eco.

Peirce gilt auch als der Begründer des Pragmatismus. Pragmatismus oder Pragmatizismus, wie er auch sagte, oder Pragmatik, wie Charles Morris sagte, Pragmalinguistik, ein umfassendes Thema, die Pragmatik hat sich so entwickelt, daß sie fast e ine autonome Disziplin geworden ist. Also das ist auch Thema für eine Reihe Seminare.

Ich sage Ihnen nur folgendes- Pragmatismus, für Peirce, betont die konkreten Aspekte, die konkreten Bedingungen der Erkenntnis und der Kommunikation, die Ziele, die man sich setzt, die man mit seiner Erkenntnis und mit der Kommunikation seiner Erk enntnis erreichen will, und betont die Tatsache, daß was ich sage, Zeichen für andere wird, und was die andere dazu sagen werden, Zeichen für mich und für weitere Menschen (Forscher) werden wird- es gibt eine Dynamik, ein Kontinuum. P ragmatismus bedeutet Dynamik, Kontinuum der Erkenntnis. Das Erkennen durch Zeichen ist ein Prozeß, und zwar ein potentiell unendlicher Prozeß.

Sie können sich vorstellen, was für eine Musik alles das für Eco als Theoriker des offenen Kunstwerks sein musste. Das offene Kunstwerk, und die Kunst, die Kultur im Allgemeinen sind nicht nur ein semantischer Mechanismus, sie sind auch ein pragmatischer Mechanismus, sie fordern deswegen eine Mitarbeit. Alles das ist wichtig, um einige Thesen, Idee Ecos zu verstehen, insbesondere um zu verstehen, wie er eine bekannte Debatte in der Semantik, rezepiert hat, und zwar die Debatte zwischen d er Wörterbuch-Semantik und der Enzyklopädie-Semantik.

 

Hund = cane

Mann = uomo; uomo bedeutet auch Mensch

Das ist Wörterbuch und Sie sehen schon- Das Wörterbuch ist nicht so einfach (wer eine Fremdsprache lernt, weiß es); man macht Fehler, im Allgemeinen, in unserer Forschung und in unserem Leben (der Fallibilismus, von dem Peirce spric ht.

Ich nenne jetzt ein großes Beispiel für Fallibilismus- In der deutschen Übersetzung des Romans Der Name der Rose lesen wir Jedenfalls in meiner Ausgabe, ich weiß es nicht, ob der Übersetzer später korregiert hat): William hat eine Vermutung angestellt und er sagt: Vielleicht sind wir auf dem richtigen Weg. Es kann sich natürlich auch um eine Reihe schierer Zufälle handeln. Man bräuchte eine Bestätigung..- Adson fragt- Wo soll man die finden?, W illiam antwortet- Im Text. Man muß einen Text erfinden und dann prüfen, ob er die Hypothese bestätigt." Das ist alles falsch.

William sagt- Man bräuchte eine regola di corrispondenza- Regel- corrispondenza; das Verhältnis, essere in corrispondenza- entsprechen-, Übereinstimmung, Gegenliebe finden. Was meint William? Denken Sie an einen Artz- er betrachtet versc hiedene Symptome bei einem Patient, die unabhängig voneinander scheinen können, oder denken Sie an einen Kriminalist, an Inspektor Colombo: der betrachtet eine Reihe Indizien, die auch eine Reihe schierer Zufälle sein können- was mache n der Artz und Colombo: sie suchen eine Regel, die es erlaubt, daß diese Sympthome oder diese Indizien entsprechen, übereinstimmen, eine Art Gegenliebe finden.

Adson fragt- Wo finden die wir.

William:

Nella testa. Inventarla. E poi vedere se ä quella vera.

Im Kopf. Man muß sie erfinden, und dann sehen ob sie die wahre Regel ist, ob sie stimmt.

 

Das ist ein echter Wörterbuchfehler, ein Lapsus, ein Versehen, und zwar- TEXT sagt man im italienischen TESTO, und Kopf sagt man TESTA. Ich glaube, das war der Anfang der allgemeinen Fehlers.

Wie Sie sehen, ist das Wörterbuch nicht einfach, aber in Tendenz, im Prinzip, setzt das Wörterbuch eine Alternative: Kopf oder Text, was willst du sagen, entscheide dich- wenn du Kopf meinst und Text sagst, dann hast du einen Fehler gemacht.

