Exkursion im Rahmen des Kurses WW44 "Gewässerentwicklungsplanung"
Durchführung in Kooperation mitAuf Bilder klicken um Bilder zu vergrößern
Deutscher Verband für Wasserwirtschaft und Kulturbau
Bayerisches Landesamt für WasserwirtschaftProgramm:
Renaturierung von Fließgewässern - Der Weg zu mehr Natur
Donnerstag, 16.03.2000
1. Isar - München
Freitag, 17.03.2000
2. Loisach - Farchant
3. Ammer - Peißenberg
4. Windach / Beuerbach
5. Diessen, Klosterkirche
6. Isar - Mühltal
7. Isar - Pupplinger Au
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Dynamik bringt Vielfalt - Je abwechslungsreicher die Strömungsverhältnisse und Gewässerstrukturen, desto vielfältiger sind auch die Lebensgemeinschaften.
Veränderungen und Verluste - Massive Veränderungen der Flüsse und Bäche durch verschiedenste Eingriffe (Einengung, Begradigung und Festlegung des Gewässerbettes) führten dazu, dass natürliche Flusslandschaften selten geworden sind. Im Zuge dieser Entwicklung sind wichtige Eigenschaften und ökologische Funktionen der Fließgewässer ganz oder teilweise verloren gegangen.
Wiederbelebung durch Bewegungsfreiheit - Fließgewässer können sich regenerieren, wenn sie die Möglichkeit dazu haben. Den Flüssen und Bächen wird dazu ihre naturgemäße Bewegungsfreiheit wieder gegeben.
Ziele der Renaturierung
- Prinzip: Eigenentwicklung des Gewässers fördern, d.h. "Gewässer arbeiten lassen"
- Selbstgestaltung von Lauf, Sohle und Ufer des Gewässers
- Erhöhung der Vielfalt der Lebensräume und Entstehung neuer Lebensräume
- Ungehinderte Wanderung von Fischen und Gewässerbodenkleintieren, sowie Besiedelung verschiedener Lebensräume durch diese Tiere
Maßnahmen zur Renaturierung
- Herausnahme von Ufer- und Sohlbefestigungen
- Aufweiten des Gewässerquerschnittes
- Unregelmäßige Profilgestaltung
- Laufverlängerung
- Entfernen von Abstürzen und Sohlschwellen
- Bau von Sohlrampen (Wiederherstellung der Durchgängigkeit)
Allerdings sollte man bei Renaturierungsmaßnahmen immer daran denken, das viel Zeit und Geduld notwendig ist. Eine Gewässerentwicklung erfolgt nicht von heute auf morgen. Was über Generationen verloren gegangen ist, lässt sich nicht in wenigen Jahren wieder herstellen!
Neues Leben für die Isar
Die Isar heute:
Die Isar fließt in einem kanalartig ausgebauten Mittelwasserbett zwischen betonierten Ufern. Das angrenzende Hochwasserbett mit seinen bereiten Wiesen ist bei den Anwohnern beliebt. Diese Flächen sind aber ökologisch wenig wertvoll und wirken monoton. Die Ufer sind betoniert und wenig zugänglich. Durch den geradlinigen und monotonen Ausbau fehlt es am Grund des Flusses an abwechslungsreichen Strukturen. Die Lebensgemeinschaften von Flora und Fauna sind verarmt. Lediglich am Flaucher besitzt die Isar noch ihren ursprünglichen Wildflusscharakter mit Kiesbänken und Flussrinnen.
In München kann ein Hochwasser bis 1.100 m³/s (Bemessungshochwasser) schadlos abfließen. Bei außergewöhnlichen Hochwasserereignissen sind jedoch die tieferliegenden Stadtteile nicht vor Überschwemmungen geschützt, so dass eine zusätzliche Hochwassersicherheit gewährleistet werden muss. Diese wird in erster Linie mit einer Aufweitung des Flussbettes und einer soweit noch notwendigen Erhöhung der Deiche erreicht.
Die Wasserqualität der Isar entspricht im Stadtgebiet München der Gewässergüteklasse II, was den landesplanerischen Zielvorgaben entspricht.
Planungsvarianten:
Der ursprüngliche Wildfluss kann nicht wieder ganz hergestellt werden, aber die Spielräume für die Entwicklung einer naturnäheren Flusslandschaft können geschaffen werden. Eine Ausnahme bildet lediglich der schon intakte Flaucherbereich, der unverändert bleibt.
