Standort
Anklamer Str. 38,
Berlin-Mitte
Auftraggeber/ Bauherr
WeiberWirtschaft eG
AnklamerStr. 38
10115 Berlin
Frau Dr. von der Bey
Auftragnehmer
Architekturbüro I. Baller
EnergieSystemTechnik
Bauzeit
1994/95
Größe
NF Bestand - 5724qm
NF Neubau – 1329qm
Schlagworte zum Projekt:
Gewerbehof,
auch in punkto Energie etwas Besonderes
Förderung
Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
Frau Reichmann
PV-Anlage
Größe 44,3 m²
Neigung ca. 45°
Leistung 5,61 kWpeak
Energieertrag ca. 4.400 kWh/a
Bruttokosten ca. 121.000 DM
Inbetriebnahme 1995
Kollektoranlage
Größe 25,2 m²
Neigung 30°
Energieertrag ca. 10.000 kWh/a (gerechnet)
Bruttokosten ca. 71.000 DM
Inbetriebnahme 1996
CO2-Minderungseffekt
PV-Anlage ca. 4.400 kg/a
Kollektoranlage ca. 10.000 kg/a
Motor-Heiz-Kraft-Anlage
Leistung: 44kWel und 80 kWth
2 Brennwertkessel mit je 250 kW
Gesamtinvestitionen:
ca. 35 Mio DM
an Gesamtfinanzierung Beteiligte
Senatsverwaltung f. Wirtschaft
Senatsverwaltung f. Bauen, Wohnen, Verkehr
Bewag
DSL – Bank
Genossenschaft „WeiberWirtschaft“
Bausteine der Sanierung
Dämmung der Dächer und Brandwände
Fensteraustausch
Dach-, Hof-, Fassadenbegrünung
Gasbefeuerte Brennwertkessel
Thermische Solaranlage
Photovoltaikanlage
Gasbetriebene Motorheizkraftanlage
Regenwassernutzungsanlagen
Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung
Ökologische Baumaterialien
Hintergründe
Die Frauengenossenschaft WeiberWirtschaft
eG erwarb im Oktober 1992 in Berlin-Mitte von der Treuhandanstalt
ein bis zu sechsgeschossiges Gebäude in Stahlskelett-Bauweise
mit einer Nutzfläche von ca. 5.500 qm für einen Kaufpreis
von 12,3 Mio. DM.
Inzwischen ist das Industriegebäude aus der Jahrhundertwende
für 36,5 Mio. DM umgebaut und renoviert worden. Der Gewerbehof
für Frauenunternehmen beherbergt fast 60 Firmen aus Dienstleistung
und Produktion, eine Kindertagesstätte, Tagungsräume,
Gastronomie und Künstlerinnen-Ateliers. Die Gewerberäume
waren im November 1997 zu 80% ausgelastet, der Mietpreis beträgt
je nach Gewerbe zwischen 11 und 23 DM (Läden 15 bis 30
DM). Zusätzlich wurde ein Neubau errichtet, in dem sich
13 Sozialwohnungen und drei moderne Maisonette-Läden befinden.
Mietverträge werden mit Unternehmen abgeschlossen, deren
Geschäftsführung und Kapital in Frauenhand liegt.
Mit Unterstützung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung
wurde ein "Ökologisches Gesamtkonzept für das
Gründerinnenzentrum WeiberWirtschaft eG" entwickelt,
das über die Standardmodernisierung hinausgeht und erlaubt,
erhöhte ökologische Anforderungen in beispielhafter
Weise durchzuführen.
Ziel der Massnahme war unter anderem, den
Primärenergieverbrauch auf weniger als 50% des ursprünglichen
Wertes zu senken.
Ökologisches Konzept
Für die Nutzung des Produktionsstandortes
des ehemaligen VEB Berlin Kosmetik als Gründerinnenzentrum
waren umfassende Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen
notwendig. Zwar war die Bausubstanz des Gebäudekomplexes
aus der Jahrhundertwende solide, doch sämtliche Energieversorgungssysteme
waren veraltet. Hier wurden durch die Kombination modernster
umweltverträglicher Verfahrensweisen und Technologien neue
Standards gesetzt. So konnte ein für den innerstädtischen
Bereich innovatives Gesamtkonzept entwickelt werden.
