Übersicht der Projekte im August 2008

57 - Preis der Mediengestaltung

Erstmalige Verleihung
Im Rahmen des diesjährigen mediengangs wurden erstmals die besten Abschlussarbeiten aus dem Bereich Mediengestaltung mit dem „Preis der Mediengestaltung“ von einer Fachjury ausgezeichnet. Die prämierten Projekte spiegeln die große kreative Vielfalt des Studiengangs wider.

Den mit 1.000 Euro dotierten 1. Preis erhielt der 3D-Animationsfilm „fallengelassen“ der Diplomanden Daniel Büttner (Fakultät Gestaltung, Visuelle Kommunikation) und Max Baberg (Fakultät Medien, Mediengestaltung). Circa 50 weitere Personen waren zwischen April 2007 und April 2008 an der Realisation dieses aufwendigen Projekts beteiligt. Ihr sozialkritischer Kurzfilm "fallengelassen" handelt von einem kleinen Mädchen namens Anna, welches durch ihre widrige Umwelt und soziale Herkunft in einen Abwärts-Strudel gerät, aus welchem es kein Entrinnen zu geben scheint. Damit wird die Chancenlosigkeit vieler junger Menschen in Deutschland thematisiert. Die Idee zu dem Film entstand Anfang 2007, als Daniel Büttner und Max Baberg mit der sichtbaren Armut der Bewohner eines Viertels in San Francisco konfrontiert wurden. Obdachlose, Penner und Drogensüchtige in den Straßen waren die traurige Inspiration der beiden Studenten.

Im Kurzfilm "fallengelassen" ist Anna Opfer ihrer feindseligen Umgebung.
Im Kurzfilm "fallengelassen" ist Anna Opfer ihrer feindseligen Umgebung.
Ein Junge ihrer Klasse misshandelt den Hamster und mobbt Anna.
Ein Junge ihrer Klasse misshandelt den Hamster und mobbt Anna.
Für die kleine Anna scheint kein glücklicher Ausgang mehr möglich.
Für die kleine Anna scheint kein glücklicher Ausgang mehr möglich.

Mit dem 2. Platz ausgezeichnet wurde die Bachelorarbeit „Hausdurchsuchung“ von Marie-Luise Lange im Studiengang Mediengestaltung, betreut von Prof. Christine Hill und Felix Sattler. Die von der Studentin konzipierte und im März 2008 durchgeführte dreitägige Ausstellung in der Humboldtstraße 10 zog mehr als 300 Besucher an. Marie-Luise Lange, selbst Bewohnerin des 1850 erbauten Weimarer Wohnhauses, stöberte fünf Monate lang in den Akten des Weimarer Stadtarchivs, sammelte alte Fotografien und interviewte ehemalige Bewohner. Die Präsentation der Resultate ihrer umfangreichen Recherche in dem einst ehrwürdigen, heute heruntergekommenen Domizil machte die persönlichen Lebensgeschichten der Bewohner vor dem historischen Hintergrund von Kaiserreich, Nationalsozialismus, russischer Besatzung, DDR und Gegenwart räumlich erfahrbar.

Die Ausstellung "Hausduchsuchung" in der Humboldtstraße 10 zog mehr als 300 Besucher an
Die Ausstellung "Hausduchsuchung" in der Humboldtstraße 10 zog mehr als 300 Besucher an.
Das einst ehrwürdige, heute heruntergekommene Haus.
Das einst ehrwürdige, heute heruntergekommene Haus.

Der 3. Preis ging an den Diplomanden der Mediengestaltung Johannes Starke für sein Fotobuch „Tokyo-Kan“, betreut durch Prof. Wolfgang Kissel (Fakultät Medien) und Prof. Norbert W. Hinterberger (Fakultät Gestaltung). Durch das fremdartige Flair der japanischen Hauptstadt, die er auf einer Urlaubsreise im Sommer 2006 zum ersten Mal besuchte, inspiriert, kehrte Johannes Starke im Frühjahr 2007 nach Tokyo zurück, um sich die Stadt laufend und fotografierend anzueignen. Aus den auf diese Weise gewonnen Bildern entstand die zweiteilige Diplomarbeit „Tokyo-Kan“, die sich aus einem Fotobuch und theoretischen Betrachtungen zur Figur des Flaneurs zusammensetzt. Johannes Starke gelang ein sehr persönliches Portrait einer schier endlosen Stadt, in deren chaotischem und sich ständig wandelndem Häusermeer der Flaneur vor ganz andere Herausforderungen gestellt wird als in europäischen Metropolen.

Das Fotobuch "Tokyo-Kan" von Johannes Starke.

