»Wasser + Umwelt«
Die Präsenzphase des Kurses WW 56 »Controlling in der Abwasserwirtschaft« fand im September 2011 in Weimar statt. Die Teilnehmer hatten in dieser Woche die Gelegenheit, die in der Fernstudienphase bearbeiteten Inhalte zu vertiefen. Hierfür waren die Autoren der entsprechenden Kapitel des Kursskriptes als Dozenten und Ansprechpartner anwesend.
Zur Vertiefung der Kenntnisse und für einen weiteren Einblick in die Praxis wurde für die Teilnehmenden eine Ganztagesexkursion zum Bereich Abwasser (Bereichsleiter Werner Waschina) der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck organisiert. Diese fand am 21. September 2011 in Jena statt und umfasste den Besuch des
| Hauptsitzes der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck in Jena-Winzerla sowie der | |
| Kläranlage und Biogasanlage in Jena-Zwätzen. |
Am Hauptsitz der Stadtwerke Energie Jena-Pößneck wurden zunächst der Bereich Abwasser und der Zweckverband JenaWasser (unter Betriebsführung der Stadtwerke) von Herrn Christian Wenzel (Arbeitsvorbereitung) vorgestellt, unterstützt durch Herrn T. Schwarze (Anlagenmanagement). Dies beinhaltete im Bereich des Controllings u.a. die Erläuterung des Abwasserbeseitigungskonzepts mit einer Kostenvergleichsrechnung (KVR) unter Berücksichtigung von Investitions- und Betriebskosten nach 58(3) Nr. 7 ThürWG. Diese führte zur Festlegung auf eine zentrale Entsorgung. Zusätzlich wurden die Betriebskosten der Kläranlagen beleuchtet, so auch die Aufteilung des Stromverbrauchs auf die Verfahrensstufen und das entsprechende Einsparpotential. Die Bestandteile werden in ein Instandhaltungsmanagementsystem (IMS) integriert, welches alle Bereiche der Ver- und Entsorgung abdeckt und sich als Prototyp noch in der Implementierungsphase befindet.
Das IMS ist Bestandteil einer Gesamtlösung für die Stadtwerke Energie Jena, d.h. für den Netzbetrieb und -service sowie die technische und kaufmännische Ebene. Hierfür wurden die Ansätze "evu.lution" und "Technischer Betriebsmanager" (TBM) gewählt, die Herr R. Schmeißer (Projektleitung und Fachberatung) von der ESN EnergieSystemeNord GmbH erläuterte. Als Kernthemen der Stadtwerke wurden dabei kaufmännische Prozesse, Budgetplanung, Wartung und Inspektion, Störung, Investition und Instandhaltung, Anlagenbewertung, Netzanschluss und Regulierungsmanagement identifiziert.
Die Begrüßung an der Zentralkläranlage (ZKA) in Jena-Zwätzen erfolgte wiederum durch Herrn Wenzel. Im Anschluss daran erläuterte Herr N. Comouth (Anlagenmanagement) in der Leitzentrale ihren Aufbau und führte danach zu den einzelnen Bestandteilen. Diese sind mit Schautafeln versehen, die in drei verschiedenen Detailgraden Auskunft über das jeweilige Objekt geben. Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten ist das im Faulturm (Abb. 1) entstehende Methangas hervorzuheben, welches im nachgeschalteten Blockheizkraftwerk (BHK) als Energiequelle zur Deckung des Eigenbedarfs der Kläranlage an Strom und Wärme genutzt wird. Der Klärschlamm als Endprodukt der Abwasserreinigung (ca. 14.000 t/a) wird auf landwirtschaftliche Ackerflächen ausgebracht. Die Eignung für die landwirtschaftliche Verwertung wurde im Oktober 2011 durch ein QLA-Zertifikat bestätigt. Die erforderlichen Kompensationszahlungen an die Landwirte sind dabei geringer als die Kosten für die sonst erforderliche thermische Verwertung des Klärschlammes.
Die benachbarte Biogasanlage (Abb. 2) in Kooperation mit der Gleistal Agrar e.G. wurde von Frau K. Schindel als Leiterin vorgestellt. Rohstoff hierfür sind 70 Tonnen Gemisch Festmist und Silage (Mais, Gras, Getreide) im Verhältnis 3 zu 7, die die Gleistaler Bauern täglich anliefern. Das Funktionsprinzip der Anlage ist in Abb. 3 dargestellt. Im Reaktor setzt durch Erwärmung auf etwa 38°C und regelmäßiges Rühren die Methangärung ein. Dies geschieht auch im Nachgärbehälter, welcher der besseren Gasausbeute dient. Das aufsteigende Biogas mit ca. 50% Methan wird in einem Speicher aufgefangen, gereinigt und im Blockheizkraftwerk zu Strom und Wärme umgewandelt. Nach 90 Tagen verlassen die Gärreste getrocknet die Anlage und werden als Kunstdüngerersatz wieder auf die Felder ausgebracht.
Durch die Verwendung der Wärme in den angrenzenden Wohngebieten wird der Gesamtwirkungsgrad maximiert. Hinzu kommen Technologieboni gemäß dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Der Einbau einer Fein-Entschwefelung und eines nachgeschalteten Katalysators als zusätzliche Abgasreinigung im Jahre 2010 wurde durch eine verbesserte Einspeisevergütung honoriert. Trotz der gesetzlich garantierten Einspeisevergütung sind die hohen Investitionskosten nicht zu unterschätzen und es müssen ständig die technischen Prozesse optimiert werden.