Die ökologische Konzept auf einen Blick:
Bei der ökologischen Gebäudesanierung
wurden formaldehydbelastete Baustoffe entfernt, die vorhandene
Bausubstanz wurde schonend behandelt und soweit wie möglich
wiederverwendet.
Durch ein detailliertes Energienutzungskonzept, das die Nutzung
regenerativer Energieträger und eine effiziente Ausnutzung
nicht regenerativer Energieträger in den Vordergrund stellt,
konnte die WeiberWirtschaft eine überaus positive Energiebilanz
ziehen.
Von der erfolgreichen Einbindung zentraler ökologischer
Aspekte in ökonomisches Wirtschaften profitieren alle -
auch die Umwelt.
Großflächige Wärmedämm-Maßnahmen
reduzieren die Heizlast - Brennwerttechnik und Wärmerückgewinnung
maximieren die Energieausnutzung.
Thermische Solaranlage und Photovoltaik liefern in den Sommermonaten
einen großen Anteil an Trinkwasserwärme und Strom.
Die Motorheizkraftanlage (MHKA) führt durch die Kraft-Wärme-Koppelung
zu einer erheblichen Primärenergieeinsparung.
Die Einsparung von Trinkwasserressourcen ist
durch den Einbau einer Regenwassernutzungsanlage erfolgreich
umgesetzt worden.
Die Hofbegrünung, sowie die Begrünung von Flachdächern
und Fassaden verbessern merklich das Mikroklima des Gründerinnenzentrums
sowie der angrenzenden Grundstücke.
Ein gemeinsames Sammel- und Entsorgungssystem mit Rückführung
von Wertstoffen und Kompostierung von Gartenabfällen ist
Bestandteil eines komplexen Ökologiekonzeptes.
Baustoffe
Die Umbaumaßnahme hat an die ursprüngliche
Grundhaltung der alten Bausubstanz angeknüpft und nur wenige
und ortsübliche Materialien für alle baulichen Maßnahmen
eingesetzt.
Die durch Betrieb und Umbau eingebauten problematischen Materialien
wurden abgebrochen und entsprechend der Senatsrichtlinien entsorgt.
Es wurden im wesentlichen umweltverträgliche
Baustoffe eingesetzt. Eine Ausnahme bildet das Kabelmaterial
der elektrischen Leitungen, eine Verbesserung war in den ModInst-Massnahmen
finanziell nicht zu verkraften. Es wurden PVC-Kabel benutzt.
Die vorgenommenen Wärmedämm-Maßnahmen
zur Reduktion des Energieverbrauchs entsprechen dem ModInst-Standard
und den gesetzlichen Vorschriften.
Die Erhöhung der Wärmedämmung in den Dächern
von 16 cm auf 20 cm verursacht nur geringe Mehrkosten, bringt
aber sowohl im Winter (geringerer Energieverbrauch) wie im Sommer
(verzögerte Erwärmung) Gewinn. Ohne große zusätzliche
Kosten konnte auch eine Nischendämmung hinter den Heizkörpern
realisiert werden.
In den Hofgebäuden wurde bei der Erneuerung der Fenster
bewusst auf Drehkippflügel verzichtet, da die Kippstellung
der Fenstern oft als Dauerlüftung mit einem entsprechenden
Energieverbrauch missbraucht wird. Hinsichtlich der Pflege und
unter Sicherheitsaspekten hat sich diese Entscheidung später
als problematisch erwiesen.
Die 1998 aufgetretene Kotanimierung der Raumluft
durch im Deckenaufbau verborgene Teerpappen wurde im Zuge der
ursprünglichen Sanierung nicht vorausgesehen. Es lagen
keine Erfahrungen mit vergleichbaren Belastungen aus anderen
Objekten vor, und so gab es keine Verdachtsmomente, die eine
genauere Analyse des gesamten Deckenaufbaus gerechtfertigt hätten.
Die 1999/2000 durchgeführte Altlastensanierung
brachte das Gesamtprojekt beinahe zum Scheitern, da die Finanzierung
dieser Sanierung nur unter erheblichen Kraftanstrengungen gesichert
werden konnte.
