Lorenz
Engell
Vorlesung:
"Umberto Eco"
(WS 1998/9,
Do., 19-21, Hs C)
4.
Vorlesung (12. 11. 98):
Grundlagen, 3: Das Zeichen.
o.
Einleitung.
1.
Begrüßung und Rückblick.
- Begrüßung;
Hinweise.
- Rückblick,
Teil 1: Konzept des Offenen Kunstwerks anhand von Beispielen aus
Dichtung (Eluard), Malerei (Pollock), Musik (Schönberg),
Massenmedien (Fernsehen).
- Rückblick,
Teil 2: Theoretische Probleme des Offenen Kunstwerks:
Ästhetik und Poetik; zur Autonomie des
Kunstprozesses.
- Rückblick,
Teil 3: Form und Engagement, Entfremdung und Erfahrung, Sinn und
Maschine.
- Schluß:
Notwenigkeit einer "Tieferlegung der Fundamente" (Bense) bzw.
Ausweitung des Informationskonzeptes, um die Frage nach der
Relation zur "Wirklichkeit" beantworten zu können
2.
Ausblick.
- Teil 1:
Semiotische Theorie, 1:
- Zur
Grundlegung des Zeichenbegriffs bei Ferdinand de Saussure und
(insbesondere) Charles Sanders Peirce.
- Teil 2:
Semiotische Theorie, 2: Das Zeichen als dreistellige Funktion bei
C.S. Peirce.
- Teil 3: Eine
Beispielanalyse (was kann man mit dem Modell eigentlich anfangen):
Ecos Analyse von "Steve Canyon".
1. Grundlagen
des Zeichenmodells.
1.
Einleitung.
- Anschluß
an die Problematik des Offenen Kunstwerks: Problem der
Connexio:
- Wie
hängen informationelle Strukturen und nicht-informationelle
Strukturen zusammen ?
- Aufgliederung
der Frage in Schritte: Unter Ausblendung der Frage nach der
"Wirklichkeit" dennoch Frage nach dem Zusammenhang
informationeller/signifikativer Muster (vgl. oben, 2.
Vorl.).
- wie
können zwei verschiedene Muster (Signalmuster, mentale
Muster, Perzeptionsmuster usw.) zusammengebracht/gedacht werden ?
Wie ist es möglich, daß ein Muster für ein anderes
steht ?
- in
späteren Schritten: (Ausblick) Rückkehr zur Frage nach
der "Wirklichkeit" im Zusammenhang mit Referenz, Interpretation,
Kultur, Lektüre, "Unterer" und "Oberer Schwelle" des
kulturellen Prozesses (Eco).
- Damit ist
das Problem des Zeichens angeschnitten bzw. das "Feld der
Semiotik" beschritten.
- Diesen
Gedankengang vollziehen um 1965 viele Autoren, die von der
Informationstheorie herkommend sich mit Semiotik befassen, die
Semiotik entdecken, z.B. auch Bense.
- Notwendig
also folgende Arbeitsschritte:
- Grundzüge
der Semiotik
- Befassung
mit dem Problem der SIGNIFIKATION
- Befassung
mit dem Verhältnis von Zeichen und Wirklichkeit
(Kulturprozeß). Heute: Teil 1, Grundzüge der Semiotik,
mit Hinblick auf die weiteren Schritte.
2. Allgemeine
Bestimmungen des Zeichens.
- "Untere
Schwelle der Semiotik": etwas steht für etwas anderes,
"aliquid pro aliquo".
- Dabei
argumentiere ich jetzt nicht mehr mikrobiologisch
(Hirnreiz-Muster) sondern makro"semiotisch": Komplexe Muster
werden zu Wahrnehmungen, Begriffen etc. verdichtet.
- Unterscheidung
Induktive und Deduktive Semiotik; Taxonomie und Funktionsmodelle:
alle Varianten bei Eco präsent.
- Haupt-Referenztheorien:
Ferdinand de Saussure und Charles S. Peirce. fast alle
Zeichentheorien lassen sich diesen beiden Strängen zurechnen;
insgesamt in der frz. Tradition fast ausschließlich Rekurs
auf de Saussure ("Semiologie") - Ausnahme: Deleuze, Dalledalle -;
in der überigen Theorielandschaft nahezu gleichwertige
Berücksichtigung ("Semiotik").
- Gemeinsame
Grundlage: In den Zeichenprozessen wird der Kern aller
Kulturprozesse gesehen.
2. Eins, zwei
drei.: Das Kategoriensystem und das Zeichen als Triadische Relation
bei Ch. S. Peirce
1. Peirces
Kategoriensystem.
- Peirce:
Erstheit: Ist, was es ist, dadurch und nur dadurch, daß es
ist: Selbstgegebenheit, Faktizität, Isoliertheit. Hier z.B.:
Das Signal.
- Zitat hierzu
aus Eco, Zeichen; Parallelzitat aus Walther, Allg.
Zeichenlehre.
