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Medienphilosophie geht von Medialität als grundlegender ontologischer Tatsache aus. Das heißt, dass Medien nicht einfach vorhanden sind und dass sie nicht als nachträglich hinzukommende Dritte, als Mittler andere, bereits vorhandene Gegebenheiten wie Sender und Empfänger oder Mensch und Mitmensch miteinander verbinden. Medialität bezeichnet demgegenüber eine immer schon vorausgehende Eingebundenheit etwa in ein Milieu oder ein Habitat, aus der das, was ist, immer erst hervorgeht oder hervorgebracht wird. Diese Umkehrung hat charakteristische Folgen. So gerät etwa das Lebendige als dasjenige in den Blick, was in der Lage ist, aktiv in der Organisation seiner Medialität und seines/r Milieus zu intervenieren. Medienphilosophie geht auch über die Vorstellung eines „reinen“, körperlosen Denkens in dreifacher Weise hinaus: Denken ist erstens eine Form der Problemlösung des Lebendigen, die nicht erst mit dem Menschen beginnt. Denken ist zweitens untrennbar mit Fühlen, Wahrnehmen, Bewegung, Handeln, in Relation mit Milieu und anderen Entitäten verbunden. Denken benutzt schließlich nicht Medien als Werkzeuge, sondern wird durch und mit Medien überhaupt erst ermöglicht. Medienphilosophie interessiert sich daher nicht nur für das, was aus meist gutem Grund landläufig als „Medien“ bezeichnet wird (etwa Buchdruck, Film, Radio, Fernsehen), sondern auch für komplementäre Relationen zwischen Lebendigem und Technischem in Mensch-Maschine-Relationen, etwa beim Herstellen von und Handeln mit Werkzeugen etc. Grundsätzlicher geht es um die Frage, wie  die Relation zwischen Form und Stoff, Idealität und Materialität als Medialität bestimmt werden kann. Medien sind dann als eine grundsätzliche Funktion des „durch“, „mit“ und „für“ zu fassen, die tendenziell von allen Entitäten, unbelebt oder belebt, eingenommen wird – nicht zuletzt von Menschen selbst, die selbst zu den wichtigsten Medien zählen, mit denen wir zu tun haben.

Die Forschungsschwerpunkte umfassen Kultur-, Technik- und Medialitätstheorien insbesondere französischer Provenienz (Evolutionäre Anthropologie, Phänomenologie, Deleuzes Philosophie des Films, Simondons Philosophie der Individuation und des Technischen, Poststrukturalismus, Pragmatismus, ANT und Post-ANT), Medialität des Lebendigen, Koevolution von Leben und Technik, eine vom Humanexzeptionalismus absehende Medienanthropologie, fiktionale Narrative (Audiovisuelles, Literatur, Comic) und Serialitätsforschung.