Kontakt:
Fakultät Medien
Professur Gestaltung medialer Umgebung
Prof. Ursula Damm
ursula.damm(at)medien.uni-weimar.de

58 - Faseroptisches Deformationsmesssystem

Bild 1: 3D-Zeichnung des faseroptischen Deformationsmesssystems (Ausschnitt)

Glasfasern in der Geotechnik

In Zusammenarbeit mit der Materialforschungs- und Prüfanstalt an der Bauhaus-Universität und mit einem Industriepartner wird ein faseroptisches Deformationsmesssystem entwickelt, untersucht und für den praktischen Einsatz vorbereitet, mit dem man z. B. den räumlichen Verlauf eines Bohrlochs ermitteln kann. Der Grundgedanke besteht darin, auf der Oberfläche eines flexiblen, schlauchförmigen Trägerkörpers mindestens drei Lichtwellenleiter (Glasfasern) in Längsrichtung aufzubringen, siehe Bild 1. Die Fasern, in denen Faser-Bragg-Gitter-Sensoren eingebracht sind, sind in regelmäßigen Abständen fest mit dem Trägerkörper verbunden. Mit Hilfe der Faser-Bragg-Gitter können die Dehnungen der Fasern ermittelt und somit die räumliche Krümmung und der gesamte dreidimensionale Verlauf des Trägerkörpers bestimmt werden.

Faser-Bragg-Gitter sind periodische Brechzahländerungen im lichtleitenden Kern von Einmodenfasern und haben in der Regel eine Länge zwischen einem und zehn Millimeter, siehe Bild 2. Sie wirken als schmalbandige spektraloptische Filter, die Licht einer bestimmten Wellenlänge in der Faser reflektieren. Eine Dehnung der Faser und damit auch des Faser-Bragg-Gitters bewirkt eine Änderung der reflektierten Wellenlänge. Diese Änderungen können hochgenau (bis zu 1 pm) bestimmt werden, sodass es möglich ist, den Endpunkt einer Bohrung mit einer Tiefe von z. B. 50 m auf 20 mm bis 30 mm genau räumlich zu vermessen.

Bild 2: Prinzip der Faser-Bragg-Gitter

Die Vorteile faseroptischer Sensoren gegenüber klassischen Lösungen liegen in der Immunität gegen elektromagnetische Felder und ihrer hohen Eigensicherheit, da keine elektrische Energie am Sensor erforderlich ist. Dadurch können die Sensoren problemlos in blitz- und explosionsgefährdeten Umgebungen eingesetzt werden. Zudem sind sie widerstandsfähig gegenüber Erschütterungen und extremen Umweltbedingungen und haben geringe Abmessungen sowie ein geringes Gewicht. Faseroptische Sensoren können vorteilhaft in vielen Anwendungsfeldern des Bauingenieurwesens und der Geotechnik bei mobilen und stationären Einsätzen verwendet werden.

Kontakt
Fakultät Bauingenieurwesen
Professur Geodäsie und Photogrammetrie
Prof. Dr.-Ing. Willfried Schwarz
willfried.schwarz@bauing.uni-weimar.de

59 - Alles oder Nichts

Israel - Zwischen Attraktionen und politischen Problemen

"Alles oder Nichts" - unter diesem Arbeitstitel reisten die Teilnehmer des Projekts von Norbert W. Hinterberger, Professor für Freie Kunst, und seine aus Jerusalem stammende Assistentin Naomi Tereza Salmon für zwei Wochen nach Israel. Basis für den gemeinsamen Arbeitsaufenthalt in Ramle mit Abschluss-Ausstellung war zunächst eine Sightseeing-Tour in Jerusalem und Besuche von Künstlerateliers, Kuratoren und Sammlern und eines Teils der neu errichteten Mauer, welche den israelischen Staat von den Palästinergebieten abtrennt. Weitere Aufenthalte in Masada, am Toten Meer und in Tel Aviv folgten.

Arbeitstreffen in Israel/Ramle, Prof. David Wakstein, Naomi Tereza Salmon, Prof. Norbert W. Hinterberger mit Studierenden. Foto: Thilo Skusa
Die Unterkunft in einer kleinen Zeltstadt in Ramle. Foto: N.W. Hinterberger
"angelegt", Arbeit von Frauke Libelle Ketelsen
"Goldfisch im Schlachthof" von Simone Weikelt

Ramle, die erste und einzige arabische Stadtgründung auf israelischem Boden, bildete schließlich die Plattform für einen fünftägigen Intensiv-Workshop gemeinsam mit Studierenden der Partnerinstitution Bezalel-Akademie-Jerusalem und Kunsterziehern der Oranim-Akademie unter der Leitung von Prof. David Wakstein. Nach Ramle wurde die von der israelischen Presse und Öffentlichkeit viel beachtete Abschluss-Ausstellung auch im Ofakim Kunst-Iglu gezeigt. Großes Interesse fanden das Projektstudium und vor allem die mittlerweile erprobte Praxis des künstlerischen Arbeitens im Kontext bei den israelischen Akademien und Universitäten. Ein Gegenbesuch der israelischen Dozenten und Studierenden ist für das kommende Sommersemester 2009 geplant.
 

