Bauhaus-Universität Weimar
Professur Theorie und Geschichte der modernen Architektur
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Promotionen am Lehrstuhl

Master- und Doktorandenkolloquium „Theorie und Geschichte der Architektur“

Das Kolloquium ermöglicht fortgeschrittenen Studierenden des Masterstudiums und Promovenden des Lehrstuhles einen regelmäßigen Austausch über wissenschaftliche Fragestellungen im Bereich der Architekturgeschichte und der Architekturtheorie. Dies soll in unterschiedlichsten Formaten geschehen. Neben Berichten zu laufenden Master- und Promotionsvorhaben ist auch die Diskussion von Texten möglich, die einen weiteren methodologischen oder theoretischen Horizont aufspannen und damit unabhängig von spezifischen Forschungsprojekten relevant für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sein können. Die gemeinsam mit dem Lehrstuhl Denkmalpflege und Baugeschichte angebotene Veranstaltung findet während der Vorlesungszeit immer dienstags um 17:00 Uhr in den Räumen des Lehrstuhles Theorie und Geschichte der modernen Architektur statt. Es wird darum gebeten, rechtzeitig einen verbindlichen Termin für die Präsentation eines Master- oder Dissertationsprojektes oder für die Diskussion möglicher Texte im Sekretariat des Lehrstuhles anzugeben. Die erste Veranstaltung findet am 17. April 2012 statt. 

Konsultationen und Referate

Ronny Schüler

22. Mai 2012 | 17 h

„A HOUSE IS NEVER JUST A HOUSE“
Architektur und Gesellschaft in Israel


Wie keine andere westliche Gesellschaft erkannte und forcierte Israel mit der Staatsgründung 1948 die Möglichkeiten der Architektur, erzieherisch und integrativ zu wirken. Es galt, die heterogene Bevölkerung jüdischen Glaubens, die seit Beginn der Einwanderungswellen am Ende des 19. Jahrhunderts stetig wuchs und
mit der Staatsgründung zu einer Nation wurde, zu einer Gesellschaft zu formen, die nicht nur durch den gemeinsamen Glauben, sondern darüber hinaus durch eine gemeinsame nationale und kulturelle Identität dauerhafte Lebensfähigkeit und Stabilität gewinne sollte. Den Planungswissenschaftlern, vor allem aber den Architekten, wurde hierbei eine entscheidende Rolle zugewiesen. In der Gründerjahren des Staates Israel entwickelt sich eine hochwertige, in ihrer Dichte weltweit vermutlich einmalige Architektur im internationalen Stil.
Die kritische Frage nach dem Erfolg diese nationalen Projektes stellt sich nicht erst seit heute. Mit den
Sozialprotesten des vergangen Sommers erhalten die Heterogenität und Zerrissenheit der israelischen Gesellschaft jedoch eine neue mediale Aufmerksamkeit, jenseits der Dauerthemen ›Nahostkonflikt‹ und ›Siedlungspolitik‹. Der Blick auf die Architektur des Landes enthüllt darüber hinaus einen dramatischen Verfall der Baukultur und das in einem Land, das für seine Kunst und sein Design weltweit durchaus geachtet ist. Was ist los mit den Architekten? Wie und warum haben sie ihre prominente Stellung und ihren Einfluss auf das architektonische und gesellschaftliche ›Projekt Israel‹ eingebüßt?
Diese Arbeit unternimmt den Versuch, anhand von Fallbeispielen die Rolle des Architekten in der zeitgenössischen israelischen Gesellschaft zu beleuchten. Die zentrale Frage lautet hierbei: Welche Rolle weist diese Gesellschaft ihren Architekten zu und welche gesellschaftsdiagnostischen Möglichkeiten eröffnet eine Untersuchung dieser Profession.

Übersicht Konsultations- und Referatsliste

U__776_bersicht_Konsultationen.pdf

49 K

Laufende Promotionsvorhaben

Das Manifest im ästhetischen Diskurs- Zeuge intentionaler Krisen?

