November 2008
70 - PhD-Studiengang „Kunst und Design/Freie Kunst“
Bundesweit erster PhD-Studiengang „Kunst und Design/Freie Kunst“ mit 25 Doktoranden in der ersten Semesterwoche gestartet
Knapp ein Drittel der Doktoranden, die nun ihr PhD-Studium an der Fakultät Gestaltung aufgenommen haben, hat zuvor in Weimar studiert. Das spricht für die bundesweite Nachfrage nach dem Weimarer Modell. Ungefähr die Hälfte der PhD-Themen sind im künstlerischen Bereich angesiedelt, die anderen in den Bereichen Produkt-Design, Visuelle Kommunikation und Medien. Die Auseinandersetzung mit dem Thema der PhD-Dissertation, die gleichgewichtig aus künstlerisch-gestalterischen und wissenschaftlichen Teilen bestehen soll, hat in Absprache mit den Mentoren gleich begonnen.
Das Lehrprogramm des PhD-Programms konzentriert sich auf zwei Wochen zu Beginn und am Ende des Semesters. Im ersten Teil, der nun am 13. Oktober startete, standen das gegenseitige Kennenlernen sowie das Vermitteln von Schlüsselqualifikationen wie Übungen zum wissenschaftlichen Arbeiten, zur Vertiefung von Fragestellungen sowie zu Forschungsmethoden im Vordergrund. Gemeinsame Abendveranstaltungen und Präsentationen der Fakultätsmitglieder ergänzten das Programm. So stellten zunächst der Freie Künstler Prof. Nobert W. Hinterberger und der Produkt-Designer Prof. Heiko Bartels ihre Arbeiten zur Diskussion. Während in diesem Semester die Lehre ausschließlich von der Fakultät Gestaltung angeboten wurde, sollen im kommenden Semester auch Gastprofessuren eingebunden werden.
Ein erster Rückblick hat schon jetzt gezeigt: Die erste Woche war für die Doktoranden und die Lehrenden gleichermaßen spannend. Ein guter Beginn für diesen neuen PhD-Studiengang. Und der Bewerbungsschluss für das Sommersemester 2009 läuft schon. Es ist der 15. November 2008.
Prof. Dr. Siegfried Gronert
Sprecher der Ph.D. Graduierungskommission
Internationaler Workshop der Bauhaus Research School über Grundlagen und Bedingungen von Doktorandenforschung in künstlerischen und gestalterischen Disziplinen
Als Dachinstitution für alle strukturierten Promotionsstudiengänge, Graduiertenkollegs und Internationalen Promotionsprogramme der vier Fakultäten organisierte die Bauhaus Research School (BRS) aus Anlass des ersten nationalen künstlerisch-gestalterischen Promotionsstudiengangs an der Fakultät Gestaltung einen internationalen Workshop, um die Grundlagen und Bedingungen von Doktorandenforschung in künstlerischen und gestalterischen Disziplinen zu diskutieren. Forscher in Kunst und Design, aber auch solche der Architektur und der Mediengestaltung sollten sich vom Veranstaltungsprogramm angesprochen fühlen.
“Does it make sense to create a PhD in artistic disciplines?” fragte Christiane Schmeken, Referentin des DAAD, in ihrem Grußwort zum Start des ersten PhD-Programms in Kunst und Design/Freie Kunst in diesem Semester. Ihre eigene, ganz entschiedene Antwort lautete: “Yes, it does”. Ein Gewinn bestehe bereits darin, die Grenze zwischen rationalem Denken und intuitivem Befund zu durchbrechen und künstlerische und wissenschaftliche Aspekte in Forschungsprojekten zu vereinen. Der DAAD als Förderer des Workshops begrüßte vor allem die internationale Perspektive auf das Thema. Vertreter von Kunsthochschulen u.a. aus Finnland, Großbritannien, Irland, Italien und den Niederlanden stellten ihre bereits seit Jahren angewandten Konzepte der Doktorandenforschung vor. Besonderes Interesse fanden bei den Weimarer Promovenden die Beispiele abgeschlossener Promotionsprojekte. Spätestens hier wurde die ausbildungspolitische Bedeutung des neuen PhD-Studiengangs offenkundig: Bisher waren Promovenden, die theoriegeleitete Forschung und künstlerische Praxis miteinander verbinden wollten, gezwungen, an ausländische Hochschulen zu wechseln. Auch in dieser Hinsicht macht die Einführung eines PhD in Kunst und Design also Sinn: Weimarer Talenten ebenso wie auswärtigen Studierenden an der Bauhaus-Universität eine Forschungsperspektive in Deutschland anzubieten und damit zugleich ein wichtigen, erstern Schritt zu gehen, um zu ausländischen Kunsthochschulen aufzuschließen. Nun gilt es die großen forschungsfördernden Einrichtungen wie die DFG von den Resultaten künstlerischer und gestalterischer Forschung zu überzeugen.
