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Die Zukunft der Dinge

Seit Anfang der 80er Jahre wird im modernen Design über das Verschwinden der Dinge nachgedacht. Die frühen Ansätze, so. z.B. die "Entmaterialisierung der Produkte" versuchten die Herausforderung der Mikroelektronik zu beschreiben, die keinesfalls, wie wir heute wissen, die Dinge verschwinden ließ.

Die Veränderung der Dinge allerdings ist enorm und sie trifft uns tief. Die ständige Verringerung der tatsächlich funktional nötigen Bestandteile sowie die räumliche Komprimierung derselben bedeuten die Infragestellung der herkömmlichen Ausgangspunkte des Designs. Zugleich wird damit aber auch ein weites Feld der Gestaltung erschlossen, das der Definition von Formen und Flächen ohne die Option der 3-dimensionalen Codierung technischer Vorgänge.

Über die Architektur formulierte Heinrich Klotz: "Das Resultat sind dann nicht länger nur Funktionsbehälter und Konstruktionswunder, sondern Darstellungen von symbolhaften Gehalten und bildnerischen Themen. Ästhetische Fiktionen, die nicht abstrakt "reine Formen" bleiben, sondern gegenständlich in Erscheinung treten." Die Gegenstände erscheinen nicht mehr als ihre Funktion, sondern als ihr Programm.

Nach Holger van den Boom ist Gestaltung heute ganz allgemein die Gestaltung von Benutzeroberflächen. Die kognitive Psychologie, die nicht nur die Wahrnehmung der Dinge, sondern auch die Manipulation der Dinge umfaßt, wird, insofern sie technisch-praktische Ratschläge erteilt, zur kognitiven Ergonomie, deren zentraler Gedanke die "Benutzeroberfläche", ein aus der Informatik übernommenes Konzept, ist.

Die Revitalisierung der Ergonomie in diesem neuen Zusammenhang entreißt die Zukunft der Dinge dem alleinigen Anspruch der bisherigen Gestalter, denn diese neue "Benutzeroberfläche" beschreibt nicht nur eine technologisch-stoffliche Ausdifferenzierung, sondern gerade auch mögliche Bewertungszusammenhänge und damit soziale, symbolische und ästhetische Konzepte.

Herbert Schultes, München
Harry J. Wirth, Salem/WIS.
Mai Felip Höselbarth, Barcelona
Marcus Botsch, Berlin
Moderation: Heiko Bartels

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