Präsenzphase und Exkursion des Kurses WW62 - Biotechnologie in der Abfallwirtschaft im Sommersemester 2000
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In der Woche vom 25. bis 30 September führte das Weiterbildende Studium Wasser und Umwelt in Weimar die Präsenzphase für den Kurs WW62 - Biotechnologie in der Abfallwirtschaft durch. Die 12 berufstätigen Teilnehmenden aus Verwaltung, Unternehmen und Verbänden hatten in dieser Woche die Gelegenheit, den in der Fernstudienphase bearbeiteten Lernstoff in den Bereichen Kompostierung, Vergärung, mechanisch-biologische Abfallbehandlung Emissionen/Immissionen und Biologische Verfahren als Reinigungstechnologie zu vertiefen. Dazu waren die Autoren der entsprechenden Kapitel anwesend und nahmen Stellung zu den Fragen der Studierenden ein, führten den Lehrstoff an Beispielen und Berechnungen weiter aus und berichteten über neue Erkenntnisse auf den Fachgebieten. Ergänzend wurde zum Thema Deponierung referiert. Prof. W. Bidlingmaier und Dipl.-Ing. E. Kraft betreuten eine Gruppenarbeit zur Erweiterungsplanung einer Vergärungsanlage, die Ergebnisse wurden im Plenum am Freitag von den beiden Gruppen präsentiert.
Ein geselliger Abend am Montag in der Schwarzbierschenke in der Geleitstraße gab den Teilnehmenden und Autoren Gelegenheit, sich in einem privateren Rahmen zu treffen.

Die Exkursion am Donnerstag führte die Teilnehmenden bei herrlichem Herbstwetter zu drei Abfallbehandlungsanlagen in Mittel- und Ostthüringen.

Abb. 1: Bioabfallannahmestation Die Boxenkompostierung in Ilmenau-Langewiesen (8.000Mg/a genehmigte Kapazität) wird mit Rotteboxen der Firma Herhof betrieben. Nach einer Waage gelangt der Bioabfall über die Annahmestation

Abb. 2: Transportbänder und Sortierstation und anschließende Transportbänder in eine Sortierstation, in der Fremdstoffe ausgelesen werden.

Abb. 3: Grünschnittannahmestation Ein Magnetband entfernt metallische Beimischungen. Ein anschließender Schredder zerkleinert den Bioabfall und den aus der Grünschnittannahmestation kommenden Grünschnitt in einen Bunker.

Abb. 4: Rotteboxen Das Gemisch zwischen Bioabfall und Grünschnitt wird durch die Feuchtigkeit und Partikelgröße des Bioabfalls bestimmt, Ziel ist ein ausreichend belüftbares Rohmaterial, das dann für 7 Tage in die Intensivrotteboxen gefüllt wird.

Abb. 5: Zuluftsteuerung und -führung In der Box wird der Kompostierprozess über Temperaturentwicklung und durchströmtes Luftvolumen gesteuert.

Abb. 6: Biofilter Die Abluft wird über Biofilter und Kondenswasser in einem diskontinuierlich belüfteten Abwasserteich gereinigt.

Abb. 7: Abwasserteich

Abb. 8: Nachrottefläche Nach der Intensivrotte wird das Rottegut mit Radladern für 6 - 8 Wochen auf überdachte Nachrotteflächen in Dreiecksmieten gelagert und dort zweiwöchentlich umgesetzt.

Abb. 9: Abgesackter Kompost Nach einer Siebung wird der Kompost entsprechend seines Vermarktungsweges für Baumärkte und Privatkunden abgesackt

oder in größeren Chargen für die Verwendung in Landwirtschaft oder Rekultivierung gelagert. Der Siebrest wird als Strukturmaterial wieder in die Rotteboxen eingebracht und die Fremdstoffe auf die Deponie gebracht.