- weitere
Beispiele: "Materialität der Kommunikation"
- Zweitheit:
Ist, was es ist, dadurch und nur dadurch, daß es mit einem
anderen in Zusammenhang steht. Also: Die Beziehung signifikanter
auf signifikate Muster; die Ursache-Wirkung-Relation,
Finalkausalität, Zweck-Mittel-Relationen usw.
- Zitat hierzu
aus Eco, Zeichen; Parallelzitat aus Walther, Allg.
Zeichenlehre.
- Beispiele:
Das gerade ist es, was uns oben so interessierte !
- Drittheit:
Etwas, das ist, was es ist, dadurch und nur dadurch, daß es
mit einem Zusammenhang im Zusammenhang steht. Also: die
lawinenartige Auslösung signifikanter Muster z.B., der
Sinnprozeß.
- (wie
oben)
2. Das Zeichen
als Triadische Relation
- Def.:
Zeichen: "Triadische Relation" eines Ersten, eines Zweiten und
eines Dritten.
- Jeder Pol
dieser Zeichenbeziehung kann nochmals auf verschiedene Weise
gegeben sein, (Hinweis: dient der Vollständigkeit;
interessiert Eco aber weiter nicht, mit einer Ausnahme, die wir
kennenlernen werden. (nachlesen in: "Zeichen").
- Die drei
Stufen der Erstheit nach Peirce: Qualizeichen (bloßes
Vorhandensein ohne Anfang und Ende), Sinzeichen (konturiert,
Gestalthaft), Legizeichen (konventionalisiert).
- Die drei
Stufen der Zweitheit nach Peirce: Ikon
(Ähnlichkeitsbeziehung); Index (Kausalbeziehung); Symbol
(Konventionalitätsbeziehung); Beispiele: Photographie -
Meßgerät - Wort.
- Hinweis: Das
genau ist es, was uns interessiert; daher: wird nochmals
gründlich problematisiert (Vorl. zur Referenz; Vorl. zur
Ähnlichkeit).
- Die drei
Stufen der Drittheit nach Peirce: Rhema (Zeichen steht für
sich allein); Dicent (Zeichen steht mit einem anderen zusammen);
Argument (Zeichen bildet mit mehreren anderen einen Zusammenhang
aus): Laut - Wort - Satz z.B.
3.
Kategorisierung von Zeichen anhand von Beispielen nach Peirce.
- Vorrede:
Alle Kategorien lassen sich in allen Zeichen nachweisen (zumeist),
aber nicht alle dominieren in einem konkreten Fall auch auf die
gleiche Weise)
- DIA: Barnett
Newman, Who's Afraid of Yellow, Red and Blue ? - Ein klassischer
Fall von Erstheits-Dominanz.
- FOLIE: Ein
Auszug aus einem Fahrplan. - Drittheit und Zweitheit.
- FOLIE/DIA:
Portrait (Gesicht) einer "normalen"/ einer bekannten Person:
Aspekte der Erstheit, Zweitheit, Drittheit. Beschreibung eines
Problems der Photographie.
4.
Kategorisierung von Zeichen bei Umberto Eco.
- Eco benutzt
die Peirceschen Kategorien, kritisiert sie auch, insbesondere die
Begriffe von Icon, Index und Symbol; er zieht aber hoch
eklektizistisch auch jede Menge anderer Zeicheneinteilungen heran;
Hinweis: ein typisch barockes Verfahren !
- FOLIE :
Beispiel 1: Unterscheidung der Zeichen nach ihrem Material (Eco:
ihrer Quelle).
- FOLIE:
Beispiel 2: Unterscheidung der Zeichen nach dem Grad der
Zeichenhaftigkeit.
- FOLIE:
Beispiel 3: Unterscheidung der Zeichen nach dem physischen
Kanal.
- FOLIE:
Beispiel 4: Unterscheidung der Zeichen nach dem erzeugten
Verhalten.
- Kommentar
hierzu: Offensichtlich auf Vollständigkeit (vgl. Sammlung)
hin angelegt; keine durchgängigen, systematischen
Kriterien.
- Das ist der
große Vorteil der Peirceschen Kategorienbildung: Ihre
strenge Logik und Prinzipientreue.
- Eco wird
später die Zeichenerzeugung (also verschiedene Arten der
Zeichenprozesse statt der Zeichenobjekte) in den Mittelpunkt
stellen.
5.
Schluß.
- Hinweis:
Kategorisierung, Taxonomie, etc.: Schubladenbildung, Einteilung,
Ordnung; vgl. Bibliothek; vgl. Gliederung eines Buches:
Modularität, Starrheit, Speicherung etc.
- Gegenkraft
sowohl bei Peirce wie auch insbesondere bei Eco: Der lebendige
Gebrauch der Zeichen, die Verkettungen, die Zeichenprozesse
(Semiosen), Grenzüberschreitungen etc.)
- mindestens
aber ein Verdienst der kleinteiligen Taxonomie: Sie hilft zu
erkennen, wie kompliziert selbst ganz triviale einfache
Zeichensysteme sind; Luhmann: Die Welt zum Unwahrscheinlichen
machen !