Exkursion des Kurses WW70 "Projekt- und Unternehmensmanagement" nach Goldisthal und Leibis im September 2001
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Die Exkursion des Kurses WW70 Projekt- und Unternehmensmanagement am 12. September 2001 führte zu den Baustellen des Pumpspeicherkraftwerkes Goldisthal und der Talsperre Leibis/Lichte in Süd-Thüringen. In Goldisthal konnten die Bauschwerpunkte im Bereich des Ober- und Unterbecken sowie der Vorsperre besichtigt werden. Herr Dipl.-Ing. U. Link von der Firma Hydroprojekt aus Erfurt begleitete die Teilnehmer und erklärte die jeweiligen Baumaßnahmen. Die unterirdischen Anlagen (Zufahrtsstollen, Maschinen- und Transformatorenkaverne) konnten leider nicht besucht werden.

Im Anschluss wurde die, nur wenige Kilometer entfernte, Baustelle der Staumauer der Talsperre Leibis besucht. Aufgrund eines, auch in der Öffentlichkeit beachteten, Rechtsstreites zwi-schen dem Land Thüringen und dem BUND sowie mehrerer Bürger- und Umwelt-gruppen wurde über diese Baustelle ein Baustopp verhängt. Bis auf Sicherungs- und Wartungsarbeiten war deshalb der reguläre Baubetrieb eingestellt worden. Die Mitarbeiter vor Ort gaben sich dennoch zuversichtlich nach erfolgtem Gerichtsentscheid mit dem Bauvorhaben fortzufahren.


Pumpspeicherkraftwerk Goldisthal

Im Tal der Schwarza wird zwischen Goldisthal und Scheibe-Alsbach ein Pumpspeicherkraftwerk errichtet. Mit einer installierten Leistung von 1.060 MW gehört es zu den größten Energieprojekten dieser Art in Deutschland.

Luftbildmontage
Pumpspeicherwerk Goldisthal - Luftbildmontage
Technische Daten:
  • Nennfallhöhe 302 m
  • Nennleistung 269 MW
  • Laufraddurchmesser 4710 mm
  • Dem Kraftwerk Goldisthal kommt besondere Bedeutung zu, da es wahrscheinlich das letzte Projekt dieser Größenordnung ist, das in Deutschland in absehbarer Zeit realisiert wird. Zudem repräsentiert Goldisthal ein gutes Stück jüngster deutscher Geschichte: Vor 25 Jahren wurde das Projekt in der DDR geboren. Seitdem ist das Projekt durch viele Wirrungen gegangen. Da der DDR die notwendigen Devisen fehlten, fiel es sogar wegen Geldmangel komplett dem Rotstift zum Opfer. Nach der Wiedervereinigung wurde dieses sehr umstrittene Projekt durch die VEAG wie-der aufgenommen und gegen viele Widerstände in kurzer Zeit genehmigungsfähig und vergabereif gemacht.

    Transformatorenkaverne
    Aushubarbeiten in der Transformatorenkaverne

    Die wichtigsten Felsbauwerke sind: eine Maschinenkaverne (25,8 m Breite, 48,5 m Höhe, 137,4 m Länge), eine Transformatorenkaverne (15 m Breite, 17 m Höhe, 122,2 m Länge), die Zufahrtsstollen (Durchmesser 7 m), die Oberwasserstollen (Durchmesser 7 m) und die Unterwasserstollen (Durchmesser 9,6 m).

    Unterbecken
    Aushubarbeiten im Bereich des Unterbeckens
    Oberbecken
    Aspahltbetonaußendichtung des Oberbeckens


    Die Ober- und Unterbecken des Pumpspeicherwerkes Goldisthal werden im wesentlichen von drei Dammbauwerken mit unterschiedlicher Funktion und Ausprägung sowie den zugehörigen Betriebseinrichtungen gebildet. Das Oberbecken ermöglicht bei einer Wasserspiegelfläche von ca. 55 ha bei Vollstau und einem Nutzvolumen von rund 12 Mio. m³ die Speicherung des für 8 Stunden Turbinenvolllastbetrieb notwendigen Betriebswassers.

    Der Ringdamm des Oberbeckens mit Böschungsneigungen von 1:1,6 und einer Kronenlänge von 3370 m wird im Massenausgleich mit dem erforderlichen Beckenaushub hergestellt. Das Schüttvolumen des Dammes beträgt ca. 5,4 Mio. m³. Die Beckensohle und die wasserseitige Dammböschung werden vollständig mit einer Dichtung aus Asphaltbeton ausgekleidet. Das in den Ringdamm integrierte Einlaufbauwerk mit Rollschützen als Betriebs- und Dammbalken als Revisionsverschlüssen stellt die Verbindung zu den Oberwasserstollen her.

    Als Hauptsperre für das Unterbecken wird ein 67 m hoher Steinschüttdamm mit Asphaltbetonaußendichtung und Böschungsneigungen von 1:1,6 errichtet. Das entstehende Speicherbecken mit einer Länge von 2400 m und einer Breite bis zu 900 m besitzt ein maximales Speichervolumen von 18 Mio. m³.

    Hochwasserentlastung
    Auslauf des Hochwasserentlas-
    tungsstollens und des Grundablass
    mit Toskammer und Tosbecken
    Grundablass und Hochwasserentlastung sind auf der linken Talseite
    ca. 150 m oberstrom der Hauptsperre angeordnet. Der Grundablass besteht
    aus zwei in der Sohle des Hochwasserentlastungsstollens einbetonierten
    Stahlrohren mit 1,0 m Durchmesser, die unabhängig voneinander zu betreiben
    sind und jeweils bis maximal 8,5 m³/s ableiten können. Die Hochwasserent-
    lastung ist als Schachtbauwerk mit viertelkreisförmiger Einlauftulpe
    konzipiert. Der anschließende vertikale Fallschacht mit einem Durchmesser
    von 3,0 m ist belüftet und wird über einen Krümmer an den Entlastungsstollen
    angeschlossen. Unter Einhaltung des höchsten Stauzieles beträgt die Leistungs-
    fähigkeit der Hochwasserentlastung 23,2 m³/s.