Im Nachhinein wäre eine größere Sorgfalt aller
Beteiligter bei der Analyse und Einschätzung der alten
Gebäudesubstanz wünschenswert gewesen. Ungeklärt
bleibt auch, inwieweit die verstärkte Wärmedämmung
und ein sehr geringer Luftaustausch durch die Fenster nach Sanierung
das Problem in der Vergangenheit verstärkt haben.
Das Energiekonzept
Im Jahr 1993 wurde mit der Sanierung des
Gebäudes begonnen, das unter energetischen Gesichtspunkten
als durchschnittlich einzustufen war. Ein 1975 errichtetes,
mit Braunkohle befeuertes Heizhaus (7 Kessel, Heizleistung insgesamt
1,377 MW) versorgte das Gebäude mit Wärme.
Senkung des Heizwärmebedarfs: Aufgrund der baulichen Situation
und der baukonstruktiven Möglichkeiten wurde über
die nach ModInst-Richtlinien geforderten Maßnahmen hinaus
eine verstärkte Wärmedämmung der Dachflächen
und Brandwände für sinnvoll erachtet und realisiert.
Der in der Summe der baukonstruktiven Maßnahmen erreichte
reduzierte Heizwärmebedarf liegt bei 139 kWh/m2/a bzw.
bei 42 kWh/m3/a und damit rund 30% über der Zielvorstellung.
Die Aufwandskennziffer für die baukonstruktiven Maßnahmen
wurde mit 0,48 DM/(kWh/a) ermittelt.
Nach der Senkung des Heizwärmebedarfs
verbleibt ein Nutzenergiebedarf vor Ort von 185 kWh/m²/a,
der sich aus folgenden Anteilen zusammensetzt:
- Heizwärme 75 %
- Warmwasser 3 %
- Elektrizität 22 %
Zur Deckung dieses Bedarfs bieten sich zum
einen die seit Jahrzehnten eingeführten Energieträger
mit den herkömmlichen Techniken an. Zum anderen verlangt
die Ökologisierung der Energienutzung, erprobte Techniken
in umweltentlastende Konzepte zu integrieren, um so über
die Bedarfssenkung hinaus bei der Bedarfsdeckung zu einer nachhaltigen
Reduzierung des Brennstoffenergieverbrauchs zu gelangen.
Wärmeverbrauch: Der Brennstoffenergieverbrauch für
Raumwärme wurde unter Berücksichtigung der Kraft-Wärme-Kopplung
(MHKA), der Brennwerttechnik und der Wärmerückgewinnung
mit 150 kWh/m2/a ermittelt (=Brennstoffkennzahl).
Zusätzlich zum Heizwärmeverbrauch
ist der Energieverbrauch für die Trinkwassererwärmung
zu bewerten. Für die Bereitstellung von 3,5 m³ Warmwasser
pro Tag werden 32 MWh Wärme pro Jahr benötigt. Der
damit verbundene, systembedingte spezifische Brennstoffenergiebedarf
liegt mit Berücksichtigung der Solaranlage bei 7 kWh/m²/a.
Die auf dem 2. Quergebäude errichtete Thermische Solaranlage
kann 10 MWh/a liefern, das sind 20 % des Energieverbrauchs für
die Trinkwassererwärmung. Die restlichen 80 % des Wärmebedarfs
werden aus der Kraft-Wärme-Kopplung (MHKA) gedeckt.
Die dritte wesentliche Komponente bei der
Energienutzung ist der Strombedarf, der im Mittel mit 40 kWhel/m²/a
erwartet wurde. Die Auswertung des Stromverbrauchs des Vorderhauses
bestätigt mit ca. 50 kWh/m²*a (einschl. Stromverbrauch
der Heizzentrale und unter Berücksichtigung der überdurchschnittlichen
Nutzung durch Büros und Läden) diese Annahme.
Bei Annahme einer konventionellen Stromversorgung
würde sich eine Brennstoffkennzahl von 297 kWh/m²/a
ergeben. Mit Berücksichtigung der installierten MHKA, die
unter den beschriebenen Betriebsbedingungen den Strombedarf
des Gewerbezentrums rechnerisch zu 100 % decken kann, sinkt
die Brennstoffkennzahl auf 203 kWh/m²/a.
