|
|
|
|
|
|
|
|||||
|
|
Professor Sekretariat Mitarbeiter Lehre Semesterübersicht Skripte Archiv Forschung Überblick Projekte IIAS Bauhaus-Kolloquium SiteMap |
|
Professor
Entwerfen und Architekturtheorie Man kennt das Bonmot, das Kunsttheorie für Künstler etwa soviel bedeute, wie Ornithologie für Vögel. Also nichts, müßten wir schließen, da Vögel, zumal bunte, zum Leben keine Theorie brauchen, und wenn, dann würden sie sie trotzdem nicht verstehen können. Selbst aber, wenn wir zugestehen würden, daß Kunst wie Architektur in einer archaisch-mythischen Späre wurzeln, die über die Intuition erfahren wird, so liegt dem Bewußtsein dieser Idee bereits eine Theorie zugrunde, welche das Verfahren legitimiert. Architekten haben immer, von Vitruv über Alberti, Schinkel, Semper, Le Corbusier bis zu Venturi, Koolhaas und Eisenman, Architekturtheorien aufgestellt. Architekturtheorie kann natürlich nicht einfach die Summe dieser Theorien sein. Sie argumentiert vielmehr als Reflexionswissenschaft auf einer Metaebene mit dem Ziel, Grundlagen der Architektur zu formulieren. In diesem Sinne begreifen wir Architekturtheorie als eine kritische Architekturphilosophie. Sie übernimmt damit auch die Funktion einer Deutungsmacht. Im Raum der Theorie wird entschieden, was als Architektur gelesen wird und wie es gelesen wird. Architekturtheorie verfährt
dabei nicht bloß deskriptiv, quasi "posthum" beschreibend, sondern
die Theorie ist, so wie wohl die Kunsttheorie allgemein, performativ.
Le Corbusiers "5 Punkte", der "Funktionalismus" des Bauhauses usw. sind
nicht bloß eine Deutung dessen, was Architektur ist, sie umreißen
vielmehr ein Programm. Der Entwurf, der Bau ist eigentlich nur die Illustration
der Theorie. Ja, es gibt Schriften, die Architekturströmungen auslösen:
das Futuristische Manifest zum Beispiel als Programmschrift der militanten
"Maschinenästhetik" oder Venturis Buch "Complexitiy and Contradiction
...", das wichtig war für die Eröffnung der Postmoderne-Debatte,
Hundertwassers "Verschimmelungsmanifest" als Radikalkritik am Funktionalismus
u.a. So wie es die Theorie zum Entwurf gibt, gibt es den Entwurf zur Theorie.
Wir kennen solche Schlüsselbauten, in denen die Theorie exemplarisch
wird: das Dessauer Bauhausgebäude, der Barcelona-Pavillon, oder auch
Venturis Guild House, das die modernistischen Doktinen abwarf, die Ablehnung
der Geschichte, die sogenannte "kontruktive Ehrlichkeit", die Negierung
der Fassade usw. Interessant ist, daß die Kanonisierung zum Prototyp
wiederum ein Werk der Interpretation und Theorienbildung in einer Rezeptionsgeschichte
ist. Der Barcelona-Pavillon z. B. war zunächst nicht diese Ikone
der Moderne, zu der er später stilisiert wurde. Die Architekturtheorie ist ent verbunden mit dem Lehrgebiet Architekturgeschichte, denn selbstverständlich entnimmt die Theorie ihren Stoff der Geschichte - der alten ebenso wie der jüngsten. Während jedoch die Architekturgeschichte empirisch und chronologisch arbeitet, verfährt die Theorie als angewandte Geisteswissenschaft "konstruktivistisch", "systematisch" und "spekulativ", denn um der Welt habhaft zu werden, müssen geistige Modelle errichtet werden, die eine Interpretation von Architektur erst möglich machen. Wir verbinden die Theorie mit der Architekturanalyse und -kritik. |
||||
|
|
|||||||
| [home] [search] [up] | letzte Änderung: Mittwoch, 19 Januar, 2005 14:00 durch Kohlhaas & Kohlhaas | ||||||