Abb. 10: Organische Substanzen Die Mietenkompostierung in Unterwellenborn (bei Saalfeld) wird von der Firma Gemes auf einer Teilfläche der Schlackehalde der Maxhütte betrieben. Das zur Auslastung der genehmigten Verarbeitungskapazität von 60.000 Mg/a angelieferte organische Material stammt zu ca. 30 % aus dem Kreisgebiet, der Rest wird überregional akquiriert. Dabei sind Entsorgungsverträge unterschiedlichster Zeiträume (in der Regel 1-2 Jahre, aber auch kürzer) mit unterschiedlichen Vertragspartnern (Kommunen, Unternehmen) die Grundlage der Kapazitätsauslastung.

Abb. 11: Annahme Dadurch bedingt ist eine Vielzahl unterschiedlichen organischer Substanzen auf der Annahmefläche gelagert und wird im Annahmetiefbunker entsprechend den Kompostiereigenschaften gemischt,aufbereitet, sortiert, geschreddert. Zunächst werden die Bioabfälle in einer Siebtrommel aufgelockert und klassiert. Der Siebdurchgang geht direkt in den Mischer, der Siebüberlauf durch die Sortierkabine. Hier werden Störstoffe wie Glas und Folien manuell, Eisenmetalle über Magnetabscheidung, entfernt.


Abb. 12: Im Hintergrund einige Mieten
Der so vorbereitete Bioabfall wird über ein Bunkerspeicherband in den Mischer gebracht. Das Misch- und Homogenisierungsaggregat quetscht und zerkleinert bei gleichzeitiger Homogenisierung das Rohgemisch, so dass nach 20- bis 30-minütiger Intensivbehandlung ein Frischkompost, erdig-aromatisch riechend, ausgetragen und in dem Bunker für das Kompostrohmaterial gefördert wird.
Von dort wird es mit Radladern zu Dreiecksmieten aufgesetzt und in den ersten sechs Wochen wöchentlich, danach bis zur 8. - 10. Woche zweiwöchentlich umgesetzt und befeuchtet.

Abb. 13: BIODEGMA-Verfahren Der reife Kompost wird gesiebt, aufbereitet und in Landwirtschaft und Rekultivierung vermarktet. Auf dem Gelände des Abfallbehandlungszentrums Wiewärthe bei Pössneck ist in Kombination mit der Hausmülldeponie eine mechanisch-biologische Restabfallbehandlung mit dem BIODEGMA-Verfahren in Betrieb genommen worden.

Abb. 14: MBA Pössneck Die MBA verarbeitet den Hausmüll (einschließlich Bioabfall, keine getrennte Sammlung im Verbandsgebiet) des Zweckverbandsgebietes Saale-Orla.


Abb. 15: Sperrmüllannahme und Schredder
Über eine Waage angelieferter Sperr- und Hausmüll aus dem Einzugsgebiet werden in getrennten Annahmen einem Schredder zugeführt.

Abb. 16: Hausmüllannahme Abb. 17: Mechanisch biologisch behandelter Hausmüll Der zerkleinerte Müll wird in Rottekammern eingebaut und über 4 Wochen kompostiert.

Abb. 18: Rottekammer Die Luftzuführung geschieht über Luftleitungen im Boden, die Kammern sind eingehaust und werden zum Befüllen und Entleeren geöffnet.

Abb. 19: Biofilter Die Abluft wird über Biofilter gereinigt





Abb. 20: Einbau von unbehandeltem Haus- und Sperrmüll in Deponie, sichtbar auch die Basisabdichtung

Abb. 21: Einbau von mechanisch biologisch behandeltem Restmüll in Deponie Der behandelte Restmüll mit verringerter organischer Substanz und verbesserten Einbaueigenschaften wird dann auf der Deponie flächig eingebaut.

In der Abschlussdiskussion am Freitag wurde die Woche von den Teilnehmenden kritisch reflektiert und Hinweise zur Optimierung gegeben. Die Zufriedenheit mit der Präsenzphasenwoche war recht hoch. Die dreistündige Klausur am Sonnabend beendete den Kurs.



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13.10.2000