Bedarf an Heizwärme vor baulichen Maßnahmen:
190,0 kWh/m2/a
Bedarf an Heizwärme nach baulichen Maßnahmen: 139,0
kWh/m2/a
Bedarf an Trinkwasserwärme: 6,0 kWh/ m2/a
Bedarf an Strom: 40,0 kWh/m2/a
gesamt 185,0 kWh/m2/a
Brennstoffkennzahl
- Gebäudeheizung und Warmwasser 157 kWh/ m2/a
- zuzüglich Strom 203 kWh/m2/a
Wärme
Die Heizungsanlage versorgt im Gewerbezentrum
WeiberWirtschaft eG eine Nutzfläche von insgesamt 7.069,77
m² (Gewerbezentrum 5.740,33 m² und Neubau-Wohn-/Geschäftshaus
1.329,34 m²).
Die spezifische Heizlast des Gewerbezentrums liegt nach Durchführung
der ModInst-Maßnahmen und der ökologischen Maßnahmen
bei ca. 81 W/m² (Reduzierung um 28 % gegenüber dem
Bestand). Eine erste Auswertung des Wärmeverbrauchs ergibt
einen spezifischen Jahresheizwärmebedarf von 139 kWh/a
und pro m² Nutzfläche.
Der Jahresenergieverbrauch von 900 MWh für
Raumheizung und Warmwasserbereitung entsteht mit 480 MWh zu
53 % durch die MHKA. Der restliche Verbrauch von 420 MWh, das
sind 47 %, wird von der Brennwert-Kesselanlage geliefert. Aus
der thermischen Solaranlage werden rund 10 MWh/a Wärme
bereitgestellt. Die Wärmerückgewinnung in der Lüftungsanlage
”Kantine” vermeidet einen Brennstoffenergieverbrauch
von ca. 27 MWh/a.
MHKA: 480 MWh 53 % (Verbrauch)
BWKA: 420 MWh 47 % (Verbrauch)
TSA: 10 MWh 1 % (vermiedener Verbrauch)
WRG: 27 MWh 3 % (vermiedener Verbrauch)
Bei der Bewertung der Emissionsminderungen
durch die Maßnahmen wird für den Bestand eine Braunkohlenfeuerung
mit 544 kW Wärmeleistung angenommen. Der Jahresnutzungsgrad
der alten Kesselanlage wird mit 65 % angesetzt. Daraus resultiert
ein Brennstoffverbrauch von ca. 291 t Braunkohleprodukten (1.572
MWh) pro Jahr.
Elektrizität
Das größte Potential zur Primärenergieeinsparung
wurde im Bereich der elektrischen Energieversorgung genutzt.
Dies ist zum überwiegenden Teil der Stromerzeugung durch
dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) zuzurechnen.
Die Photovoltaik-Anlage konnte mit einer Nennleistung von 5,61
kWp realisiert werden. Die mit dieser installierten Leistung
erwartete Stromerzeugung von
4,7 MWh pro Durchschnittsjahr wurde im ersten Jahr mit 4,5 MWh
sehr gut bestätigt.
Der vermiedene Brennstoffverbrauch durch die PV-Anlage wurde
mit 13,9 MWh pro Jahr ermittelt, und die vermiedene CO2 - Emission
mit 4,7 t pro Jahr.
Regenwasser
Durch die Nutzung des von den schrägen
Dächern ablaufenden Regenwassers ist eine Einsparung von
Trinkwasserressourcen in Höhe von bis zu 500 Kubikmetern
pro Jahr möglich geworden.
Die WC-Spülung erfolgt zu einem hohen Anteil durch Nutzung
von Regenwasser. Drei Regenwasseranlagen ersetzen bis zu 90
% den Einsatz von Wasser in Trinkwasserqualität.
Die Hofentsiegelung erhöht die Versickerung von Regenwasser
im Stadtteil und verbessert damit die Bodenqualität.