Eine Betrachtung am Beispiel des Deutschen Werkbundes

Christina Anna Kloke

Seit seiner Gründung im Jahr 1907 regiert der Deutsche Werkbund mit dem Medium Manifest auf Veränderungen im gesellschaftlichen, politischen als auch technischen Bereich und bildet dabei ein bedeutendes Beispiel der Geschichte des Manifestes im ästhetischen Diskurs ab. So wurde bei Neugründung des DWB nach dem Zweiten Weltkrieg im Jahr 1947 im „Rheydter Manifest“ festgelegt, „[…] dass die Aufgabe des Werkbundes neu gestellt ist. Es handelt sich nicht mehr um die ästhetische Veredelung einer gesicherten Lebensform, sondern darum: Sinn und Gestalt des Daseins im heutigen Deutschland zu erkennen, zu wollen und zu bilden“ (Oestereich 2000).
Durch ihre Konjunktur zu Krisenzeiten dienen Manifeste „als Fixsterne öffentlicher Debatte und sensible Seismographen“ (Klatt 2011), die mittels programmatischer Aussagen Zustände intentionaler Krisen beenden und Klarheit verschaffen wollen.
Ziel der Arbeit ist es, die Fähigkeit und Bedeutung des Manifestes als Spiegel vergangener und gegenwärtiger, als auch Wegbereiter und Projektionsfläche zukünftiger Diskurse am Beispiel der Manifeste des Deutschen Werkbundes und seiner Vertreter zu analysieren. Vor dem Hintergrund des situativen, medialen, institutionellen und historischen Kontextes soll das Manifest als Zeuge intentionaler Krisen beleuchtet, bzw. die jeweilige intentionale Krise bestimmt werden. Hierbei gilt es nicht nur Entwicklungslinien des Deutschen Werkbundes zu ergründen, sondern auch den Wandel der Manifest-Kultur im ästhetischen Diskurs zu erörtern. Zudem soll die Kongruenz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, bzw. Manifest und „eigentlichem“ gestalterischen Werk einzelner Gestalterpersönlichkeiten untersucht werden.
 

Urban interiority


Mehran Mojtahedzadeh

My interest is focused directly on the concept of interiority in the urban scale. My research will explore the social and political interpretations and implementations of this concept in the contemporary city, and the sociopolitical effect of intimacy on the urban fabric and the perception of its inhabitants. 

The notion of interiority is one of the key aspects of Persian architecture, one that is connected to factors such as the climate, religion, and culture. It is heavily present in the Persian archetypes. However, this presence is limited to the scale of single buildings, except in one unique example where it acquires an urban scale: the Persian bazaar. The example of the Persian bazaar offers an alternative to the architectural strategy of designing single buildings: the ability to create an environment filled with diverse programs and events that offer a rich experience for the user at the urban scale.

For the first time in history, the number of people living in cities exceeds those living in rural environments. One of the challenges that the contemporary city is facing is that an increase in scale and density, results in a decrease in the sense of intimacy. The mega scale of the contemporary metropolis makes it impossible for the inhabitant to fully grasp its materiality. As a result the sense of alienation and detachment from the surrounding environment is further increased. Inhabitants are no longer participants but passersby, consequently, social relations between the inhabitants are minimized. With the rapid growth of cities along both the vertical and horizontal axis, the possibility of creating intimate zones within an existing city fabric can be of great value.

The notion of intimacy has acquired different meanings. For the inhabitant of the 21st century city, intimacy is not only limited to the material manifestation of an interior space. The virtual space that the internet has created around and within our lives and the life technologies that we engage with everyday have resulted in a radically different perception of place and the interior, one that is perhaps more connected with the concept of mobility than static space. These spatial qualities are manifestations of a much larger sociopolitical milieu. The Persian bazaar will be used as a generative model and an initial starting point, thus studied and analyzed in detail. The aim is to investigate the notion of urban interiority, and to understand what it can mean for us in the social and political realm today, how it can perform, and how it can affect the social experience of the city by its inhabitants.

 

Mela Mela Melancholia?

Die Ruine als urbanes Phänomen im europäischen Kontext (Arbeitstitel).
 
