Übersicht über die Projekte im Dezember 2007
26 - Thüringer Augenzeuge
„Sie sehen selbst – Sie hören selbst – urteilen Sie selbst!"
Inspiriert durch den legendären Slogan der DEFA-Wochenschau, „Der Augenzeuge" von 1946 haben die Thüringer Allgemeine und die Bauhaus-Universität Weimar einen unabhängigen Video-Blog („Vlog") als „Thüringer Augenzeugen" aufgebaut. Mit dem innovativen Projekt sollen die politischen Entscheidungsprozesse in Thüringen greifbarer und begreifbarer gemacht werden. Ende des Sommersemesters hat ein studentisches Redaktionsteam um den erfahrenen Videojournalisten Johannes Romeyke eine sich beständig weiterentwickelnde, netzbasierte Broadcasting-Plattform aufgebaut. Die Studierenden entwickeln nun dieses innovative Format im Rahmen eines Masterprojekts im Studiengang Mediengestaltung unter Leitung von Prof. Wolfgang Kissel (Professur Medien-Ereignisse) beständig weiter und können eigene Filme und Gestaltungsideen zeit- und praxisnah umsetzen.
Zuerst ausgehend von der Figur des Ministerpräsidenten wird das noch unbeobachtete, (halb)öffentliche politische Geschehen in Thüringen Thema einer begleitenden filmischen Berichterstattung. Die persönlichen Portraits weiterer Politiker und ihr öffentliches Handeln, die Momente vor und nach ihren großen Auftritten ergänzen das Bild. Das unkontrollierte, ungestellte und scheinbar nebensächliche Geschehen, der Politiker-Alltag jenseits der traditionellen Fernsehberichterstattung, erschließt die politische Landschaft im Freistaat aus neuen Perspektiven. Seit Juni lädt der Vlog ein, Kabinettssitzungen der Landesregierung zu verfolgen, aber auch mit Dieter Althaus Fußball zu spielen oder im Rahmen der „Erfurter Herbstlese" der jungen Autorin Ariadne von Schirach bei der Präsentation ihres ersten Buches über die Schulter zu schauen und abseits der Öffentlichkeit mit ihr ins Gespräch zu kommen. Der Freiraum des unabhängigen Video-Blogs von Thüringer Allgemeine und Bauhaus-Universität bietet den geeigneten Rahmen, um Tradition und Innovation, Experiment und videojournalistische Praxis, Forschung, Lehre und künstlerisch-gestalterische Entwicklung zu verbinden.
www.thueringer-allgemeine.de/ta/ta.vlog.php
Kontakt:
Fakultät Medien
Prof. Wolfgang Kissel
Professur Medien-Ereignisse
Tel.: 0 36 43/58 36 06
wolfgang.kissel@uni-weimar.de
27 - Mediale Historiographien
Medienwissenschaftliche Forschung
Das Graduiertenkolleg "Mediale Historiographien" ist seit 2005 an der Bauhaus-Universität Weimar angesiedelt. Es untersucht den wechselseitigen Zusammenhang zwischen Medieninnovationen, der Dynamik kultureller Prozesse und ihrer historiographischen Konzeptualisierung seit dem 19. Jahrhundert und antwortet auf drei verschiedenen Ebenen einem Desiderat medienwissenschaftlicher Forschung.
So geht es erstens um die systematische Frage, wie sich moderne Geschichtserfahrung in Wechselwirkung mit unterschiedlichen Speicher-, Übertragungs- und Darstellungsmedien formiert und transformiert hat. Dabei werden die Korrelationen zwischen Medien, Geschichte und Geschichtsschreibung an exemplarischen Konstellationen ebenso wie in grundlegenden Problemstellungen untersucht.
Es steht damit zweitens auch eine methodische Frage im Mittelpunkt, die Frage nämlich, wie sich Geschichtsbegriffe in Abhängigkeit von medialen Bedingungen darstellen und überprüfen lassen, wie also eine Theorie der Geschichte an eine Theorie der Medien – und umgekehrt – appelliert.
Drittens schließlich geht es um die disziplinäre Möglichkeit einer historischen Medienwissenschaft: In dem Maße, wie sich verschiedene geisteswissenschaftliche Fächer der Notwendigkeit medienwissenschaftlicher Fragen gestellt und geöffnet haben, ergibt sich der Rahmen für ein interdisziplinäres Arbeitsgebiet, in dem eine Geschichte der Medien zum Leitfaden für die Beobachtung moderner Kulturen – und ihrer Geschichte – geworden ist.
Am Freitag, dem 14.12.2007 lädt das Graduiertenkolleg zum Gastvortrag vom Prof. Samuel Weber (Evanston/Paris): "Protection and Projection. Towards a Politics of Singularity". Seminarraum 15, Bauhaustr. 11, 99423 Weimar, 19 Uhr.
Das Graduiertenkolleg wird als ein Instrument der strukturierten DoktorandInnenförderung von der deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.
www.mediale-historiographien.de/AKT.html
Kontakt:
Fakultät Medien
Dr. Lars Friedrich
Koordinator (Weimar)
Tel.: +49 (0) 36 43/58 39 10
E-Mail: info["at"]mediale-historiographien.de
28 - Dynamik der Großstadt
Das zweite Leben eines Bauhaus-Filmskripts
Bei der Auseinandersetzung mit den Grundlagen und der Ideengeschichte des Bauhauses stießen die Gestaltungs-Studenten Sebastian Helm und Maximilian Sauerbier („Schroeter und Berger“) auf das faszinierende Bauhausbuch Nr. 8 „Malerei Fotografie Film“ von Lászlò Moholy-Nagy. 1920 nach Berlin gekommen, wollte er einen Film über den Alltag der Stadt drehen, der aufgrund von Behörden-Absagen nicht realisiert wurde. Einzig blieb ein Filmmanuskript über die „Dynamik der Gross-Stadt“, die Moholy-Nagy als avantgardistische Typofoto-Arbeit und Lesefilm entwickelte. Schroeter und Berger haben diese grafisch spannungsreiche Vorlage als Gerüst für einen Animationsfilm mit Hilfe der Collagetechnik und eigenem Bildmaterial realisiert. Die Aktualität Moholy-Nagys spiegelt sich in der Aneinanderreihung rasanter Abfolgen bewegter, großstadtspezifischer Symbolik in Bild, Text und Ton. Vorgegeben hatte er bereits eine nichtlineare Erzählstruktur, um Wandel und Entwicklung der Großstadt zeigen zu können. Während der Korrekturen an der zweiten Auflage des Bauhaus-Buches Nr. 8 erhielt Moholy-Nagy Kenntnis von Walter Ruttmanns Film „Berlin, die Sinfonie der Großstadt“. Mit großer Wahrscheinlichkeit kannte Ruttmann das Skript zu „Dynamik der Gross-Stadt“ und ließ sich davon wohl inspirieren.
Die Interpretation der „Dynamik der Gross-Stadt“ wurde dank der Unterstützung der Rosa-Luxemburg-Stiftung realisiert. Die Künstleredition ist zum Preis von 30 Euro zu erwerben und kann hier bestellt werden.
Schroeter und Berger ist ein Büro für Lösungen, das interdisziplinär in den Bereichen Print, Video und Audio, Installation, Ausstellungsgestaltung und -konzeption sowie Webdesign arbeitet und zahlreiche Auszeichnungen für seine freien Arbeiten bekommen hat.
Kontakt:
Fakultät Gestaltung
Sebastian Helm und Maximilian Sauerbier
Schröter und Berger
schroeterundberger@yahoo.de
Zuletzt geändert: 17.02.2011
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