Forschungs- und Publikationsprojekt zum Hauptportal des Basler Münsters

Fotos © Carola Jäggi
Im Rahmen eines von der Münsterbaukommission der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt beauftragten und von den freunden der Münsterbauhütte kofinanzierten Ausstellungs- und Publikationsprojekts wird die Bau- und Überlieferungsgeschichte des Westportals des Basler Münsters untersucht. Die spätromanische Kathedrale erhielt bereits wenige Jahrzehnte nach der Vollendung in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts einen neue Westfassade in zeitgemäßen gotischen Formen. Deren Portal blieb bisher wenig beachtet und steht in der Kunst- und Architekturgeschichte ganz im Schatten der sog. Galluspforte, des spätromanischen Querhausportals, das als erstes Figurenportal im deutschsprachigen Raum gilt. Die Geringschätzung des Westportals rührt daher, dass die zweimalige Veränderung des gotischen Portals bisher nur als Verlustprozess gesehen und die damit jeweils verbundenen Umbauten kaum als kreative Anpassung und eigenwertige Gestaltung erkannt worden ist. Die erste Umgestaltung erfolgte nach dem Erdbeben von 1356 und bildete den Abschluss jener Reparatur- und Neugestaltungsmaßnahmen unter Johannes von Gmünd, dessen Chorerneuerung sowohl als Parlerarchitektur wie als Beispiel eines quasi proto-denkmalpflegerischen Vorgehens in der Forschung viel Beachtung fand. Die zweite eingreifende Veränderung des Portals erfolgte im späten 16. Jahrhundert, nachdem das Portal wohl im reformatorischen Bildersturm von 1529 beschädigt worden war und das mariologische Skulpturenprogramm entfernt werden musste. Vom Figurentympanon sind nur noch Füsse auf dem Türsturz übriggeblieben, die Szenen der Passion Christi erahnen lassen. Aber auch diese Anpassung des Portals an die Erfordernisse einer reformierten Stadtkirche war mehr als nur die notdürftige Glättung des Geschädigten und Entfernen des Anstößigen, sondern zeigt ein gestalterisches Konzept und hohe handwerkliche Qualität.
Die Resultate des Forschungsprojekts wurden im Oktober 2011 publiziert und in einer Ausstellung im Kleinen Klingentalmuseum in Basel präsentiert:
Himmelstür. Das Westportal des Basler Münsters,
hg. von Hans-Rudolf Meier und Dorothea Schwinn Schürmann im Auftrag der Münsterbaukommission, Basel 2011.
Frühere Publikationen zum Basler Münster:
Hans-Rudolf Meier / Dorothea Schwinn Schürmann (Hg.): Schwelle zum Paradies. Die Galluspforte des Basler Münsters, Basel 2002.
Dorothea Schwinn Schürmann / Hans-Rudolf Meier / Erik Schmidt: Das Basler Münster, Basel 2006.