Jörn Weinhold
Geschäftsführer der Bauhaus Research School
Kontakt
Bauhaus Research School
Geschäftsführer Jörn Weinhold
E-Mail: research-school@uni-weimar.de
www.uni-weimar.de/brs
71 - Projektil 2008
Austausch zwischen den Designdisziplinen fördern
Eine große Vorlesungsreihe mit international anerkannten Lektoren aus allen Bereichen der Visuellen Kommunikation zu initiieren, das war die Idee von drei Studenten der Bauhaus-Universität, nachdem sie sich Ende 2006 einen zunehmenden qualitativen und quantitativen Abbau der Lehre eingestehen mussten. Um die Qualität der Lehre an der Bauhaus-Universität nachhaltig zu verbessern, luden die Studenten hochkarätige Lektoren zu öffentlichen Vorträgen mit anschließenden Workshops ein.
Mit Erfolg. Acht anerkannte Redner erklärten sich bereit, den mal mehr oder mal weniger langen Weg in die Kulturhauptstadt auf sich zu nehmen, um den Austausch zwischen verschiedenen Designdisziplinen zu fördern und damit die Lehre der Studenten zu bereichern. Unter dem Motto „Querschläger“ ging es durch sämtliche Gestaltungsbereiche der Visuellen Kommunikation. Von Anfang an war „Projektil“ nicht als einmalige Veranstaltung geplant und ging nach einem großartigen Auftakt im Sommersemester 2008 in die zweite Runde. Wieder nahmen sich drei Studenten dieser großen Herausforderung an und etablierten durch ihr Engagement vielfältige und internationale Lehre an der Bauhaus Universität.
Der Anfang machte Kurt Weidemann (Typograph, Stuttgart), ein Urgestein der deutschen Typographie. Er entwickelte unter anderem die Hausschrift von Mercedes–Benz, gestaltet das Porsche-Logo neu und zeichnete das Logo der Deutschen Bahn. In seinem Workshop führte er die Studenten vom Computer zurück zu Bleistift und Papier und zeigte, wie wichtig althergebrachte Gestaltungsmethoden in der heutigen Zeit sind.
Den zweiten Vortrag hielten Marc Kremers und Thomas Eberwein von "The Digital Club" (New Media Design, London). Die beiden lernten sich bei der für ihre innovativen Projekte bekannten Agentur Hi-ReS! in London kennen und arbeiten jetzt selbstständig für Kunden wie Sony oder MTV.
Knapp eine Woche später waren Stefan Marx (Illustration, Hamburg) und Urs Lehni (Grafik Design, Zürich) zu Gast. In ihrem "Independent Publishing" Workshop produzierten sie zusammen mit den Studenten in nur vier Tagen insgesamt 10 verschiedene "Zines", die anschliessend in einer Auflage von 150 Stück offset gedruckt wurden.
Zweifelsohne ein Höhepunkt von Projektil 2008 war der Besuch von Stefan Sagmeister (Grafik Design, New York) einer der erfolgreichsten Grafikdesigner weltweit, der sich seinen Namen unter anderem mit Plattencovern für die Rollings Stones und Lou Reed machte.
Tom Ising (Editorial Design, München), der als Designer für das "Jetzt" Magazin der Süddeutschen Zeitung oder "Der Freund" verantwortlich war, stellte in seinem Vortrag das zu diesem Zeitpunkt noch unveröffentlichte Editorial-Design für "Ich werde hier sein, im Sonnenschein und im Schatten", dem neuesten Roman von Christian Kracht, vor.