 

Das Wörterbuch, sagt Eco, ist wie ein Baum (er bezieht sich auf eine Philosophische Problematik: der Baum von Porphirius, Porphyrius ist jemand, der die Categorie von Aristoteles kommentiert und semplifizie rt hat). Denken Sie an die Struktur des Labyrinths der Bibliothek im Name der Rose (ein barock-manieristisches Labyrinth, wenn man es auseinanderzieht, erhält man eine Art Bum ein Gebilde mit zahlreichen Ästen und Zweigen aus toten Seitengä ngen)- zwei Wege, einer ist falsch, der zweite führt weiter. Denken Sie, daß Jorge, der - sagt Adson - das personifizierte Gedächtnis der Bibliothek und die Seeel des Skriptoriums ist - behauptet- Die Bibliothek ist Zeugnis der Wahrheit wi e des Irrtums." Also- das Wörterbuch ist wichtig, fundamental (wie wir noch sehen werden), aber es kann auch gefährlich werden, wenn man glaubt, daß das Wörterbuch die ganze Interpretation erschöpft. Es kann die Basis des Dogmati smus, der Intoleranz, der schwarz-weiß-Ideologie werden, denken Sie an die Alternative- natürlich vs unnatürlich, denken Sie an einen Satz wie: es ist naürlich, daß die Frau das Herz der Familie während der Mann der Kopf de r Familie ist. Heute kann man darüber lachein, aber die Frauen haben leiden müssen.

Das ist also das Wörterbuch.

Die Enzyklopädie ist für Eco ein Archiv, ein Archiv der Archiven, eine Bibliothek der Bibliotheken, und gerade mit der Enzyklopädie tauchen die pragmatischen Aspekte der Erkenntnis, der Interpretation und der Kommunikation auf.
Die Enzyklopädie ist Pragmatismus.

Ich habe einen Hund für mein kleines Kind gekauft, Ein Hund hat mein kleines Kind gebissen.
Hund sozusagen verdoppelt sich- entstehen zwei Frames, Rahmen, Szene, ein Dialog: einer sagt: ich finde es gut, daß ein Kind sich mit einem Hund konfrontiert- einer sagt- ja schon, aber ein Hund kann auch gefährlich sein.

 

Giovanni ist ein Hund; Hier fehlt, auf einer ersten Blick, eine Isotopie (irgendwie Regola di corrispondenza, semantische Wiederholung, semantische Rekurrenz, etwas, das dem Text Koerenz gibt), Giovann hat als semantisches Hauptmerkmal- Mensch, Mann, I taliener oder Spanier- Hund hat Tier.

Also es gibt keine semantische Kette, isotophie. Wenn ich Hund sage, kann ich nicht Giovanni meinen. Aber: erstens- es ist durchaus möglich, daß ein Mensch seinen Hund nicht Rex, sondern Giovanni nennt. Zweitens: es ist möglich (und gut e Wörterbücher sagen das), daß Hund eine zusätzliche Bedeutung hat, und diese zusätzliche Bedeutung bezieht sich auf einen Mensch. D.h. in übertragenen Sinne kann Hund sich auf einen Mensch beziehen. Also worum geht es? Um e inen Hund, der den Namen eines Menschen oder um einen Mensch, der für einen Hund gehalten wird? Der Kontext hilft dabei, solche Botschaften zu disambiguieren. Die konkreten pragmatischen Bedingungen der Kommunikation - das hilft dabei. Sie verstehen, wie wightig alles das in der Kultur und in der Medienkultur ist.

Nennen wir jetzt ein schöneres Beispiel.
Hören Sie bitte diesen Satz-
Deine Zähne sind wie eine Herde Schafe, die aus der Schwemme steigen. Das ist eine Metapher, die Eco sehr gut analysiert hat.
Das sagt ein Mann seiner Frau. Das will ein Kompliment sein.

 

Wie kann man - sagt Eco - das Lächeln eines schönen Mädchens mit einer nassen blökenden Schafherde vergleichen?
Es geht doch ein solches Kompliment, aber in einer bestimmten Kultur, in einem bestimmten kulturellen pragmatischen Kontext, mit einem bestimmten Ziel.