Kai Nikolaus Grüne
 
In der Architekturgeschichte gibt es seit der Renaissance die Tradition der positiv konnotierten Ruinenfaszination. Wie die Ruine aus einer modernen Perspektive bewertet und ob sie in einer aktuellen Architekturdiskussion reflektiert wird, ist die Ausgangsfrage des Promotionsvorhabens. Ziel der Arbeit ist es, nach architektonischen Strategien bezüglich des Umgangs mit dem ruinösen Fragment zu forschen und Taktiken zu formulieren, die die Frage nach modernen Positionen zum urbanen Phänomen der Ruine beantwortet. Wie reagiert zeitgenössische Architektur auf Ruinen und wie werden diese integriert? Welches Potential  entsteht durch die Konfrontation zwischen Neubau und Zerfall für das städtische Gefüge? Forschungsgegenstand ist nicht ein Bautypus, sondern der Zustand von Gebäuden. Als These wird dieser Arbeit der Gedanke vorangestellt, dass jede Stadt ihre Ruine braucht. Diese Behauptung resultiert aus der Überzeugung, dass das Element des Unvollkommenen einen lebensnotwendigen Bestandteil des städtischen Raums darstellt.

Il Bauhaus e il Razionalismo in Italia

Die Bauhausrezeption in Italien. Vom Rationalismus zur «Architettura radicale»

Tiziana Agus

Das Bauhaus prägte mehr als jede andere Institution des 20. Jahrhunderts das Bild der ästhetischen Moderne. Sein Einfluss – auch nach seiner Schließung – auf die deutsche und internationale Kultur zeugt von seiner großen und anhaltenden Wirkung. Mit diesem Vorhaben soll seine Bedeutung für den italienischen Architekturdiskurs des 20. Jahrhunderts untersucht werden. Im Zentrum steht die Frage, inwieweit Prinzipien des Bauhauses für die italienische Diskussion prägend waren und wie politische und wirtschaftliche Veränderungen die Auseiandersetzung mit dem Vorbild beeinflussten.

Die Anfänge der Neugotik in der westfälischen Sakralarchitektur

von den Anfängen gotischer Stilrezeption bis zur dogmatischen Phase

Peter Vormweg

Westfalen gilt nicht als eines der wichtigen Kunstzentren des 19. Jahrhunderts und war daher bislang noch nicht Thema intensiver bzw. flächendeckender Untersuchungen dieser Epoche. In der Tat steht das Bauwesen in Westfalen weitgehend unter äußerem Einfluss oder orientiert sich an Entwicklungen von außerhalb. Erste gotisierende Stilerscheinungen kommen schon weit vor der Jahrhundertwende zum 19. Jahrhundert vor. Nach den Befreiungskriegen gerät Westfalen unter preußischen Einfluss und damit unter denjenigen der Oberbaudeputation. Die räumliche und konfessionelle Nähe des in weiten Teilen katholischen Westfalen zur Rheinprovinz führt aber zu einer dankbaren Aufnahme der sich am Kölner Domausbau nach 1842 entzündenden doktrinär-neugotischen Bewegung. Die Entwicklung des sakralen Bauwesens in diesem Spannungsfeld zwischen Berliner und Kölner Einflüssen ist ein Untersuchungsgegenstand, der in Westfalen durchaus die Charakteristika beider Seiten deutlich macht und von den wichtigsten Protagonisten beider Seiten beeinflusst wird. Die zeitliche Grenze der Untersuchung ist mit dem Jahrzehntwechsel 1870 gesetzt, da anschließend der Kulturkampf zu einem merklichen Einbruch des sakralen Bauwesens führt, welches sich erst nach 1880 wieder merklich erholt. 

Von der Archiskulptur zur Swiss Box und zurück.

Untersuchungen zur zeitgenössischen, schweizer Sichtbetonarchitektur. 

Daniel Reisch

In wie kaum einem anderen Land Europas gibt es in der Schweiz ein breites Interesse an moderner Architektur. Damit einhergehend genießt auch „der“ Baustoff der Moderne, der Sichtbeton, eine breite Akzeptanz. Die Arbeit versucht zeitgenössische Sichtbetongebäude systematisch zu kategorisieren, die Einflussfaktoren technischer und kultureller Art zu beschreiben und historisch zu verorten. Gesamthaft soll untersucht werden, welche neuartigen Strategien für das Material Sichtbeton entwickelt werden müssen, um den komplexen Anforderungen des zeitgenössischen Bauwesens gerecht zu werden.