Monica Menez (Fotografie, Stuttgart), renommierte Modefotografin, begeisterte die Studenten mit ihren Improvisations-Fähigkeiten. Im Workshop näherte sie sich dem Thema "Optische Täuschungen" fotografisch.
Katrin Oeding (Creative Direction, Hamburg) rundete Projektil 2008 mit ihrem Vortrag und Workshop zum Thema "Markenentwicklung" ab.
Alle Lektoren haben den Studenten eindrucksvolle Einblicke in ihre Arbeit gegeben. Die hohen Teilnehmerzahlen der Veranstaltungen und das Feedback der Studenten geben der ursprünglichen Projektidee recht und lassen auf ein mindesten genauso erfolgreiches "Projektil 2009" hoffen.
Kontakt
Projektil-Team
Manuel Goller, Mathias Schmitt, Moritz Wiegand
E-Mail: projektil@gestaltung.uni-weimar.de
Wir sind noch auf der Suche nach begeisterungsfähigen, engagierten Studenten, die "Projektil 2009" organisatorisch und formal mit gestalten möchten. Bitte meldet euch unter team@projektil.org
72 - Bedürfnisse auf Reisen
Entsorgungskonzept für abgelegene Ausflugsziele
Das Autobahnnetz der BRD ist essentiell für die Mobilität der reiselustigen Deutschen. Dem Wunsch nach ausreichender Versorgung der Reisenden wird durch zahlreiche Autobahn-Service-Betriebe Rechnung getragen. Doch an die Infrastruktur dieser Anlagen denken die wenigsten Benutzer. Aus ver- und entsorgungstechnischer Sicht sind unbewirtschaftete Autobahnrastanlagen (PWC-Anlagen), mit ausschließlich sanitären Einrichtungen, eine Besonderheit. Aufgrund ihrer oftmals großen Entfernung ist der Anschluss an die öffentliche Kanalisation schwierig. Durch den Einsatz wassersparender Sanitärtechnik fallen Abwässer hochkonzentriert an.
Für eine Vor-Ort-Behandlung in Kleinkläranlagen fehlen derzeit entsprechende Bemessungsparameter. Daher wundert es nicht, wenn viele der an PWC-Anlagen installierten Kleinkläranlagen mit Betriebsproblemen behaftet sind, und letztlich an unzureichenden Reinigungsleistungen scheitern.
Im Rahmen des Forschungsprojekts BAST, gefördert von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt), werden unter der Leitung von Prof. J. Londong, Professur Siedlungswasserwirtschaft, bundesweit Messkampagnen durchgeführt. Die aktuell erhobenen Daten dienen dazu, neue Bemessungsparameter für eine Entsorgung zu konzipieren. Die Ergebnisse fließen bei der Überarbeitung zurückgezogener Richtlinien bzw. Regelwerke ein.
Kontakt
Fakultät Bauingenieurwesen
Professur Siedlungswasserwirtschaft
Prof. Jörg Londong
Daniel Meyer
E-Mail: d.meyer@bauing.uni-weimar.de
73 - Das Campusgelände auf dem Seziertisch
Entwerfen mit System
Das Campusgelände, vielmehr die Brache hinter den Kuben, ist ein sehr unglücklicher Ort. Verlassen und vernachlässigt stellt sich die Frage, ob oder wie zum Jubiläum 2009 dieses der Natur überlassene Biotop der Besucherschar präsentiert werden soll. Eine architektonische und städtebauliche Fragestellung, mit der sich das Institut für Informatik in der Architektur (InfAr) unter der Leitung von Prof. Dr. Donath bereits seit einigen Semestern mit zahlreichen Studierenden auseinandergesetzt hat. Insbesondere der abgeschirmte und ungegliederte Hinterhofcharakter des Areals lädt dazu ein, mit experimentellen und unorthodoxen architektonischen Methoden und Ansätzen das Gebiet zu analysieren und im Kontext zu diskutieren. Impliziert ist dabei das Ziel, zum Jubiläum 09 ein breites Spektrum an möglichen „Visionen“ für eine Aufwertung und Neugliederung zur Diskussion zu stellen.