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Die Planungsvariante 1 (siehe Lageplan) schlägt dabei vor, das Flussbett in Teilbereichen großzügig aufzuweiten und die Entstehung von Kiesbänken, flachen Ufern und kleinen Inseln zu fördern. Im Nordabschnitt sollen die Flachufer terrassenförmig ansteigen, so dass die Erholung am Wasser möglich wird.
Sport und Spiel bleibt auf den beliebten Wiesenflächen auch in Zukunft möglich. Der Freizeitwert, der Blick zum Wasser und die Zugänglichkeit der Ufer werden sogar noch verbessert.
Die Loisach - Renaturierung und Hochwasserschutz
Ortschaften müssen vor Hochwasser geschützt werden. Das bedeutet in vielen Fällen: Ausbau des Gewässers, Bau von massiven Ufersicherungen, Tieferlegen des Gewässerbettes. Meist verlieren die betroffenen Flussabschnitte durch die Baumaßnahmen fast völlig ihr natürliches Gesicht. Das sich die ökologischen Anforderungen mit den Zielen des Hochwasserschutzes vereinbaren lassen, zeigen die an der Loisach durchgeführten Maßnahmen im Bereich Garmisch-Patenkirchen.
Gründe für den Neuausbau des Loisachbettes
Der Hochwasserschutz erreichte folgende Ziele
1. Stützung des einsturzgefährdeten Garmischer Loisachwehres
2. Fixierung der Flusssohle gegen weitere Eintiefungen durch Sohlenrampen aus Steinen
3. Förderung der Eigendynamik des Flusses und Verbesserung der Wasserqualität
4. Erneuerung der Ufersicherungen in naturnaher Bauweise
5. Ausbau des Abflussquerschnittes aus das hundertjährige Hochwasser mit HQ100 = 190 m³/s und einer Freibordhöhe von h = 0,50 m
6. Verbindung der Lebensräume "Fluss und Ufer" für Menschen, Tiere und Pflanzen
Die ausgeführten Baumaßnahmen
Der Hochwasserschutz im Raum Garmisch-Patenkirchen wurde mit dem Entwurf vom 14.05.1986 in 3 Teilabschnitten in den Jahren 1992 bis 1997 ausgeführt.
Teilabschnitt 2: Im Abschnitt von der Brücke Fürstenstrasse zum Schneggensteg ist das Gewässergrundstück ziemlich schmal. Auf der rechten Seite mussten die alten Bäume der Alleestrasse erhalten werden, auf der linken Seite war eine kleine Verbreiterung der Loisachstrasse als innerörtliche Entlastungsstrasse zu berücksichtigen. Deshalb konnte der Abflussquerschnitt für das hundertjährliche Hochwasser nur durch eine Ufermauer auf der linken Seite hergestellt werden und zwar auf 180 m als Spundwand mit aufgesetzten Betonfertigteilen und auf 60 m als Bruchsteinmauer. Dabei musste das unmittelbar am Ufer und an der Grundstücksgrenze stehende, nicht unterkellerte Haus Loisachstr. 40 mit einer Bohrpfahlwand unterfangen werden, die sodann mit Bruchsteinen verblendet wurde. Der Absturz an der Brücke Fürstenstrasse wurde um 60 cm abgesenkt und gleichzeitig durch drei Sohlgurte gegen weitere Eintiefung geschützt.
Die Kosten der Baumaßnahmen
Die Gesamtkosten für den Hochwasserschutz betrugen 4,88 Mio. DM. Davon wurden 2,08 Mio. DM ür den 1. Teilabschnitt, 1,5 Mio. DM für den 2. Teilabschnitt und 1,3 Mio. DM für den 3. Teilabschnitt verwendet.
Die Windach - "Zurück in die Zukunft"
Die Windach verläuft im Hügelland westlich des Ammersees und mündet nach dem Seeauslauf in die Amper. Ihr Einzugsgebiet wird im wesentlichen durch die Höhenzüge der Moränenlandschaft zwischen Ammersee und Lech bestimmt. Ältere Regulierungsmaßnahmen und der für den Hochwasserschutz notwendige Speicherbau haben das Gesicht der Windach in der Vergangenheit wesentlich verändert. Auf längeren Strecken ist sie jedoch noch in einem weitgehend unberührten, naturnahen Zustand.