 

Kontakt:
Fakultät Gestaltung
Professur Freie Kunst
Prof. Norbert W. Hinterberger
E-Mail: norbert.hinterberger@gestaltung.uni-weimar.de

60 - Aufwindkraftwerk

Das größte Aufwindkraftwerk Deutschlands
(Fotos: Tobias Adam, Fakultät Architektur)

Studenten bauen das größte Aufwindkraftwerk Deutschlands

Ein internationales Studententeam aus drei Architektur- und fünf Bauingenieurstudenten hat unter Leitung von Prof. Rainer Gumpp (Entwerfen und Tragwerkskonstruktion) und Prof. Dr.-Ing. Jürgen Ruth (Tragwerkslehre) im Rahmen des interdisziplinären Masterprogramms archineering das Tragwerk innerhalb eines Semesters entwickelt und gebaut. Das Kraftwerk ist als Energielieferant zudem ein architektonisch und konstruktiv herausragender Entwurf mit einer besonders schönen Ästhetik.

Das Weimarer Aufwindkraftwerk besteht im Wesentlichen aus drei Bauteilen: Kollektoren, Kaminröhre und Generator. Neben der in Thüringen bereits etablierten hochtechnisierten Photovoltaik hat die Bauhaus-Uni damit eine äußerst günstige Form umweltfreundlicher Energiegewinnung in den Mittelpunkt von Lehre und Forschung gerückt. Ein solches Bauwerk könnte mit einfachsten Mitteln auch aus Holz und Plastikplanen für die Kollektoren und Bambusstäben mit Lianenumschlingung für den Turm in den entlegendsten Gebieten der Welt aufgebaut werden. Einzig der Generator ist als technisches Element der Umnutzung der Energie vonnöten. Die gespeicherte Energie könnte dann beispielsweise für Licht, Fernseher oder Handy genutzt werden.

Bis Ende September wird das Aufwindkraftwerk noch auf dem öffentlich zugänglichen Campus hinter dem Gebäude Bauhausstraße 11 stehen und dort besichtigt werden.


Kontakt:
Fakultät Architektur
Professur Tragwerkslehre
Prof. Dr.-Ing. Jürgen Ruth
E-Mail: juergen.ruth@bauing.uni-weimar.de

61 - Alice im Wunderland

Knetfigurenanimation von Margarita Göbel
Filmstill von Alina Bogasch

Spaziergang durch eine Traumwelt

Nach ihrem Sprung in den Kaninchenbau landet Alice bekanntlich im Wunderland, wo sie seltsamen Wesen begegnet und mehrfach plötzlichem Wachstum bzw. Schrumpfen ausgeliefert ist. Ihr unterirdischer Spaziergang gleicht einer Nummernrevue, die sich am Ende als Traum entpuppt. Im Wintersemester 2007/2008 hat sich Christina Zimmermann mit einer Gruppe Studierender dieses phantastischen Stoffes und seiner Implikationen angenommen, um gemeinsam eine filmische Umsetzung zu erarbeiten. Im Mittelpunkt des Konzeptes stand die Überlegung, dass jede einzelne Begegnung, die Alice im Wunderland erlebt, eine Episode ihrer Reise darstellen soll und dass sich dabei nicht nur Alice, sondern auch ihre Traumwelt wandelt. Entstanden ist ein 18-minütiger Film, eine Reise durch ein Hybridland aus Puppentrick-, Zeichentrick- und Spielfilmräumen, der im Juli 2008 während des Rundgangs in der Galerie Eigenheim präsentiert wurde.

Regie führten: Margarita Göbel, Alina Bogasch, Katharina Hullmann, Stefanie Reich, Susy Curzi, Jonas Pietsch, Alexandru Pasca

Ausstellungskonzept: Patrizia Stromberger

Kontakt:

Fakultät Gestaltung
Professur Visuelle Kommunikation
Christina Zimmermann (künstlerische Mitarbeiterin)
E-Mail: christina.zimmermann@gestaltung.uni-weimar.de

 

Zuletzt geändert: 17.02.2011
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