Die Reduzierung der Wasser- und Entwässerungskosten konnte
1996 mit ca. 1.200 DM festgestellt werden, wobei das Gewerbezentrum
zu weniger als 50 % belegt war. Diese Werte sind daher nur bedingt
aussagefähig.
Im Vergleich dazu lassen die notwendigen Investitionen für
die Regenwassernutzung kein betriebswirtschaftlich positives
Ergebnis erkennen. Die Regenwassernutzung wird zum jetzigen
Zeitpunkt daher immer der Entscheidung für oder gegen eine
stadtökologische Maßnahmen überlassen bleiben.
Hofbegrünung
Das komplette Grundstück wurde mit einem
Begrünungskonzept überzogen. Auf Flachdächern,
an den Brandwänden und natürlich im Hof grünt
und blüht es seither. Diese Maßnahmen tragen zu einer
deutlichen Verbesserung des Mikroklimas bei. Gleichzeitig haben
die Begrünungsmaßnahmen zum Ziel, das ökologische
Image auch nach außen sichtbar zu machen, die Attraktivität
und damit die Wirksamkeit des ökologischen Modellprojektes
zu steigern.
Die Hofentsiegelung erhöht die Versickerung von Regenwasser
im Stadtteil und verbessert die Bodenqualität.
Gleichzeitig bietet die Fassadenbegrünung einen Schutz
für das Mauerwerk und eine klimatische Verbesserung der
Innenräume, was die Qualität der vorhandenen Arbeitsplatzbedingungen
erhöht. Für die Mitarbeiterinnen der Betriebe, für
die Bewohnerinnen des Wohnhauses, für Kundinnen und Bebsucherinnen
sowie speziell für Kinder, für die zusätzliche
Frei- und Spielräume entstanden sind, wurde durch die Begrünung
der Höfe die Aufenthaltsqualität im Gewerbezentrum
deutlich gesteigert und ein angenehmer Arbeits- und Lebensraum
geschaffen.
Verkehr
Im Zusammenhang mit dem Freiflächenkonzept
für die Höfe des Gewerbezentrums wurden Strategien
zur Reduktion des motorisierten Individualverkehrs (MIV) bei
gleichzeitiger Sicherung des Lieferverkehrs für die ansässigen
Betriebe entwickelt. Die Zufahrt für den Lieferverkehr
bis in den 2. Hof (Lastenfahrstuhl für die Produktionseinheiten)
ist möglich, außerdem wurde eine Ladezone vor dem
Grundstück eingerichtet. Für privates Parken ist -
mit Ausnahmen für Car-Sharing oder Fahrzeuge behinderter
Personen - keine Stellfläche vorgesehen. Auf den Höfen
befinden sich gute Stellplätze für Fahrräder,
für die langfristig eine teilweise Überdachung sowie
eine Erweiterung der Anzahl wünschenswert wäre.
Die Projektierung und Umsetzung geeigneter Maßnahmen zur
Regelung des motorisierten und nicht-motorisierten Verkehrs
auf und vor dem Grundstück Anklamer Straße 38-40
fanden im Rahmen der Planungs- und Beratungsleistungen des ökologischen
Gesamtkonzeptes statt.
Die baulichen Maßnahmen zur Herstellung der Fahrradstellplätze
erfolgten im Rahmen des Sanierungskonzeptes und wurden nicht
von den für ökologische Maßnahmen zur Verfügung
gestellten Mitteln finanziert.
Abfall
Die gemeinsame Abfallentsorgung im Gründerinnenzentrum
WeiberWirtschaft eG war im Zeitraum der ökologischen Maßnahmen
vor allem von baustellenbedingten Problemen bestimmt. Nach Abschluss
der Bauarbeiten konnten eine angemessene Infrastruktur und eine
stetige Verbesserung der Entsorgungsmöglichkeiten sowie
der äußeren Gestaltung des Entsorgungsstandortes
erreicht werden.
Das Entsorgungsvolumen im Gründerinnenzentrum liegt insgesamt
weit unter den von den Entsorgungsunternehmen angegebenen Durchschnittsmengen.
Zusätzlich haben die Mieterinnen bessere Entsorgungsmöglichkeiten
durch das gemeinsame Abfallsystem, als sie dies als Einzelbetriebe
an einem anderen Standort hätten.