Wenn wir den Text, aus dem dieser Satz stammt, nicht kennen, dann müssen wir eine regola di corrispondenza suchen- wir haben Schafe, Zähne, Wasser- es muß eine Regel geben, die es erlaubt, daß diese Elemente eine sozusagen Gegenli ebe finden. Und das Wörterbuch hilft uns dabei nicht (im Wörterbuch können wir finden, daß Hund sich im übertragenen Sinne auf einen Mensch beziehen kann-, aber nicht, daß die Schafe sich auf die Zähne eines Mädel s beziehen können).
Wo finden wir die regola di corrispondenza? Nicht im Wöreterbuch.
wo? In unserer Enzyklopädie, Archiv, Archiv der Archiven (das ist: in unserem Kopf; natürlich: nicht anarchisch, nicht alles, was wir wollen) .

 

Sagt Eco:

Man muß denken, daß die Zähne nicht in dem Sinne weiß sind, in dem es die Schafe sind, aber es genügt, daß die Kultur beide durch das vom Wort Weiß ausgedrückte Prädikat interpretiert, damitdie Metapher miteinerÄhnlichkeit arbeiten kann. Hierhandelt es sich nicht um eine empirische Ähnlichkeit, sondern um eine Ähnlichkeit zwischen Eigenschaften zweier Sememe, nicht um eine empirische Ähnlichkeit. (Achilles ist ein Löwe)

Man muß denken, daß Schafe eine Mehrheit gleicher Individuen darstellt, man muß denken, daß für die antike Ästhetik eines der Schönheitskriterien die Einheit in der Vielfalt war (aequalitas numerosa). Das h eißt- Über die Zähne kann man vieles sagen, ein Zahnartz würde uns viele Sachen erzählen, die Metapher merkt sich oder betont nur einige Aspekte der Zäne (und nicht die wichtigsten von einem wissenschaftlichen Gesichtspunkt aus), daß sie weiß sind und daß sie eine Einheit in der Vielfalt bilden, d.h. die Zähne als Zeichen representieren eben das- weiß, Mehrheit in der Vielfalt.. Und nicht nur: auch daß sie feucht sind. Und wir kommen auf de n entscheidenen Punkt.

Man muß denken, daß die Zähne feucht sind, d.h. man muß die Eigenschaft "feucht zu sein" den Zähnen zuweisen, und wie Eco sehr schön sagt- erst an diesem Punkt interagiert auch die Feuchtigkeit der weißen und vom Speichel schimmernden Zähne mit der Feuchtigkeit der Schafe, die AD HOC, nicht zufällig aus dem Wasser steigen.
Das ist die Seele, der Kern dieser schönen Metapher'. hier können wir noch eine regola di corrispondenza vermuten- die Erotik .

Wenn wir den Text, das Hohenlied Salomos (Salomons) lesen, dann finden wir die Bestätigung- da gibt es in der Tat eine klare erotische lsotophie, es geht um die Preliminarien der Liebe, eine Isotophie, die dann die Kirchenväter, in ihe rer Sessuophobie versucht haben, spirituell zu interpretieren. Und das ist, wie Sie sehen, noch eine pragmatische Angelegenheit, der Versuch, ein Ziel zu erreichen, und zwar die Erotik zu verdrängen.

Alles das ist Pragmatismus. Wie konkretisiert sich der Pragmatismus, wenn wir einen Text lesen? Was haben wir gemacht? Wir haben mit dem Text mitgearbeitet, kooperiert. Pragmatismus bedeutet für Eco Kooperation mit dem Text, mit den Zeichen im All gemeinen.

So verknüpft er den Pragmatismus von Peirce mit seiner Theorie des offenen Kunstwerks. Als er 1962 Opera aperta schrieb, hatte er noch keine Ahnung von Semiotik oder von Peirce. So erklärt man eine Richtung der Forschung Ecos: 1962- Opera ape rta, 1979- Lector in fabula. Die Mitarbeit der Interpretation in erzählenden Texten- (Opera aperta beschäftigte sich mit Problemen, die ich erst jetzt vertiefen kann, nachdem ich mit der allgemeinen Semiotik beschäftigt habe. Dazwischen lie gt die Entdeckung der Semiotik von Peirce. Der Titel des zweiten Kapitels von Lector in fabula lautet: "Peirce: Die semiosischen Grundlagen der textuellen Mitarbeit."