    Zur energetischen Nutzung der Wasserabgabe aus dem Unterbecken wird am luftseitigen Dammfuß eine Kleinwasserkraftanlage mit einer Nennleistung von 670 kW errichtet, die gleichzeitig als Notstromversorgung für das Pumpspeicherwerk dient. Das Triebwasser wird aus den Grundablassrohren entnommen. Die Vorsperre des Unterbeckens wird ebenfalls als Steinschüttdamm, jedoch mit einer Kerndichtung aus Asphaltbeton ausgeführt und verhindert das Trockenfallen der Stauwurzel des Unterbeckens aufgrund der betriebsbedingten Wasserspiegelschwankungen.

    Sickerwasserbestimmung
    Messeinrichtung zur Sickerwasserbestimmung
    Vorsperre des Unterbeckens
    Vorsperre des Unterbeckens mit Kerndichtung
    Überlauf der Vorsperre
    Überlauf der Vorsperre ins Unterbecken


    Talsperre Leibis/Lichte

    Zur Stabilisierung einer regionalen Fernwasserversorgung, zur Versorgung weiterer Wassermangelgebiete, sowie zur Verbesserung des Hochwasserschutzes im Einzugsgebiet eines Kleinflusses, sollte eine Fernwasserversorgung mit der Talsperre Leibis-Lichte, einem weiteren Wasserwerk und einem 80 km langen Fernleitungsnetz errichtet werden. Mit den Planungen zu diesem Projekt wurde bereits in den 70er Jahren begonnen.

    Die Realisierung des Vorhabens begann 1981. Neben dem Wasserwerk und dem Fernleitungsnetz wurden eine Vorsperre, der Ableitungsstollen von der Talsperre Leibis/Lichte zum Wasserwerk sowie ein Überleitungsstollen in den Stauraum der Talsperre errichtet. Zur Fertigstellung der neuen Fernwasserversorgung soll nun die Talsperre Leibis-Lichte errichtet werden. Die alte bereits bestehende Fernwasserversorgung und die neue zusätzliche Fernwasserversorgung sollen dann als Verbundwasserversorgung betrieben werden. Dieses Verbundwassersystem soll, nach Fertigstellung, für ca. 400.000 Einwohner auf einer Fläche von 3000 km2 80 % des benötigten Trinkwassers in ausreichender Menge sowie einwandfreier Qualität bereitstellen. Nach Fertigstellung der Talsperre Leibis-Lichte kann die provisorische Versorgung aus der Vorsperre des neuen Systems eingestellt und die alte Fernwasserversorgung stabilisiert werden.

    Bei der Dimensionierung der Talsperre ging man von einer Rohwasserkapazität von ca. 65.000 m3/d aus. Zur Bereitstellung dieser Rohwassermenge sollte neben der Talsperre Leibis-Lichte auch die Überleitung aus einem benachbarten Einzugsgebiet durch einen Beileitungsstollen genutzt werden. Die Talsperre Leibis/Lichte weist ein Einzugsgebiet von 72 km2, das benachbarte Einzugsgebiet von 36 km2 auf.

    Der mittlere Abfluss an der Sperrstelle beträgt 0,81 m3/s, an der Überleitungsstelle 0,28 m3/s, so dass insgesamt ein mittlerer Abfluss von 1,09 m3/s zur Verfügung steht.


    Luftbild der Baustelle
    Fortschritt der Bauarbeiten an der Sperrstelle; Aufnahme vom 27.08.2002

    Für die Talsperre Leibis-Lichte wird ein Stauraum von 39,2 Mio m3 bei einer Stauhöhe von 91 m und einer Staufläche von 120 ha geplant. Davon werden 5,6 Mio. m3 für den Hochwasserschutz ständig freigehalten. Das Absperrbauwerk wird als Gewichtsstaumauer aus WU-Beton erstellt. Es hat ein Bauwerksvolumen von 620.000 m3 sowie eine Höhe von 93,50 m über Geländeoberkante. Die Kronenlänge beträgt 370 m, die Kronenbreite 9 m, die Fußbreite 81 m.

    Die Hochwasserentlastung erfolgt über den Mauerrücken mit anschließender Sprungschanze. Es sind 3 Grundablässe mit einer Kapazität von je 10 m/s vorgesehen. Hochwasserentlastung und Grundablass münden in einem gemeinsamen Tosbecken. Die Entnahme von Rohwasser kann durch 5 Auslässe erfolgen, die in unterschiedlicher Höhe in die Mauer eingebaut sind. Das entnommene Rohwasser gelangt in einen Stolleneinlaufturm. Von dort kann das Wasser über den Ableitungsstollen an das Wasserwerk abgegeben werden. Sowohl aus der Rohwasserentnahme als auch aus dem Grundablass kann mit Hilfe von zwei Turbinen elektrische Energie gewonnen werden.

    Bautechnologie
    Bautechnologische Angaben
    Massenbeton
    Mischanlage für den Massenbeton
    Sperrstelle
    rechte Talflanke an der Sperrstelle
    Fotorealistische Simulation
    Fotorealistische Simulation der zukünftigen Staumauer
    Modell Staumauer
    Modell der Staumauer mit Hochwasserentlastung
    Staumauer
    Technische Daten zur Staumauer



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    last update: Wednesday, 06-Feb-2008 17:13:41 CET
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