Prof. Dipl.-Ing. Dipl.-Des. Bernd
Rudolf
Im postgradualen Master-Studiengang MediaArchitecture widmet sich die Bauformenlehre
kontextueller Zusammenhänge im Prozess der Entstehung, Entwicklung, Wahrnehmung
und theoretischen Reflexion des medialen und architektonischen Raumes sowie
der implementierten Kommunikationsmuster. Wie können Ortsbezug der Architektur
und Zeitbezug des medialen Ereignisses zugunsten neuer Freiheitsgrade des Wahrnehmungsraumes
harmonisiert werden? Zeitgemäße Kopplungen zwischen den Entwurfsfeldern
der Architektur und der Medien erschöpfen sich leider in der Praxis häufig
in der Medienfassade des öffentlichen Raumes oder im »zur Verfügung
stellen« eines physisch notwendigen aber physiologisch weitestgehend wirkungslosen
Architekturraumes für künstlerische Medienprojekte.
Der gemeinsame Nenner zwischen Medien und Architektur könnte im »Szenarischen«
gefunden werden. Dramaturgie und Regie wären damit aus der Welt der Medien
entlehnte Handlungsmuster für den architektonischen Entwurfsprozess. Das
Vorausdenken von architektonischen Räumen in auch divergenten Szenen (Funktionsabläufen)
steht gleichberechtigt neben dem Vorausdenken von Abläufen während
der Realisierung, des Umbaus oder des Ersatzes. Das Licht als Medium (nicht
nur als Welle oder Teilchen) sollte exemplarisch zur weiteren Betrachtung herangezogen
werden. Die elementare Stellung, die das Licht wahrnehmungsphysiologisch in
beiden Berufsfeldern einnimmt erlaubt zudem, deren jeweilige facettenreiche
Gliederung in Entwerfer, Planer, Techniker, Gestalter, Philosophen und Kritiker
aufrecht zu erhalten und in spezifischen Projekten zu trainieren. Das Licht
trägt den Zeitbezug in die Architektur und den Ortsbezug in die Medien
und stiftet so einem gemeinsamen Nenner zwischen Virtualität und Realität.
In Medien-Raum-Symbiosen werden Sinneswahrnehmungen aus beiden Welten gemischt
und auf definierte Handlungsabläufe abgestimmt. In Entwurfssymbiosen werden
sich methodische Strategien aus beiden Welten zugunsten komplexer Programmstrukturen
anteilig ergänzen.
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