Februar 2011

133 - Avatar, Botox und ich

Das Model von Wanke
Der "Körperpilz". Foto: Theresa Berger.
be21
Das Model vor der Kulisse der Ausstellung. Foto: Sebastian Wanke.

Ihr »KÖRPERBILD« zeigten Studierende der Bauhaus-Universität Weimar in Berlin

Klar doch: Jeder Mensch ist zwangsläufig gleichzeitig ein Körper. Dieser Zusammenhang erscheint zunächst einmal selbstverständlich. Trotzdem ist das Verhältnis zum Körper viel komplizierter. Das weiß auch Theresa Berger, Studentin der Freien Kunst an der Bauhaus-Universität Weimar. Schon lange beschäftigt sie sich mit Hautkrankheiten. Sie sagt, dass Kommentare von »Was hast du denn da?« bis »Ist das ansteckend?« Betroffene zu der zentralen Frage führen: »Bin ich schön?«

Ein Körperpilz in Knallgelb

An dieser Stelle setzt Theresa Bergers »Körperpilz« an, ein Geflecht aus unzähligen Miniaturmännchen in knalligem Gelb. Die junge Frau erarbeitete die Installation in dem Fachkurs »Das Körperbild im Zeitalter von Avataren und plastischer Chirurgie« an der Bauhaus-Universität Weimar: Hier beschäftigten sich Studierende der Freien Kunst und der Visuellen Kommunikation über zwei Semester hinweg mit der Interpretation und Darstellung von Körperlichkeit. Das Konzentrat dieser Auseinandersetzung bot die Ausstellung »Körperbild« Ende Januar im Berliner Tacheles. Hier wuchert Theresa Bergers Menschen-Pilz aus einer Ecke hinaus in den Raum und leuchtet grell – »wie zum Beispiel Neurodermitis, sichtbar für alle«, so Theresa Berger über ihre Arbeit.

Der Körper in der Gegenwart

Etwas Offenkundiges wie eine Hautkrankheit kann das Körperbild des Betroffen ändern – wie so vieles anderes auch. Das Bild, das sich ein Mensch von seiner physischen Erscheinung macht, hängt von zahlreichen Faktoren ab: von der Lebenswelt und der Sozialisation, von Trends und Moden genauso wie von Denkweisen. Die Gegenwart birgt eine große Ambivalenz. Einerseits feiert unsere auf Optik fixierte Gesellschaft Körperkulte; andererseits lösen sich in der Virtualität Körper auf. Dieses Spannungsfeld loteten die Studierenden mit dem künstlerischen Mitarbeiter Martin Mohr aus.

Kunst zum Spüren

»Weiße Folter« etwa zielt direkt auf eine körperlich Erfahrung des Betrachters: Kunst zum Spüren also. Die Arbeit von Sebastian Wanke wirkt sich unmittelbar auf den Körper der Besucher aus. In der Installation setzt der Studierende der Visuellen Kommunikation an der Bauhaus-Universität Weimar Leuchtstoffröhren ein. »Ich wollte bewusst die Wahrnehmung irritieren«, so Sebastian Wanke über seine Arbeit. Das Neonlicht blendet im ersten Moment. Je mehr sich der Betrachter an die Helligkeit gewöhnt, umso deutlicher sieht er schwarze Buchstabenreihen. Schließlich zeichnen sich Schriftzüge in acht verschiedenen Sprachen ab. Auf Deutsch steht da:

»Externe und mit ausreichender Intensität angewandte Druckmittel haben den Verlust der Verteidigungsmechanismen zur Folge, die der zivilisierte Mensch als letztes erworben hat: die Fähigkeit zur Ausführung anspruchsvollster kreativer Aktivitäten, zur Meisterung komplexer Situationen und zum Umgang mit wiederholten Frustrationen.«

Der Text ist dem neunten Abschnitt des Kompendiums »KUBARK« aus dem Jahr 1963 entnommen. Dabei handelt es sich um das erste Handbuch der CIA zur sogenannten Informationsbeschaffung in Verhören. Eine euphemistische Umschreibung für Folter.

Der Zufall spült ein Model rein

Um eine weitere Dimension der Auseinandersetzung mit Körper bereicherte schließlich der Zufall die Ausstellung: Der italienische Modefotograf Enzo Laera fotografierte ein Model vor den Arbeiten der Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar. Im März sollen die Fotos in dem spanischen Magazin »Tendencias« erscheinen. Sie zeigen einen hochgewachsenen blonden Mann. Er schaut ausgesprochen mürrisch und trägt einen hellen Umhang, an dem Fäden herunterbaumeln. Wie sieht der denn aus?

Beteiligte Künstler:

Das »Tacheles« in Berlin. Foto: Theresa Berger.
Junge Frau vor der Arbeit »Weiße Folter«. Foto: Sebastian Wanke.