Die Unternehmerinnen sind in der Mehrheit sowohl umweltbewusst
schon beim Einkauf von Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffen als
auch kooperationswillig beim Entsorgungsverhalten. Zum Teil
entstehen dennoch vermeidbare Kosten durch mangelnde Entsorgungsdisziplin
und schlecht angepasste Entsorgungskapazitäten.
Die soziale Kontrolle unter den Mieterinnen lässt auch
in Zukunft Verbesserungen hinsichtlich der Entsorgungsdisziplin
und Kooperationsbereitschaft beim gemeinsamen Abfallkonzept
erwarten. Durch Anreize zur Müllvermeidung (Lenkungsfunktion
von Entsorgungskosten) sowie durch Optimierung der Infrastruktur
(Vermeidung von Engpässen und Überkapazitäten)
können weitere Einsparpotentiale ausgeschöpft werden.
Diese kommen den Mieterinnen als Betriebskostensenkungen zugute.
Durch die umfassende Beschilderung der Entsorgungsstandorte
im November 1997 wurde eine erhebliche Verbesserung der Information
über die Entsorgungsmöglichkeiten im Gründerinnenzentrum
erreicht.
Um die ökologischen Ziele von Abfallvermeidung
und -verringerung sowie von sortengerechter Trennung und Verwertung
von Abfällen und Wertstoffen kontinuierlich weiterzuverfolgen,
sollten dennoch auch langfristig verschiedene Möglichkeiten
der Information für die Unternehmerinnen (schriftliche
Unterlagen bei Einzug, Rundschreiben zu speziellen Anlässen,
Visualisierung im Hof, entsprechende Aufbereitung der Betriebskostenabrechnungen
etc.) von seiten der Genossenschaft genutzt werden.
Ökologieberatung
Die Ökologieberatung fand im Spannungsfeld
der wirtschaftlichen, baulichen, technischen und architektonischen
Interessen während des Bauvorhabens statt. Interessenskollisionen
gab es z.B. bei der Organisation der Abfallentsorgung während
der Bauarbeiten.
Auch wurden nicht alle anfangs geplanten Maßnahmen mit
den Mieterinnen durchgeführt, nachdem erkennbar war, dass
diese durch die stattfindenden Bauarbeiten und den Aufbau ihrer
eigenen Unternehmen schon äußerst belastet waren.
Im Ergebnis aber bleibt festzuhalten, dass
ökologische Aspekte in viele Bereiche innerhalb der Ablauforganisation
der Genossenschaft eingeflossen sind und die Akzeptanz ökologischer
Fragen erheblich gesteigert werden konnte.
Der Nutzen und die Effizienz der im Rahmen
der Ökologieberatung erfolgten Maßnahmen sind finanziell
nicht messbar. Der Nutzen besteht in der umfassenden Vermittlung
und Kommunikation der ökologischen Inhalte an die Mieterinnen
und innerhalb der Genossenschaft. Die Mieterinnen haben als
Nutzerinnen der ökologischen Infrastruktur eine zentrale
Position für den Erfolg und die multiplikatorische Wirkung
der vor Ort durchgeführten Maßnahmen. Ohne die Ökologieberatung
wäre weder die Zusammenarbeit bei der Umsetzung der Maßnahmen,
gerade im Bereich Energienutzung und Abfallkonzept, gewährleistet,
noch käme der Modellcharakter des Ökologischen Gesamtkonzeptes
über das Gründerinnenzentrum hinaus zum Tragen.
Die Kommunikation über ökologische
Fragen bildet darüber hinaus die Grundlage für eine
Weiterentwicklung und Ausdifferenzierung der Grundsätze
in der Umweltpolitik.
Die Mieterinnen haben die Einrichtung der
Ökologieberatung gut angenommen und auch als Anlaufstelle
für verschiedene Fragen im Umweltbereich, sowohl das Gründerinnenzentrum,
als auch ihre eigene Unternehmen betreffend, genutzt. Es kann
davon ausgegangen werden, dass diese Funktion weiterhin nachgefragt
wird. Soweit möglich, sollte die Genossenschaft daher entsprechende
Möglichkeiten zur Verfügung stellen.