Diese Kooperation, diese Mitarbeit bedeutet nicht, das Wörterbuch zu ignorieren, im Gegenteil- das Wörterbuch ist wichtig für Eco, es stellt die Verteidigung des wörtlichen Sinnes dar. Wenn ein Mensch Hund sagt und ein anderer Mensc h Pizza Margherita versteht, dann hat es keinen Sinn, daß die beide weiter reden, sie verstehen sich nicht.

Die Kooperation basiert auf einem fortdauerden Dialog zwischen Wörterbuch und Enzyklopädie, und die sogenannten offenen Kunstwerke sind die Werke, die diesen Dialog thematisieren, sie thematisieren die Dialektik zwischen dem Wörterbuch, das man respektierem muß, und den weiteren Möglichkeiten, den literarischen Sinn zu interpretierten. Sie thematisieren, wie Eco sagt indem er sich auf Apollinaire bezieht, die Dialektik von Ordnung und Abenteuer.
(Die Dialektik von Ordnung und Abenteuer ist die Voraussetzung für das Abenteuer, das die Ordnung definitiv in eine Krise stürzt; das Hauptmerkmal der Moderne).
Die Dialektik der lnterpretanten.

 

 

 

Der Kern von allem das, was wir bis jetzt betrachtet haben ist das Zeichen-Modell von Peirce. Es gibt verschiedene Zeichen-Modelle, das von Peirce ist ein unicum und ein fundamentaler Gewinn in der Geschichte der Semiotik.

Zuerst einmal stellen wir eine wichtige Unterscheidung fest, die zwischen SEMIOSE und SEMIOTIK.

Die Semiose ist ein Phänomen, ein Prozeß, dem zufolge etwas als Zeichen erkannt wird. Wir machen in der Tat jeden Tag Semiose, die Autofahrer machen immer wieder Semiose, sie müssen wissen, was grün oder rot bedeuten bei einer Verk ehrsampel. Es gibt auch Zeichen, die als Zeichen nur experte, Ärtze, Psychoanalisten oder scharfsinnige Leute, wie Colombo, merken.
Das ist Semiose, das Leben der Zeichen.

Die Semiotik ist ein philosophischer und wissenschaftlicher Diskurs über solche semiosische Phänomene; die Semiotik beschäftigt sich mit der Semiose (die Doctrine der Semiose, sagte Peirce). Die Semiotik ist eine wissenschaftliche Rede & uuml;ber das Leben der Zeichen.

Und also die Semiotik beschäftigt sich auch mit der theoretischen Zeichen-Problematik. Die fatale Frage: Was ist ein Zeichen? Es gibt verschiedene Bezeichnungen: Symptom, Indiz, Signal (Rot-Grün), Spur, Geste, überflüssig da& szlig; ich Ihenen sage: es gibt Diskussionen über solche Problematik, vor allem über verbale Zeichen und nicht verbale Zeichen, über natürliche Zeichen, die Wolken (es wird vielleicht regnen) und kulturellen, konventionellen Zeichen. W as ist ein Zeichen bedeutet, was gibt es gemeinsam allen diesen Phänomenen? eine Spur hinterlassen, eine Spur verwischen. Warum will ich die Spur verwischen, die ich hinterlassen habe.
Die klassische Zeichen-Definition lautet:
Ein Zeichen ist etwas, das für etwas anderes steht.
Aliquid stat pro aliquo.
Gerade darauf basierte Augustinus die These, daß auch die Worte Zeichen sind. Wenn ich Tisch sage, ist das Wort nicht dieses Ding, sondern es steht für dieses Ding, ECO: Fünfzhen Jahrhunderte vor Saussure (der modernen Linguistik), ist Aug ustinus derjenige, der eine Theorie der Zeichen und eine Theorie der Sprache endgültig zusammenbringt, er erkennt die Gattung Zeichen, zu der sprachliche Zeichen als Art gehören. Alles das, was ich gesagt habe- Spur, Signal, Sympto m, sind ART einer Gattung.

Wie passiert das? daß etwas für etwas anderes steht? In welchem Sinn, wie?

Dabei hilft uns das bekannte semantische bzw. semiotische Dreieck.

