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Die Zukunft der Architektur

Hat die Zukunft der Architektur nicht vor 30 Jahren begonnen, als nahezu jedem das Ende der allumfassenden Theorien in Architektur und Städtebau klargeworden war? Wer wollte wegen der Vielfalt und Vielschichtigkeit der zu bewältigenden Aufgaben noch die Ganzheit der Wirklichkeit auf einen gemeinsamen Nenner reduzieren, ein in bester aufklärerischer Manier modernes Unterfangen? Wer spricht heute noch vom avantgardistischen Prinzip des Traditionsbruchs, der Deregulierung baukünstlerischer Techniken, der Verfremdung überkommener Ausdrucksformen? Wer verurteilt heute noch die traditionellen, überlieferten Architekturen gesamthaft als eine Anhäufung von Schändlichkeiten?

Die einen reflektieren über den Ort, die Umgebung, die städtische (oder lebensfeindliche) Atmosphäre - im Sinne eines kritischen Regionalismus - und zeigen Courage zum Kontrast entsprechend der postmodernen Kompositionsverfahren des Pastiche. Am anderen Ende des Spektrums, im sentimentalen Hyperrealismus, steht die Suche nach poetischer Anonymität und malerischer Zufälligkeit. Und dazwischen zwei andere diametrale Positionen: zum einen das Verständnis von Architektur als Ergebnis einer gesellschaftlichen "Gesamtleistung", anonym und somit Summe der Einflüsse von Traditionen, Erbauern, Handwerkern, von politischen Interventionen und wirtschaftlichen Bedingungen - eine Architektur als nachhaltiger Kulturträger, die den Alltag durchdringt; zum anderen die Verkündigung einer Ästhetik der Festigkeit, der Dauer, der Nüchternheit, weil sich eine andere unserer Epoche nicht erlauben kann.

Miroslav Sik, Zürich
Hilde Léon, Berlin
Marta Schreieck, Wien
Moderation: Bernhard Klein

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