»Wasser + Umwelt«
In enger Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU) fand vom 8. bis 12. September 2008 die Präsenzphase des Kurses WW44 - Gewässerentwicklungsplanung in München statt. In dieser Woche hatten die Teilnehmer/-innen Gelegenheit, den in der Fernstudienphase bearbeiteten Lehrstoff in Seminaren und verschiedenen Exkursionen zu vertiefen.
Die Fachexkursionen führten zu mehreren Gewässerentwicklungsprojekten an der Isar und an der Vils. Ein herzlicher Dank gilt hierbei besonders Herrn Binder und Herrn Gröbmaier des LfU München sowie Herrn Schacht vom Wasserwirtschaftsamt Landshut für die Vorortbetreuung und Organisation.
| Isar – Entwicklungskonzepte für einen alpinen Fluss, | |
| ISAR-Plan – Umgestaltung der Isar in München, | |
| Vils – Gewässerentwicklung und Wasserrahmenrichtlinie |
Die Isar, ein Gebirgs- und Voralpenfluss, war noch vor ca. 200 Jahren durch ein breites, sich ständig verlagerndes Flussbett mit ausgedehnten Schotterbänken und verzweigten Flussarmen gekennzeichnet. Zu Beginn des 19. Jh. begann der Ausbau für den Hochwasserschutz und zur Wasserkraftnutzung mit der Folge drastischer Veränderungen des Fluss-Aue-Ökosystems. Nur wenige Abschnitte im Bereich der Oberen Isar sind in ihrem ursprünglichen Charakter erhalten geblieben. Diese haben eine große Bedeutung für den Erhalt und die Wiederherstellung naturnaher Flusslandschaften im Rahmen der Gewässerentwicklungsplanung (GEP).
Die Exkursion am Dienstag, den 9. September 2008 führte zu verschiedenen Zielen am Oberlauf der Isar südlich von München. Erster Haltepunkt war das im NSG „Isarauen“ gelegene Ickinger Wehr. Dies regelt die Abgabe von bis zu 90 m3/s Wasser in den Isarkanal, welcher das Kraftwerk Mühltal versorgt. Vom Kraftwerksbetreiber ist eine Mindestwasserabgabe von 12-17 m3/s für das Flussbett der Isar einzuhalten, um das NSG in seinem Bestand nicht zu gefährden. Ein naturnah gestalteter Beckenpass gewährleistet die Durchgängigkeit des Querbauwerkes. Die Teilnehmer erhielten unterhalb des Wehres am Ufer der Isar einen Einblick in einen renaturierten Gewässerabschnitt. Im Rahmen der GEP wurden in den Jahren 1995 bis 2000 an mehr als sieben Kilometern die Uferverbauungen entfernt und damit das Potential des Flusses zur natürlichen Ufergestaltung neu erschlossen. Das vor dem Wehr entnommene Geschiebe wird der Isar unterhalb des Wehres wieder zugegeben.
Ein weiteres Exkursionsziel war die Isar-Loisach-Mündung in der Pupplinger Au, welche ebenfalls als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist. Typisch ist die aus Schneeheide-Kiefern bestehende Hartholzaue. Anschließend ging die Fahrt zum Sylvenstein-Speicher. Dieser Wasserspeicher ist aus dem Aufstau der Isar und ihrer Seitenflüsse Dürrach und Walchen entstanden und dient seit der Inbetriebnahme im Jahr 1959 dem Hochwasserschutz sowie der Energieerzeugung. In Trockenzeiten wird der Niedrigwasserabfluss in der Isar durch Wasserabgabe aus dem Sylvenstein-Speicher erhöht. Aufgrund der Dämpfung der Hochwasserdynamik und des Geschieberückhalts sind das Abflussgeschehen und der Feststoffhaushalt der Isar unterhalb des Speichers deutlich verändert. Im Sinne einer naturnäheren Entwicklung der Flusslandschaft werden Maßnahmen zur Geschiebebewirtschaftung durchgeführt.
