März 2011
135 - Keine Luftschlösser und keine Shopping-Malls
Masterprojekt für eine Liegenschaft in Erfurt
»Was braucht ihr wirklich?« Diese Frage stellte Sarah Merz im vergangenen Herbst einigen Erfurtern. Natürlich nicht ohne Grund: Die junge Frau studiert »Management mit Schwerpunkt auf Bau, Immobilien und Infrastruktur« an der Bauhaus-Universität Weimar. Im Wintersemester 2010/11 entwickelten Sarah Merz und ihre Kommilitonen innerhalb des Masterprojektes ein Konzept für ein Grundstück im Brühl. So heißt ein Stadtteil in Erfurt.
Ein Riesengrundstück
»Das Planungsgebiet im Brühl ist ein Riesengrundstück«, so Professor Dr. Kristin Wellner. Die junge Frau hat eine Juniorprofessur im Fach BWL mit dem Schwerpunkt Immobilienökonomie inne. Sie leitete das Projekt. Die Professur BWL im Bauwesen, die LEG Thüringen und das Stadtplanungsamt Erfurt unterstützten es.
Wiederbelebund eines Stadtteils
Studierenden stellte Professor Kristin Wellner die Aufgabe, für das Grundstück am Gothaer Platz Konzepte zu entwickeln, die dazu beitragen, den Brühl als attraktiven Stadtteil wiederzubeleben. Die Fläche, die für die Studierenden das Konzept entwickelten, ist ungefähr zwei Hektar groß. Früher diente der Brühl als militärische, dann als industrielle Nutzfläche. Seit der Wende parken am Tor zum Brühl Autos. Jetzt haben sich Studierende der Bauhaus-Universität Weimar Gedanken gemacht zur bestmöglichen Nutzung: Was wäre klug, innovativ – und gleichzeitig finanziell tragbar?
Zuerst Ideen
»Wir haben nicht ein fast fertiges Projekt vorgesetzt bekommen, wo wir dann nur noch ein bisschen an den Zahlen drehten«, so die Studentin Sarah Merz. Die Studierenden haben von A bis Z alles in Eigenregie erstellt. Zuerst mussten sie Ideen finden, dann diese begründen und schließlich die Rentabilität berechnen. »So konnte jeder etwas Neues lernen«, sagt Sarah Merz.
Probleme aus dem Berufsalltag
Die Manager in spe pauken nicht nur Theorie in den Veranstaltungen von Professor Kristin Wellner. Vielmehr konfrontiert sie die Studierenden mit Problemen, die auch im späteren Berufsalltag auftauchen. Gruppen von maximal fünf Teilnehmern suchten nach einer idealen Nutzung für den Brühl. »Das Ergebnis sollte wirtschaftlich umsetzbar sein – und zu Erfurt passen«, erklärt Professor Kristin Wellner. »Eine Shopping-Mall nach amerikanischem Vorbild wäre nicht stimmig; ein Öko-Einzelhandelskonzept, wie es eine Gruppe vorschlug, aber schon.«
Keine Luftschlösser
Eine sinnvolle Mischung unterschiedlicher Verwendungszwecke sollten die Studierenden austüfteln. Sie bauten keine Luftschlösser, sondern entwickelten Nutzungskonzepte für eine zentrale Fläche in der Innenstadt Erfurts. Auf die Anwendbarkeit im richtigen Leben prüften die Studierenden die Konzepte – und erlebten die Umsetzung von Theorie in Praxis. Das holte die Studierenden auf den Boden der Tatsachen. »Am Anfang hatten wir ganz hohe Ziele. Mit gewissen Dingen rannten wir dann an die Wand«, so Sarah Merz, die bald ihren Master-Abschluss in der Tasche haben wird: »Man kann in der Realität eben nicht unbegrenzt mit Geld und Ideen um sich werfen.«
Der Bauhaus-Gedanke
Der Master-Studiengang Management mit Schwerpunkt auf Bau, Immobilien und Infrastruktur bringt verschiedenste Fachrichtungen zusammen. Diese Interdisziplinarität spiegelt den Bauhaus-Gedanken wider und korrespondiert mit dem Projekt für die Liegenschaft in Erfurt. Sarah Merz übernahm als Architektin zum Beispiel das Entwerfen in ihrer Gruppe, die das »Tor zum Brühl« konzipierte. Wie alle ihre Mitstreiter fällte sie nie Entscheidungen im Alleingang: »Wir diskutierten alles in der Gruppe.« Es blieb nicht aus, dass unterschiedlichste Meinungen aufeinander prallten. Letztendlich hätten die Projekte aber immer einen Konsens gefunden, so die Studierende Karin Tscheschner. Sie bringt einen ersten Abschluss in Facility- und Immobilienmanagement mit. »Jetzt habe ich viel über Teamwork und Gruppendynamik gelernt«, sagt die junge Frau, die sich für ihr Master-Studium extra die Bauhaus-Universität Weimar aussuchte.
Stresstest am Schluss
Zum Abschluss des Projekts präsentierten die Studierenden ihre Ideen vor Vertretern der Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) Thüringen, des Stadtplanungsamtes und dem Verein Erfurt-Brühl e.V.. Die Prüfung war also quasi öffentlich. »Das war schon ganz schön aufregend für unsere Studierenden«, sagt Professor Kristin Wellner und lächelt. »Aber so richtig fies haben wir nicht gefragt – wir wollten ja niemanden bloßstellen. Die Vorstellung in der Öffentlichkeit zielte darauf, das Informieren der Stakeholder zu üben. Das haben alle Gruppen hervorragend gelöst.« Es kamen auch ein paar Anwohner, um zu hören, welche Ideen die Studierenden für den Brühl entwickelt hatten, und welche den Stresstest bestanden hatten. Nämlich die Frage: »Braucht es das wirklich?«
Bei Fragen können Sie sich gerne an Professor Dr. Kristin Wellner wenden:
Bauhaus-Universität Weimar
Prof. Dr. rer. pol. Kristin Wellner
Marienstraße 7A
99423 Weimar
Tel: +49 (0) 36 43/ 58 44 88
Fax: +49 (0) 36 43/ 58 45 65
E-Mail: kristin.wellner@uni-weimar.de
Zuletzt geändert: 04.05.2011
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