Das Dreiceck wurde von zwei Linguisten gezeichnet, Ogden und Richards (Die Meaning of Meaning, 1923), die sagten: SYMBOL, REFERENZ or Thought, REFERENT. Aber es ist eine Kostante in der Semantik.

Z. B.
Augustinus- Vox (verbum vocis), Significatus (verbum mentis), Res Saussure: Signifikant, Signifikat (Vorstellung), Ding

Das Dreieck stellt ein fundamentales Phänomen dar- und zwar die Beziehung zwischen einem Zeichen als Bedeutungsträger, dem Begriff (als Bedeutung), den dieses Zeichen im Kopf, im Geiste eines Menschen hervorruft oder hervorbringt, der sich mi t diesem Zeichen beschäftigt und der Realität, dem realen Weitzustand, worauf das Zeichen sich bezieht.

Ein Zeichen ist etwas, das für etwas anderes steht, durch die Mediation eines Begriffes, eines Konzepts, einer Idee, einer Vortellung, einer Haltung, etwas, das die verschiedenen Formen der Realität in einer Klasse unifiziert.

Das Dreieck ist wichtig, jedoch Eco hat in einer Phase seiner Produktion das Dreieck kritisiert (er sprach von Mißtverständnis, von negativen Rolle, insbesondere des Referenten). In der Tat was er kritisierte war eine naive statische Idee di eses Dreiecks, er übte seine Kritik in Name einer Semiotik der Kultur. Das ist die Größe von Eco- Von Anfang an (1 968- La struttura assente) war für ihn die Semiotik eine Kulturwissenschaft. Und für eine Semiotik der Kultur ist das Dreiceck zu statisch.

Es ist ein interessantes Phänomen- das war eine wichtige Idee von Eco (er war isoliert, der einizige damals 1968, der das sagte), diese wichtige, geniale Idee hat auch einen Fehler verursacht, den später Eco auch dank Peirce progressiv korreg iert hat.

Zähne-Schafe- wie? Hier ist etwas passiert (eine Dynamik), etwas, das das Dreieck nicht zeigt, nicht wiedergibt.

Ich kann auch von Sachen sprechen, die nicht existieren.

Das Land der Spielereien: existiert in einem Roman, Pinocchio, in einem möglichen Weit (per Eco- la teoria dei mondi possibili).

Es gibt Worte wie: jedoch, aber, nach, wie

Und nicht nur ein Wort ist Zeichen, auch ein Satz, ein Text, können ein Makrozeichen sein. Die Göttliche Komödie- sind drei Worte, die für einen ganzen Text, für eine ganze Kultur stehen, und stehen dafür, wie Dante diese Kultur darstellt.

Noch ein Beispiel von Eco-
Wenn ein Wissenschaftler oder ein Logiker diesen Satz hören würden:
In Jesus (in Christus) sind zwei Naturen, die menschliche und die göttliche, und eine einzige Person, Die können antworten: naturwissenschaftlich und logisch gesehen, geht es nicht. Dieser Komplex von Signifikanten hat keinen Referent. Aber dem Logiker oder dem Wissenschaftler oder dem Sprachanalytiker wird es niemals gelingen zu erklären, warum große Gruppen von Menschen sich jahrhundertlang um eine Behauptung dieser Art oder um derer Ablehnung gestritten haben. Offensichtlich ist di es doch geschehen, weil diese Botschaft präzise Signifikate übermittelte, die als kulturelle Einheiten innerhalb einer Kultur existierten.

Die Bedeutung eines Zeichens ist eine kulturelle Einheit, unabhängig davon ob der Referent existiert, oder vorhanden ist.

Wir sprechen von Planeten, Galaxien usw. von Alpha Centauri, aber wir haben diese Dinge niemals erfahren. Mit irgendeinem merkwürdigen Gerät hat wohl manchmal ein Astronom eine Erfahrung von dieser Sache gehabt. Wir aber kennen diesen Astrono m nicht. Wir kennen nur eine kulturelle Einheit, die uns durch Worte, Zeichnungen oder andere Mittel vermittelt worden ist. Oder Freiheit, Freie Welt, kämpfen für die Freie Welt: für die Verteidigung oder die Zerstörung dieser kulturel len Einheiten sind wir sogar bereit, in den Tod zu gehen. Und bis einem Augenblick vor seinem Eintreten wird der Tod selbst meistens als kulturelle Einheit gebraucht. Noch ein Beispiel- Im Fall von diesem Wort, Schnee, kann man herausfinden, daß es für die Eskimos gar vier kulturelle Einheiten gibt, weiche vier verschiedene Zuständen des Schnees entsprechen, und daß diese Vielfalt von kulturellen Einheiten auch ihr Lexikon modifiziert und sie dazu zwingt, statt eines Wortes vier W&ou ml;rter zu gebrauchen.

