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Ernst Cassirer,
Jaques Lacan und andere haben gezeigt, dass die Identität des Subjekts
nach Art einer Spiegelung symbolisch vermittelt ist. Individuen,
Körperschaften, Institutionen schaffen sich eigene Symbolwelten,
in denen sich ihre Identität herstellt. Dies gilt in allen Räumen,
im politischen, im sozialen, im psychologischen. Es gilt in der
Sphäre des Staates, aber auch in der Sphäre der Wirtschaft. Marken,
Companies, Global Players konkurrieren um Aufmerksamkeit, Wiedererkennung
und die Aura ihrer Produkte. Globales Advertisement soll die Marke
ins Bewußtsein der Konsumenten brennen: der Mercedes-Stern, das
Lebensgefühl von Coca-Cola , das "Global Face" von BMW... Angesichts
der privatwirtschaftlichen Investitionen in den städtischen Raum
muss dieser auch zum Träger einer markanten Botschaft, zu einem
Wahrzeichen werden, Architektur zum Faktor der corporate identity.
Das Chrysler Building wie eine metallische Karrosse; das BMW-Hochhaus
in München ein "Vierzylinder"; das Modehaus Prada, das sich den
Glamour von Stararchitekten wie Rem Koolhaas und Herzog & De Meuron
leiht, auf die wiederum ein Abglanz der Mode zurückfällt; moderne
Architektur, die zum Background moderner Produktwerbung wird usw.
Kann und soll also Architektur heute als Teil einer komplexen Design-,
Werbe- und Medienstrategie von Unternehmen begriffen und konzipiert
werden? Wir untersuchen diese Frage, indem wir Komponenten einer
Corporate Architecture für einen deutschen Weltkonzern entwickeln:
die Linde AG.
Das Unternehmen,
erwachsen aus der 1879 von Carl von Linde gegründeten "Gesellschaft
für Linde's Eismaschinen", ist heute in den drei Sektoren Technische
Gase, Kältemaschinen und Anlagenbau tätig. Weltweit beschäftigt
die Firma 46.500 Mitarbeiter an 1000 Standorten und hatte 2002 einen
Umsatz von 8,7 Mrd. Euro. Der Konzern arbeitet an der Neuformulierung
seines CI-Konzepts, einschließlich der Corporate Architecture. Aufbauend
auf Vorarbeiten, werden wir in direktem Kontakt mit der Konzernspitze
an einer Konzeption der Corporate Architecture für die Linde AG
arbeiten und am Beispiel der 15 deutschen Linde-Standorte in Entwürfen
exemplarisch vorführen.
Wir begreifen
Architektur, wie schon in früheren Projekten, als ein Medium im
Verbund mit anderen ("neuen") Medien, arbeiten daher zusammen mit
der Professur "Interface Design" der Fakultät Medien und mit Medienstudenten,
um in diesem Grenzbereich der Medien-Architektur neue Lösungen zu
entwickeln. Angefangen bei den Bild- und Wortmarken (Logo und Schrift)
sind fach- und disziplinenübergreifend künstlerische, szenografische,
technische und organisatorische Aspekte mit entwurflichen, strukturellen,
logistischen, ökonomischen wie gestalterischen Inhalten zu verknüpfen.
Neue Medien verlangen nach neuen Ausdrucksformen, so z.B. sind Schauräume,
Shop-in Shops, Gebäudeausstattungen, Events und Messeauftritte grundlegende
Bestandteile der Markenführung.
Der Entwurf
wird in Kooperation mit Prof. Jens Geelhaar (Professur für Interface
Design) betreut. Es wird eine Zusammenarbeit mit der gleichzeitig
an diesem Thema arbeitenden Gruppe der Fakultät Medien angestrebt.
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