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Professur Die Professur Grundlagen
des Ökologischen Bauens wurde im Jahre 1997
eingerichtet. Sie ist nicht an herkömmlichen Fächern orientiert.
Mit der Professur sollen die verschiedenen Aktivitäten auf dem Gebiet
des Bauens und der Umwelt über die Grenzen der Einzeldisziplinen
hinaus entwickelt und vernetzt werden und dabei grundlegende Erkenntnisse
und Entwicklungen erforscht werden. Ökologisches Bauen soll über
die Einzelfächer hinaus ein fester interdisziplinärer Bestandteil
der Lehre und des Forschens werden.
Seit 1998 wird die Professur personell und inhaltlich ausgebaut. So wie die Arbeitsinhalte interdisziplinär angelegt sind, arbeiten hier auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus unterschiedlichen Fachgebieten: Architektur, Bauingenieurwesen, Baustoffingenieurwesen und Raum- und Umweltplanung.
Ökologisches Bauen orientiert sich an übergeordneten Zielen: Leben und Arbeiten und unsere kulturellen und sozialen Bedürfnisse befriedigen, ohne die Umwelt langfristig zu übernutzen und damit zu schädigen. Hierzu sollen Baumaßnahmen dienlich sein. Erst wenn der Mehrzahl der Bevölkerung dies möglich sein wird, kann von einem besonderen Fortschritt auf dem Gebiet gesprochen werden. Ökologisches Bauen muß dieser Zielsetzung folgen und konkrete Lösungsmöglichkeiten aufzeigen. Neben den ökologischen Bedürfnissen sind deshalb die ökonomischen Möglichkeiten und die kulturelle Entwicklung der Menschen zu berücksichtigen. Erst in diesem Gesamtfeld können befriedigende Ergebnisse erreicht werden.
Ökologisches Bauen darf nicht auf die vordergründige Einsparung von Energie und Wasser, die Minimierung von Klimafaktoren auf Sonnenkollektoren und Regenwassernutzung reduziert werden. Vielfach sind diese Entwicklungen eher schädlich, wenn sie den Blick für die Gesamtproblematik verstellen. Nullenergiehäuser, solare Gebäudemaschinen, extreme Aufwendungen für Wasserrecycling und Abwasserreinigung und der großflächige Einsatz von Naturbaustoffen sind meist Einzelmaßnahmen, die nach dem heutigen Stand der Technik zumindest in Mitteleuropa meist nicht ressourcenschonend zu erreichen sind. Sie inszenieren oftmals umweltgerechtes Bauen ohne ausreichende fachliche Legitimation. Intelligente Planung von Baumaßnahmen mit hohem Nutzwert unterhalb des üblichen Kostenrahmens mit Betriebskosten um mehr als zwei Drittel unterhalb des derzeitigen Niveaus, ermöglichen den Menschen ein Leben und Arbeiten und helfen die Spannungen zwischen Ökonomie und Ökologie zu mindern. Diese Lösungen erfüllen a priori die Anforderungen der Umwelt.
Der Schwerpunkt der Professur liegt in der Erarbeitung von ökologischen Gesamtkonzepten und deren konkrete Ausgestaltung bis zur baulichen Realisierung. Hierzu sucht sie soweit wie möglich die Zusammenarbeit mit den Einzeldisziplinen und der Baupraxis. Je nach Erfordernis und Möglichkeit werden die Konzepte auch eigenständig bis zur Umsetzung ausgearbeitet. Schwerpunkte innerhalb dieser Konzepte sind Aspekte der Energie, des Wasser und der Stoffe und ihre Vernetzung in Gesamtkonzepten.
In der Vergangenheit wurden vorzugsweise installationsarme Gebäude mit niedrigem Energieverbrauch und sinnvollen Materialkombinationen entwickelt und gebaut. Es wurden Konzepte für das Wasserrecycling und die Führung von Wasser in Kreisläufen entwickelt und erprobt und ökologische Bewertungsmöglichkeiten untersucht. Ökologische Gesamtkonzepte für Einzelgebäude und Siedlungen standen im Vordergrund der Arbeit. In diesem Bereich bietet zumindest die angewandte Forschung schon heute ausreichende Lösungsmöglichkeiten an. Zur Bewertung der Maßnahmen wurde ein Umweltpaß für Gebäude entwickelt. Die zukünftige Arbeit wird sich auf größere Einheiten wie Quartiere und Siedlungen verlagern, ohne die Einzelmaßnahmen aus dem Auge zu verlieren. Dadurch kann der Vorteil vernetzter Gesamtkonzepte besser genutzt werden. Ökologisches Bauen muß Bestandteil des gesamten Bauens werden und durch Innovation auch ökonomisch zum herkömmlichen Bauen in Konkurrenz treten.
In der Lehre werden die Grundlagen des Ökologischen Bauens innerhalb des Grundstudiums des Studiengangs Architektur angeboten. Modulartig bauen darauf verschiedene Veranstaltungen der neuen Vertiefungsrichtung Bauen und Umwelt / Ökologisches Bauen auf - wie Ökologische Gesamtkonzepte für Gebäude, Bausteine für zukunftsfähige Stadtquartiere, Ökologisches Bauen und Zertifizierung, Maßnahmen zur Stoff- und Wasserkreislaufführung, Ausgestaltung der Agenda 21 usw. Sie münden in entsprechende Studien- und Diplomarbeiten. Im Studiengang Bauingenieurwesen wird das Fach "Ökologisches Bauen" in der Studienrichtung Umwelttechnik angeboten. Eine Zusammenarbeit von Architekten und Bauingenieuren wird angestrebt.
Der Lehmbau und das Bauen in Entwicklungsländern ist durch einen langjährig auf dem Gebiet spezialisierten Mitarbeiter an der Professur in Lehre und Forschung vertreten. Die Arbeiten beziehen sich sowohl auf die Grundlagenentwicklung als auch auf praktische Erprobungen.
Weimar, Sept. 2005
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