Also, Eco meinte- Die Semiotik beschäftigt sich nur mit der linken Seite des Dreiecks, wobei aber diese Bezieung ein komplexen Polyeder ist, die Semiotik interessiert sich für die Zeichen als gesellschaftliche Kräfte, für die Beding ungen der Mitteilbarkeit und Verstehbarkeit der Botschaft. Das Problem der Lüge oder der Falscheit, das für die Logiker von Bedeutung ist, ist prä-semiotisch oder post-semiotisch. Die Semiotik ist nicht dafür zuständig.

Natürlich behauptete Eco nicht, daß es nicht wichtig ist, sich zu fragen, ob etwas wirklich existiert oder nicht- er behauptete- die Bedeutung eines Zeichens kann aber nicht davon abhängen, ob der Referent des Zeichens existiert oder ni cht, sonst könnte die Semiotik sich nicht mit Reliogion, Märchen, Mythologie beschäftgen, Dinge die konventionell sind und nicht notwendierweise real sein müssen.

Es hat eine progressive Bewegung in Richtung Referent gegeben.

 

1973: Zeichen:

"[... ] jenseits des theoretisch definierten Zeichens [existiert] der Kreis der Semiose, das Leben der Kommunikation und die Verwendung und Interpretation der Zeichen: Da ist die Gesellschaft, die die Zeichen benutzt, um zu kommunizieren, zu inf ormieren, zu lügen, zu täuschen, zu beherrschen und zu befreien. [... ] die Semiotik ist nicht nur eine Theorie, sondern soll auch eine Form der Praxis sein"
D.h.- Durch die Zeichen und dank der Zeichen kann man lügen, betrügen, beherrschen; aber durch die Zeichen und dank der Zeichen kann man auch versuchen, zu befreien, die 'Logik' der Lüge zu erklären, die Maske fortzureißen. Die Z eichen sind eine materielle Kraft (wie die Produktionverhältnisse), die Semiotik ist die einzige soziale Wissenschaft, die die Logik des überbaus und den Überbau als materielle Kraft zu zeigen vermag.

 

1975:

Die Semiotik sei eine Theorie der Lüge (auch indem sie sich auf einer besonderen Weise auf etwas beziehen (Bildzeitung- 9.000 Turken bald Duetsche? ) denken Sie an die Bildzeitung- eine Semiotik der Bildzeitung ist eine Semiotik der Lüge).

 

1984:

Die Semiose manipuliert und stellt in Frage die Welt. (In der Tat hat Eco geschrieben:
Die Materie, die segmentiert wird, um etwas auszudrücken, drückt andere Segmentationen dieser Materie aus. Durch dieses Wechselspiel von Zeichen zu Zeichen wird die Welt (das Kontinuum, das Dynamisch Objekt, die Pulpa der Meterie, die durch die Semiose manipuliert wird) in Frage gestellt. Die Form, die wir dem Dynamischen Objekt zuschreiben, wird kontinuierlich durch die Formulierungen Unmittelbarer Objekte und ihre konstante Neuedefinierung durch aufeinanderfolgende Interpretanten geändert .)

 

1990:

Die Grenzen der Interpretation- wir sind nicht frei, die Zeichen zu interpretieren wie wir wollen, es gibt Grenzen.
1997 in Kant e lornitorinco ist die Perspektive referentiell und er sagt- die Grenzen der Interpretation sind die Grenzen der Realität. Es kann schwierig sein, die Realität zu interpretieren, aber sie existiert und kann nicht auch von ein em semiotischen Gesichtspunkt aus ausgeschlossen, ausgelassen werden.

Peirce sagte: die Realität existiert unabhängig von mir und von dir.

