Bauhaus-Universität Weimar
Professur Denkmalpflege und Baugeschichte

Denkmal Werte Dialog

www.denkmalwerte.org

Historisch-kritische Analyse und systematisch-praktische Konzeption
denkmalpflegerischer Leitwerte
 


Leitwerte und Handlungsmaximen der Denkmalpflege sind nach der politischen
Wende von 1989 europaweit unter Druck geraten und im theoretischen Diskurs
wie der praktischen Handhabung in Frage gestellt worden. Scheinbar sichere
fachliche Grundlagen haben ihre Allgemeinverbindlichkeit verloren, die Akzeptanz
der Denkmalbehörden ist im Schwinden begriffen, das Gebot der umsichtigen
Behandlung des kulturellen Erbes kollidiert zunehmend mit
Wirtschaftlichkeitserwägungen - ohne dass praktikable neue Wertsysteme an die
Stelle des Überkommenen getreten wären und der Stellenwert des kulturellen Erbes
eine zeitgemäße Definition in der globalen Gesellschaft gefunden hätte. Eine neue
Lust an der Vergangenheit spiegelt sich zudem in den zahlreichen
Rekonstruktionsprojekten. Während historische Highlights weitgehend aus dem
Baukasten verfügbar sind, treten authentische, bedrohte, "reale" Denkmale
unterhalb der kulturellen Spitzenplätze in den Hintergrund. Es verschwindet, kurz
gesagt, das Unspektakuläre am Historischen.


Unterschiedliche Aspekte können heute das Denkmal bestimmen - das materielle
Zeugnis, seine Erlebnisqualität, sein Kunstwert, seine Funktion als
Alleinstellungsmerkmal oder sein identifikationsstiftendes Potential. Die von Politik,
Gesellschaft und Wissenschaft geforderten Antworten auf die Fragen nach den
Aufgaben und Wertvorstellungen der Denkmalpflege sollen in diesem
Forschungsprojekt durch eine kritische Revision denkmalpflegerischer Leitwerte und
deren Verhältnis zueinander erarbeitet werden.

Das Projekt widmet sich neben der der fachinternen Vermittlung divergierender
Positionen und Wertvorstellungen auch der Übersetzung denkmalpflegerischer
Werte in die Gesellschaft bzw. der Rückübersetzung gesellschaftlicher Ansprüche in
die denkmalpflegerische Praxis.
 

Für die mit Umbruch und Neuausrichtung konfrontierten Gesellschaften Europas
erklärt sich die Relevanz des Forschungsvorhabens nicht nur angesichts der
materiellen Begrenztheit und Unwiederbringlichkeit von Denkmalen, sondern auch
aus dem Bedürfnis der Menschen nach identitätsstiftenden kulturellen Grundlagen.
Denkmale repräsentieren den "Gemeinbesitz der Menschheit" -  wie es Goethe,
Dehio und auch andere formuliert haben; in einer zunehmend durch
Privatinteressen geprägten Gesellschaft kommt dessen Bewahrung und
zukunftsfähiger Verankerung eine besondere Funktion zu. Diese Herausforderungen
nimmt das Forschungsprojekt auf und zielt auf eine zeitgemäße Formulierung
denkmalpflegerischer Werte und Wertsysteme. Wie lässt sich die Reflexion über
kulturelle Identität und die gesellschaftlich-historische Selbstvergewisserung in
Handlungswissen für die denkmalpflegerische Praxis übersetzen?


Die vier Teilprojekte untersuchen die der denkmalpflegerischen Praxis zugrunde
liegenden Leitwerte historisch-kritisch und systematisch, wobei die Zeitbedingtheit
solcher Werte, ihr Reflex auf gesellschaftliche Veränderungen und ihr
zukunftsstiftendes und -strukturierendes Potential die Untersuchungen prägt.

 

Am Verbundprojekt sind folgende ForscherInnen und Institutionen beteiligt:
Prof. Dr. Hans-Rudolf Meier, Bauhaus Universität Weimar, Fakultät Architektur,
Professur Denkmalpflege und Baugeschichte.
Dr. Ingrid Scheurmann, Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Bonn,
Abteilungsleitung Dokumentation und Denkmalvermittlung; TU Dresden,
Fakultät Architektur, Vertretungsprofessur Denkmalkunde und angewandte Bauforschung.
Prof. Dr. Wolfgang Sonne, Technische Universität Dortmund, Fakultät Bauwesen,
Lehrstuhl Geschichte und Theorie der Architektur (GTA)
Dr. Ulrike Wendland, Landesamt für Denkmalpflege Sachsen-Anhalt, Halle/S., Landeskonservatorin