April 2011
136 – Origami für alle
Zwei Preise für die Fakultät Architektur der Bauhaus-Universität Weimar beim renommierten Schindler-Award
»Access for all«– das klingt gut und simpel. Aber bis Architektur wirklich demokratisch ist, gilt es, etliche Barrieren auf dem Weg dorthin zu überwinden. Angesichts der Herausforderungen, die das ambitionierte Motto nach sich zieht, hat der Schindler-Award »Access for all« zu seinem Leitmotiv auserkoren. 2010 bestand die Wettbewerbsaufgabe darin, einen Berliner Olympiapark ohne Barrieren zu entwickeln.
Architektur für alle
Das Thema reizte Professorin Hilde Barz-Malfatti. Als Berlinerin kennt sie natürlich das Gelände, wo ein markanter Stadtteil auf besondere Natur trifft. Prof. Hilde Barz-Malfatti bot eine Lehrveranstaltung an, in dessen Rahmen Studierende Konzepte entwickelten, um am Wettbewerb teilzunehmen.
Überall Hindernisse
Als die Architekten in spe sich zum ersten Mal das Gelände in Berlin anschauten, verzweifelten sie fast. Und hier soll zum Beispiel ein Rollstuhl fahren? Thomas Zaspel beschreibt den Ort so: »Das Entwurfsgebiet ist unwegsam, unübersichtlich und voller Zäunen. Die einzelnen Parzellen sind wie Hindernisse.«
Wunsch und Wirklichkeit
Barriere-Freiheit schien eher wie ein Wunsch – nicht wie ein realistisches Ziel. Fest stand nur soviel: Keine leichte Aufgabe. Der Schwierigkeitsgrad kommt nicht von Ungefähr. Der Schwindler-Award zählt zu den größten und höchstdotierten Architektur-Wettbewerben für Studierende und Hochschulen in Europa. 2010 etwa reichten 1394 Bewerbern aus 180 Hochschulen in 34 Ländern Konzepte ein.
Gleich zwei Preise
Umso erfreulicher, dass die Bauhaus-Universität Weimar – als einzige Hochschule, die teilgenommen hatte – zwei von insgesamt zehn Auszeichnungen erhielt: Die Jury kürte die Professur »Entwerfen und Siedlungsbau« für die Qualität der Gesamtheit der eingereichten Arbeiten mit dem 2nd Schools’ Prize for outstanding engagement, der mit 15 000 € dotiert ist. Den 5. Projekt-Preis, somit 1000 €, erhielt der Entwurf »Origami« von Maria Frölich und Thomas Zaspel.
Wie japanische Faltkunst
Die beiden wussten von Anfang an nur eines: »Wir wollten für alle Menschen planen, egal welche Fähigkeiten oder Einschränkungen sie mitbringen – nicht speziell für Behinderte.“ Das Konzept heißt „Origami«nach der japanischen Faltkunst. Es ordnet die bestehenden Parzellen des Gebiets neu: Es nutzt Schollen, durch die ein Wegeraum ohne Barrieren fließt. »So nehmen wir die Gegebenheiten des Geländes auf und arbeiten sie noch stärker heraus. Daraus entsteht ein Auffalten, Ansteigen oder Absenken des Geländes«, erklärt Thomas Zaspel
Promis, Prunk und rote Teppiche
Die Preisverleihung in Berlin glich – gemäß dem Ansehen des Schindler-Awards – einer Gala: Promis, Prunk und rote Teppiche. Am meisten beeindruckte Maria Frölich und Thomas Zaspel aber der Auftritt von Safak Pavey, der seit einem Zugunfall ein Arm und ein Bein fehlen: Mit Verve setzt sich die Delegierte der UN-Menschenrechtskommission für die Rechte Behinderter ein.
Barrieren überwunden
Vor wenigen Tagen haben Maria Frölich und Thomas Zaspel erfolgreich das Architektur-Studium an der Bauhaus-Universität Weimar mit Erfolg abgeschlossen. Die ersten Barrieren auf den Wegen in den Beruf sind mit dem Diplom und obendrauf dem Preis des Schindler-Awards also schon überwunden.
Bei Fragen können Sie sich gerne an die betreuende Professorin, Prof. Hilde Barz-Malfatti, wenden:
Bauhaus-Universität Weimar
Prof. Hilde Barz-Malfatti
Belvederer Allee 4
99423 Weimar
Tel.: +49 (0) 36 43 / 58 26 00
E-Mail: hilde.barz-malfatti@uni-weimar.de
Zuletzt geändert: 04.05.2011
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