Wenn wir sagen, daß die Zeichen sich auf etwas beziehn können, das nicht existiert, wenn wir sagen, daß die Zeichen betrügen können, dann haben wir doch, die Wirklichkeit direkt oder indirekt betrachtet.

 

Meine Interpretation von Peirce .
Peirce schrieb:
Meine Philosophie ist für Leute gemacht, die etwas herausfinden möchten- aber Leute, die Philosophie ausgeschöpft bekommen möchten, mögen anderswohin gehen. Philosophiesche Suppenküchen gibt es an jeder Straßenecke, Got t sei Dank.

 

Representamen, Interpretant, Objekt.
Representamen/Sign ist etwas, das für jemanden in irgendeiner Hinsicht oder aufgrund irgendeiner Fähigkeit für etwas anderes steht. (Ein Zeichen oder Repräsentamen ist etwas, das für jemanden anstelle von etwas in irgendeiner Bezi ehung oder Kapazität steht). (CP- 2.228)
Wichtig: in some respect or capacity

Eco kommentiert- In irgendeiner Hinsicht bedeutet, daß das Zeichen nicht die Totalität des Gegenstandes repräsentiert (repräsentieren kann), sondern ihn (den Gegenstand) nur von einem bestimmten Gesichtpunkts aus und/oder im Hi mblick auf einen bestimmten praktischen Zweck vertritt.

Die Realität, das Ding-an-sich, nennt Peirce das Dynamische Objek-, was von diesem Ding repräsentiert wird, nennt er das Unmittelbare Objekt.
Representamen und Unmittelbares Objekt sind praktisch Signifikant und Significat des Zeichens. Und die Bedeutung eines Zeichens ist die Relation, in der dieses Zeichen mit der Realität steht.

Diese Relation zwischen representamen und Dynamischen Objekt wird von dem lnterpretant interpretiert.
Der Interpretant ist mehr als eine statische Bedeutung: er ist die Interpretation einer Bedeutung, die weiter Zeichen für weitere Interpretationen wird.

Zähne, als Zeichen in unserer Metapher, representieren nicht alles von den Zähnen als Ding an Sich, representieren nur einige Punkte: weiß, mehrheit gleicher individuell, feucht.
Und gerade weil diese drei Eigenschaften auch für die Schafe, die aus dem Wasser steigen, gelten, kann die Metapher mit einer Ähnlichkeit arbeiten. Auf dieser Basis kann man die Schafe als Interpretant der Zähne benützen. Die Metapher wird für uns Zeichen. Wir interpretieren eine Interpretation.
Kultur ist Interpretation der Realität, und wenn ich mich mit Kultur beschäftige, beschäftige ich mich mit Interpretationen, ich interpretiere Interpretationen.

 

POSTMODERNE

ECO, NACHSCHRIFT:

Die postmoderne Haltung erscheint mir wie die eines Mannes, der eine klüge und sehr beiesene Frau liebt und daher weiß, daß er ihr nicht sagen kann- 'Ich liebe dich inniglich', weil er weiß, daß sie weiß (und daß ; sie weiß, daß er weiß), daß genau diese Worte Sätze schon, sagen wir, von Liala geschrieben worden sind [falsche Obersetzung- daß diese Sätze schon von Liala geschrieben worden sind, daß diese Sätze sch on Liala geschrieben hat]. Es gibt jedoch eine Lösung. Er kann ihr sagen: 'Wie jetzt Liala sagen würde: Ich liebe dich inniglich. In diesem Moment, nachdem er die falsche Unschuld vermieden hat, nachdem er klar zum Ausdruck gebracht hat, da&szli g; man nicht mehr unschuldig reden kann, hat er gleichwohl der Frau gesagt was er ihr sagen wollte, nämlich daß er sie liebe, aber daß er sie in einer Zeit der verlorenen Unschuld liebe. Wenn sie das Spiel mitmacht, hat sie in gleicher We ise eine Liebeserklärung entgegengenommen. Keiner der beiden Gesprächspartner brauch sich naiv zu fühlen, beide akzeptieren die Herausforderung der Vergangenheit, des längst schon Gesagten, das man nicht einfach wegwischen kann, beide spielen bewußt mit Vergnügen das Spiel der Ironie... Aber beide ist es gelungen, noch einmal von Liebe zu reden.