Ausgangssituation
Die Windach wurde im unmittelbaren Einzugsgebiet des Windachspeichers von der Staatsstraße 2056 bis zur Stauwurzel des Windachspeichers im Zuge des Speicherbaues 1965/66 zu einem geradlinigen Bachlauf mit regelhaftem Profil (Regelquerschnitt mit 3 m Sohlbreite, Böschungsneigung 1:4, Sohlgefälle 1 ‰ zwischen den Abstürzen) und einigen Absturzbauwerken (Höhe bis 75 cm) ausgebaut. Die gestreckte Linienführung war bereits bei der ersten Regulierung im Jahr 1920 vorgegeben worden. Die Absturzbauwerke und Uferbefestigungen waren nach 35 Jahren sanierungsbedürftig.
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Als Unternehmensträger des Windachspeichers hat der Freistaat Bayern die Ausbau- und Unterhaltungspflicht für die offenen Wasserläufe im Staugebiet und im Einflussbereich des Aufstaues nach Maßgabe der gesetzlichen Bestimmungen. Das Wasserwirtschaftsamt Weilheim entschloss sich darauf hin, der Windach ihren ursprünglichen, mäandrierenden Verlauf auf einem Teilabschnitt mit einer Lauflänge von ca. 700 m wiederzugeben. Dies erwies sich auch als kostengünstige Lösung.
Als Vorbild für diese Renaturierung dienten historische Karten, sowie die noch vorhandenen, intakten Gewässerabschnitte. Dort weist der Bach Kiesbänke, eine hohe Tiefen- und Breitenvarianz, sowie einen ständigen Wechsel von Prall- und Gleitufern auf. In die Baumaßnahme mit einbezogen wurde der Mühlbach mit einem Teilabschnitt von 250 m oberhalb seiner Mündung in die Windach.
Hydrologie und Gewässergüte
- Einzugsgebietfläche AE0 = 49,6 km²
- Abflüsse resultierend aus den Beobachtungsreihen der Jahre 1967 - 1997:
- Gewässergüte liegt derzeit im Planungsabschnitt im Grenzbereich der Güteklasse II (mäßig belastet) und der Güteklasse II-III (kritisch belastet)
- NQ = 0,010 m³/s
- MNQ = 0,042 m³/s
- MQ = 0,276 m³/s
- HQ = 18,7 m³/s
- Strömungsabhängige Besiedelungsstruktur (in strömungsarmen Zonen Benthosbesiedelung deutlich eingeschränkt; in stärker durchströmten Bereichen artenreiche Bethosbiozönose)
- Verstärkte Algenbildung durch die abschnittsweise fehlende Beschattung
Die laufenden Maßnahmen zur abwassertechnischen Sanierung des oberen Windachtales werden langfristig zu einer deutlichen Besserung der Belastungssituation führen.
Ziel und Umfang des Vorhabens
Die Maßnahme wurde im Winter 1996/97 in einer Bauzeit von ca. 3 Monaten durchgeführt. Die Gewässerstrecken der Windach und des Mühlbaches wurden durch die Renaturierungsmaßnahme auf 1193 m bzw. 412 m verlängert.
Der Hochwasserabfluss wird durch die Umgestaltung nicht beeinträchtigt.
Um eine möglichst rasche Beschattung des Gewässers zu erreichen, wurden einzelne Uferabschnitte mit für diesen Naturraum typischen Uferbegleitvegetationen (z.B. Schwarzerle, Esche, Traubenkirsche) bepflanzt. Die Flutmulde wurde mit einer Saatgutmischung von Typ "Landschaftsrasen für Feuchtstandorte" eingesät. Die verbleibenden Flächen werden der natürlichen Sukzession überlassen bzw. einmal im Jahr gemäht.
Kosten
Die Kosten für die Baumaßnahme waren auf 235.00,- DM veranschlagt worden, was ca. 150,- DM/m Ausbaustrecke entspricht. Bedingt durch günstige Witterungsverhältnisse während der Bauzeit und optimale Baggerleistungen konnten die Kosten auf rd. 200.000,- DM reduziert werden. Zudem sind die zu erwartenden Unterhaltungskosten denkbar gering.
Entwicklung nach der Umgestaltung
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18.04.2000