Tom Ackermann, Theresa Berger, Michael Bosse, Mara-Lea Hohn, Anna Margarita Köhler, Juliane Kuhnt, Karoline Kwon, Robert Meyn, Tonio Mundry, Angelika Ruck, Sira Sandberg, Victoria Sandhöfer, Steffen Schönbrodt, Philipp Valenta, Britta Wagner, Sebastian Wanke, Qianwen Zhang
 
 
Weitere Informationen finden sich im Internet auf der Homepage der Fakultät Gestaltung der Bauhaus-Universität Weimar.

Bei weiteren Fragen steht Ihnen gerne Martin Mohr zur Verfügung.

Kontakt: martin.mohr@uni-weimar.de
Fakultät Gestaltung/ Freie Kunst
Bauhaus-Universität Weimar

134 - Fans unterwegs

Screenshots der App
Eine Band-Homepage zum Mitnehmen. Grafik: David Wiesner und Jonas Pencke.
Screenshots der App
So sieht die Arbeit von Grafikern aus. Grafik: David Wiesner und Jonas Pencke.
Screenshots der App
Ganz schön smart. Grafik: David Wiesner und Jonas Pencke.

Auf der CeBIT 2011 stellt die Bauhaus-Universität Weimar die Software »MyBandApp«vor

Sie kommen ohne einander schon lange nicht mehr aus: Musik und digitale Technik. Inhalte transportieren sich nicht von selbst, sie brauchen Instrumente, die sie übertragen. Diesen Part übernimmt die Technik. Popkultur verleiht der IT wiederum eine gewisse Lässigkeit und Coolness. Das Ergebnis: Popkultur und IT erreichen ihr Publikum und werden »szenefähig«.

Ein Idealfall

Solch einen Idealfall stellt »MyBandApp« dar. So heißt ein Anwendungsprogramm für Smartphones, das auf Musiker und deren Fans zielt. Zwei Studierende der Bauhaus-Universität Weimar entwickelten es unter der Juniorprofessur Mobile Medien. Ab dem 1. März 2011 zeigen sie es auf der diesjährigen CeBIT.

Eine Fanseite zum Mitnehmen

»MyBandApp« ist eine Art Band-Homepage zum Mitnehmen: Es bietet Musikern die Möglichkeit, ein eigenes Anwendungsprogramm für ihre Band zu erstellen. Die Bedienung der Oberfläche funktioniere intuitiv, verspricht David Wiesner, einer der beiden Entwickler. »Damit können auch technisch weniger Versierte ihren Fans Informationen über sich geben«, sagt der junge Mann.

Überall und immer Neuigkeiten

Dank »MyBandApp«landen unter anderem Musikstücke oder Videos hübsch verpackt direkt auf den Smartphones der Fans. »Die Bands müssen sich nicht auf einen bestimmten Hersteller beschränken. Die App funktioniert für alle gängigen Systeme«, so Jonas Pencke – nicht nur für die Produkte mit dem Apfel. Die Neuigkeiten der Bands werden dabei nicht fest im Programm verankert, sondern jeweils aus dem Internet nachgeladen. »So sind zum Beispiel Konzertdaten immer aktuell«, erklärt David Wiesner.

Schick - und ganz schön smart

Gemeinsam entwickelten die Kommilitonen »MyBandApp« im Rahmen eines Projekts in ihrem Masterstudium der Medieninformatik. Prof. Dr. Hagen Höpfner, Inhaber der Juniorprofessur für Mobile Medien an der Bauhaus-Universität Weimar, stellte die Aufgabe. Die Idee zu »MyBandApp« kommt wohl nicht von Ungefähr: Prof. Dr. Hagen Höpfner macht selbst Musik. »Der Schulz« heißt seine Band. David Wiesner und Jonas Pencke nutzen »Der Schulz« um »MyBandApp« mit Inhalten zu bespielen.

Ganz schön smart

Auf der CeBIT 2011 vom 1. bis zum 5. März 2011 präsentieren die angehenden Medieninformatiker ihre Forschungsergebnisse. »Studierenden sollen in meinen Veranstaltungen selbstständiges Problemelösen lernen und den Erfolg ihrer Arbeiten auch präsentieren«, so Prof. Dr. Hagen Höpfner. Klingt schick. Und ganz schön smart.

 

CeBIT 2011, Hannover
1. bis 5. März 2011
Gemeinschaftsstand: Forschung für die Zukunft
Halle 9, Stand D04
http://www.cebit.de

Bei Fragen können Sie sich jederzeit gerne an Prof. Dr. Hagen Höpfner wenden:

Bauhaus-Universität Weimar

Prof. Dr.-Ing. Hagen Höpfner
Bauhausstr. 11

99423 Weimar
Tel.: +49 (0) 3643/58 37 45
Fax: +49 (0) 3643/58 37 09
E-Mail: hagen.hoepfner@uni-weimar.de

 

Zuletzt geändert: 04.05.2011
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