Exkursion zur Umsetzung von Gewässerentwicklungsplänen an Fließgewässern im Voralpenraum im Rahmen des Kurses WW 44 "Gewässerentwicklungsplanung" im Sommersemester 2001
Durchführung in Kooperation mit

Deutscher Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau

Bayerisches Landesamt für Wasserwirtschaft
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Übersichtskarte:


Vom 10. bis 14. September 2001 fand in München die Präsenzphase des Kurses WW 44 statt, schon beinahe traditonell in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau (DVWK) und dem Bayerischen Landesamt für Wasserwirtschaft.

Hierzu waren auch die Autoren der verschiedenen Kapitel des Kurses angereist. Dies gab den Kursteilnehmern während verschiedener Vorträge und Übungen die Gelegenheit, ihr in der Fernstudienphase erworbenes Wissen auf dem Gebiet der ökologischen Gewässerentwicklungsplanung zu vertiefen.

In diesem Rahmen wurde am 13.09.2001 eine ganztägige Exkursion zur Umsetzung von Gewässerentwicklungsplänen an Fließgewässern durchgeführt. Die Teilnehmer besuchten verschiedene Flussabschnitte an Isen, Ebrach und Inn, an denen bereits Renaturierungs- bzw. Rückbaumaßnahmen unter ökologischen Gesichtspunkten ausgeführt wurden sowie das Inn-Museum in Rosenheim. Übersichtskarte



Ökologischer Ausbau der Isen bei Wöhrmühle - Renaturierung, Retentionsraum, Öffnen eines Altarms


Die Situation

Die Isen pendelte ursprünglich in vielen Mäandern durch die breite Talaue und uferte bereits bei geringer Hochwasserführung aus.



Zwischen den beiden Weltkriegen wurde sie nach rein technischen Gesichtspunkten ausgebaut und reguliert. Der Flusslauf wurde begradigt, die Mäanderbögen durchstochen und abgetrennt. Viele dieser ehemaligen Flussschleifen wurden zugeschüttet, nur wenige blieben als Altwässer erhalten.



Das Vorhaben

Die Isen sollte unter ökologischen Gesichtspunkten umgestaltet werden, wobei insbesondere die möglichst naturnahe Wiederherstellung der früheren Gewässerstrukturen (Historische Karte) einen Schwerpunkt bildet. Eine große Rolle spielt dabei auch die Schaffung von Rückhalte- und Speicherräumen für Hochwasser.


Ziele der Maßnahme

  • Wiederherstellung und Reaktivierung eines früheren Isen-Altwasserarmes und damit des alten Flusslaufs durch Anbindung der Mäanderschleife
  • Aufweitungen und Einengungen im Gewässerbett
  • Erhöhung der Fließgewässerdynamik und Strukturvielfalt
  • Schaffung von Überschwemmungsflächen und Hochwasserrückhalteräumen
  • Steigerung der biologischen Wirksamkeit und Selbstreinigungskraft des Gewässers
  • Neuanlage von Biotopstrukturen (Totholz, Wurzelstöcke, Steinhaufen) und Optimierung von Flächen als Wiesenbrütergebiet
  • Erhöhung des Erholungswertes der Gewässerlandschaft
  • Bau einer Blocksteinrampe

Daten zum Projekt

Bauzeit Mai 1998 bis Oktober 1999
Grunderwerb ca. 4 ha
neu geschaffene
Hochwasserrückhalteräume
ca. 40.000 m³
zusätzliche
Überschwemmungsflächen
ca. 40.000 m³
  vorher: nachher:
Fließstrecke 880 m 1.125 m
Gefälle 0,72 % 0,56 %





Am Heistinger Hang - ein natürlicher Prallhang mit Mäanderbildung


Der Heistinger Hang bei Ebing mit dem markanten Hochufer ist der letzte nicht verbaute Prallhang der Inn-Mäander. Das Steilhang misst an seiner höchsten Stelle etwa 45 Meter. Es ist damit einer der höchsten Uferabbrüche in Mitteleuropa.






Hochwasserfreilegung der Altstadt in Wasserburg am Inn


Wasserburg am Inn liegt ca. 55 km östlich der Landeshauptstadt München und bietet mit seiner landschaftlichen Lage eine Besonderheit: die historische Altstadt wird bis auf eine schmale Landzunge auf allen Seiten vom Inn umflossen, so dass sie sich dem Betrachter vom Steilufer, der sogenannten Innleiten, aus als Halbinsel präsentiert. Vor der Hochwasserfreilegung, mit der ab 1984 begonnen wurde, führten Überflutungen ab einem 10-jährigem Hochwasser zu großen Schäden in der historischen Altstadt.


Ziel und Maßnahmen der Hochwasserfreilegung

  • Hochwasserschutz für die historische Altstadt (ca. 30 ha Siedlungsfläche,
  • Ausbau auf 100-jährliches Hochwasser,
  • HQ100= 2850 m3/s (Pegelstand 676 cm)


Bauwerke und Ausführung

  • Erddamm mit Kerndichtung; Länge: 1400 m
  • Schutzmauer auf Bohrpfahlwand gegründet; Länge: 820 m
  • Sickerleitung aus gelochten Stahlbetonrohren DN 1.000; Länge: 2000 m
  • Schöpfwerke am linken und rechten Ufer des Inns
  • Landschaftsgestaltung der Deichflächen
  • Ausführung 1984 - 1989; Gesamtkosten: 12,3 Mio DM






Inn-Museum Rosenheim - eine wasserbau- und schifffahrtstechnische Sammlung


Den Abschluss der Exkursion bildete ein Besuch im Inn-Museum Rosenheim. Während einer Führung hatte man die Möglichkeit, anhand von historischen Geräten, Karten, Plänen und Modellen den Wasserbau am Inn im Wandel der Jahrhunderte zu verfolgen.

Die Ausstellung beginnt mit der hydrologischen Beschreibung des Inn, der oberhalb von St. Moritz in der Schweiz entspringt und nach 517 km bei Passau in die Donau mündet. Sie befasst sich mit der Besiedlungsgeschichte, der Innstadtbauweise und der Geologie am Inn. Weiter sind einmalige Funde aus dem Inn, z.B. ein bronzenes Vollgriffschwert aus der Urnenfelderzeit (ca. 1200 v.Chr.) zu sehen. Anhand eines großen Modells wird das Bild eines mühsam flussaufwärts geschleppten Schiffzuges lebendig.







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