Nach einem guten Mittagessen führte die Exkursion durch das Obere Isartal. Dieses seit mehr als 100 Jahren unter Naturschutz stehende Gebiet ist eines der letzten, ursprünglich erhaltenen Wildflusslandschaften der Alpen. Neben verzweigten Rinnen mit glasklarem Wasser finden sich hier die typischen weiträumigen Kies- und Schotterbänke sowie eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten – eine sehr eindrucksvolle Referenzstrecke für die Gewässerentwicklungsplanung.
Letzte Stationen waren das Wehr mit Ausleitungskanal in Krün, welches das Walchenseekraftwerk mit Isarwasser versorgt und das Informationszentrum des Walchenseekraftwerks der EON Wasserkraft GmbH.
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Am Mittwochnachmittag (10.09.2008) folgten die Kursteilnehmer in Begleitung von Herrn Binder vom Bayerischen Landesamt für Umwelt dem Lauf der Isar im Stadtgebiet von München.
Im Rahmen der Umsetzung des sogenannten „Isar-Plan“ wurden ca. 8 km des innerstädtischen Flusslaufs zurückgebaut und renaturiert. Dabei wurde der zumeist in einem Betongerinne eingezwängte Flusslauf freigelegt und die Talaue, soweit wie dies im urbanen Bereich möglich ist, wieder angeschlossen. Der Fluss kann nun wieder seiner Eigendynamik freien Lauf lassen. Querbauwerke sowie Sohlabstürze wurden zurückgebaut und durch Sohlrampen ersetzt. Naturnahe Fischwanderhilfen gewährleisten die Durchgängigkeit des Fließgewässers. Kiesbänke und Inseln wurden angelegt und somit Lebensraum für Tiere und Pflanzen geschaffen. Durch Deichsicherungsmaßnahmen konnte außerdem der Hochwasserschutz im Stadtgebiet verbessert werden. Der in Deutschland einmalige, innerstädtisch, naturnah gestaltete Flussabschnitt bietet zudem auch Platz für Freizeit und Erholung.
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Die Vils mit ihren vielen kleinen Seitenzuflüssen ist ein kleines Fließgewässer in Niederbayern. Auf einer Gesamtlänge von 120 km wird das Gewässer von 30 Querbauwerken, vor allem für die Wasserkraftnutzung, beeinflusst. Des Weiteren ist das Einzugsgebiet (EZG) der Vils stark durch intensive Landwirtschaft geprägt. Im Rahmen der Exkursion konnten die Teilnehmenden sich über verschiedene Teilprojekte vor Ort informieren.
In der Stadt Vilsbiburg stellte Herr Schacht den Exkursionsteilnehmern/-innen Möglichkeiten zur Ufer- und Stadtgestaltung im Rahmen einer Hochwasserschutzmaßnahme vor. Beispielsweise wurden neue Stadtterrassen, Bootsstege, Cafés im Uferbereich, Grünanlagen und ein durchgehender Fuß- und Radweg angelegt sowie an verschiedenen Stellen der Aufwuchs von Röhrichten und Großweiden zugelassen. Ca. 500 m oberhalb der Stadt wurde als Ausgleichsmaßnahme der Vilskanal ökologisch aufgewertet und dynamisiert.
Die GEP in den ländlichen Gebieten erfolgte unter Berücksichtigung der Belange der Wasserwirtschaft und des Naturschutzes sowie unter starker Einbeziehung der betroffenen Landwirte. Z.B. wurden in einem Teilprojekt ca. 100 landwirtschaftliche Betriebe interviewt und Schnittstellen zwischen Projekt/Landwirtschaft aufgezeichnet. Mit diesen Informationen konnte ein umfassendes Planwerk erarbeitet werden, welches die Ziele der Wasserwirtschaft, des Naturschutzes und die kleinräumigeren Ziele der Landwirte vereint und anhand dessen in den darauffolgenden Projektphasen Prioritäten festgelegt, Flächen angekauft sowie die geplanten Maßnahmen umgesetzt wurden. Anhand weiterer Beispielprojekte, die den Teilnehmenden im Rahmen der Exkursion vermittelt wurden, wurde deutlich, dass es notwendig und erfolgversprechend ist, auch bei kleineren Fließgewässern eine eigendynamische Entwicklung zu fördern.
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