Modus Operandi oder „Entwerfen mit System“
Leitbilder für eine Entwurfsphilosophie des InfAr liefern die "pattern language" und "nature of order" von Christopher Alexander, einem Systemanalytiker und Architekturtheoretiker, der mit der Idee einer „Mustersprache“ Zweige der Planungsmethodik im architektonischen bzw. städtebaulichen Entwerfen, wie auch u.a. in Bereichen der Softwareentwicklung und der Kommunikationssysteme prägend beeinflusst hat. Die analytische Methodik der „pattern language“ liefert praktische Lösungsansätze, welche, entwickelt aus „Einzelmustern“ bewerteter Phänomene, mittels des Entwurfes in eine gegliederte architektonische Einheit übersetzt werden.
Projekte
In unregelmäßigen Abständen wurden Projekte, Semesterentwürfe und Abschlussthesen benutzt, um die Theorie der „pattern language“ und der „nature of order“ anhand der Campusbrache zu experimentieren und diskutieren, mit dem Ziel, mittels architektonischer Aussagen und Intentionen den Wildwuchs im Hinterhof der Bauhaus Universität einzudämmen.
Neben dem Entwurfsprojekt „Der Ohrenzeuge“ und der von einer externen Jury prämierten Bachelor-Thesis aus dem Sommersemester 2008 ist insbesondere das internationale Projekt „atelierhaus.her“ aus dem Wintersemester 07/08 zu nennen. Während sich das Projekt „Der Ohrenzeuge“ kritisch mit einer Textvorlage beschäftigte, die in Form eines Diskurses mit dem Kontext Campus und den Planungsmethodiken des Christopher Alexander mediale Implantate im Kontrast oder karikierend für das Gelände generierte, beschäftigte sich die Bachelor-Thesis „Atelierhaus für Stipendiaten“ mit der konkreten Vorstellung eines Bauwerkes für das universitäre Hinterland, um dieses aufzuwerten und in Form zu bringen.
Das international besetzte Entwurfsprojekt „atelierhaus.her“, unter Beteiligung von Prof. Elena Mortola und Prof. Alessandro Giangrande von der Universität Roma Tre, mit integrierten Kompaktphasen in Weimar und Rom, versuchte, durch eine Symbiose aus gezielt experimentellen Herangehensweisen und methodischem Planen das Areal zu analysieren. Auf dem Gelände wurden situativ und en detail nach möglichen Mustern und Sense Data gesucht, um diese am runden Tisch kontrovers zur Diskussion zu stellen. Die daraus gewonnene Formalisierung der Sinnesdaten ließ eine Übersetzbarkeit in Planungsvorstellungen und Entwurfsansätzen zu, um eine Neuordnung und Aufwertung des Geländes zu erreichen.
Resümee
Die Idee „Experiment Bauhaus“ in der Anwendung von unorthodoxen und unkonventionellen Herangehensweisen und Betrachtungen im Kontext Campus findet in den Semesterentwürfen des InfAr nicht nur ihren Platz, sondern ist nicht nur wegen des Jubiläums Programm. Das Institut beschäftigt sich in Forschung und Lehre mit der Entwicklung, Erprobung und Darstellung von experimentellen Lösungsansätzen mittels informationellen Systemen, Theorien und Praktiken. Das Ziel ist hierbei die Erprobung einer experimentell-intuitiven Entwurfsstrategie und eines situativ-informativen Gestaltungsprozess unter der Berücksichtigung von systemtheoretischen Ansätzen. Die Vernetzungen von Softwaretools, wie etwa Darstellungsprogrammen oder Planungsapplikationen, und semantischen Erfahrungen, also einer Verschaltung von Informations-Daten und Sinnes-Daten, sind für InfAr Momente des „Experimentes Bauhaus“
Kontakt
Fakultät Architektur
Professur Informatik in der Architektur
Dipl.-Ing. Christian Bauriedel, Karsten Windels
E-Mail: christian.bauriedel@uni-weimar.de
Zuletzt geändert: 17.02.2011
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