 

Das Zeichen, das der innamorato postmoderno betrachtet, das Zeichen, mit dem er sich beschäftigt, ist Ich liebe dich inniglich.
In der Tat- das Zeichen ist sein Gefühl für seine Freundin, was er fühlt ist schon ein Zeichen. Er interpretiert dieses Zeichen mit dem Satz- ich liebe dich inniglich. Dann überlegt er sich- d.h. der Satz Ich liebe dich inniglich i st ein weiteres Zeiche geworden, das er selber interpretiert.
Und nicht nur. Auch seine Freundin repräsentiert etwas, ist Zeichen. Im Sinne: sie hat sicher viele Eingenschaften, Qualitäten, aber in diesem Moment betrachtet er nur zwei Qualitäten: daß sie kug und belesen ist, also sie kann auch l achein, wenn sie solche romantische alte Sätze hört.
(Das bedeutet nicht, die Realität idealistisch zu vernichten; wenn wir die Realität interpretieren, dann repräsentiert die Realität etwas für uns, d.h: wir erkennen durch Repräsentationen, durch interpretative Arbeit.)

Ich liebe dich inniglich.

Vor allem muß man diese Worte verstehen- das ist die Verteidigung des wörtlichen Sinnes, das Wörterbuch. Der Interpretant erfüllt, sagt Peirce, in erster Linie die Aufgabe von einem Dolmetcher, der einem Ausländer sagt, was et was bedeutet (das ist die Identität des Zeichens).

 

LIALA:

1.

Italienische Schriftstellerin....

Unmittelbarer lnterpretant. Ich habe die Identtät des Zeichens respektiert und wiedergegeben.

Schon auf dieser Ebene beginnt eine Selektion.

2.

Traditionelle Romane

Faschismus

Dynamischer lnterpretant

3.

Diese Dynamik bleibt nicht allein- es gibt eine'Iogische'Schlußfolgerung. Etwa ich meine, es wäre besser Liala nicht zu lesen, es sei denn man will diese Problematik studieren: la donna nera. Wenn jemand studieren will, wie eine Frau eine ko nservative Weltanschaung vertritt und versucht zu verbreiten, wie die Literatur (Massenliteratur, Liala hat große Erfolg gehabt) Werte verbreitet, wie eine Frau das macht, dann könnte es sich lohnen, Liala zu lesen.

Das ist der Logischer lnterpretant- die Schlußfolgerung, die pragmatische Konklusion. KOMMUNIKATION = HANDLUNG

Diese Handlung ist für Sie das Zeichen.
Meine Worte, meine Interpretation sind für Sie jetzt das Zeichen. Wenn Sie mit mir dialektisch, nicht passiv, mitarbeiten, wenn Sie z.B. wirklich diese Forschung über die donna nera am Beispiel von Liala machen, dann könnte man von finalen Interpretant reden. Sie sehen: der logische Interpretant betrifft den einzelnen Mensch, Forscher, der finale Interpretant betrifft eine Comunity, sagte Peirce, eine Gemeinschaft.

Für den Verliebten:
Ich liebe inniglich gehört zu einer Klasse: (Eco sagt nicht: diese Worte hat schon Liala gesagt, er sagt- diese Sätze.... solche Sätze, Sätze wie diese)
Diese Klasse von Sätze steht für Liala (selbst wenn Liala nie einen solchen Satz wirklich geschrieben hätte) , und Liala steht für eine bestimmte Weitanschaung, für eine bestimmte Art und Weise die Liebe, die Frau und den Mann in der Liebe zu betrachten.

Logische Schlußfolgerung: Ich könnte Liala zitieren, ich könnte meine Freundin zeigen, daß ich erkannt habe, was Liala ist, und daß ich sie liebe, aber nicht nach der PseudoUnschuld der Romane von Liala, also ich kann ihr ko mmuniziere, daß ich mich von Liala distanziere, ich könnte das Gesagte gebrauchen um etwas anderes zu sagen. (In Frage stellen das, was ich glorifiziere)

 

Er sagt: "Wie jetzt Liala sagen würde- Ich liebe dich inniglich."
Der Satz wird Zeichen für das Mädchen. Wenn sie das Spiel mitmacht,dann könnte man von finalen Interpretant, von einer neuen Gewohnheit sprechen.