Als Tübbing werden Betonsegmente bezeichnet, aus denen die Innschale eines Tunnels hergestellt wird. Sie werden mit Hilfe der Vortriebsmaschine verlegt.

»Wasser + Umwelt«

Exkursionen des Kurses WW40 „Umweltrecht“ zu umweltrelevanten Projekten der WISMUT GmbH und der DB ProjektBau GmbH in Thüringen



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Das Weiterbildende Studium Wasser und Umwelt führt für den WW40 „Umweltrecht“, in der Regel in Weimar, eine kursabschließende Präsenzphase durch. Die Teilnehmer haben in dieser Zeit die Gelegenheit, den in der Fernstudienphase bearbeiteten Lernstoff zu vertiefen. Dazu sind die Autoren der entsprechenden Kapitel anwesend und nehmen Stellung zu den Fragen der Studierenden, führen den Lehrstoff an Beispielen und Berechnungen weiter aus und berichten über neue Erkenntnisse aus ihren Fachgebieten.

Zur Vertiefung der Kenntnisse wird auch jeweils eine ganztägige Exkursion zu diversen Projekten der Renaturierung bzw. Altlastensanierung in Thüringen organisiert. Unter anderem konnten die Teilnehmer die sich in der Sanierung befindlichen industriellen Absetzanlagen (IAA) Culmitzsch & Trünzig bei Seelingstädt, die Wasserbehandlungsanlagen (WBA) Ronneburg sowie den Projektteil „Finnetunnel“ der ICE-Strecke Nürnberg – Berlin besichtigen.

Sanierung der Absetzanlagen bei Seelingstädt,
Wasserbehandlungsanlagen (WBA) bei Ronneburg,
ICE-Strecke Nürnberg – Berlin, Projektteil Finnetunnel
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Sanierung der Absetzanlagen bei Seelingstädt

Erfolgreiche Sucharbeiten nach Uran in der unmittelbaren Nachkriegszeit veranlassten die sowjetische Besatzungsmacht bereits 1947 zur Gründung der Staatlichen Aktiengesellschaft der Buntmetallindustrie „Wismut“, Aue. Ziel der von den Sowjets geführten Gesellschaft war die Ausbeutung deutscher Uranvorkommen für das Atomprogramm der UdSSR. Dazu wurden zunächst sächsische Bergwerksunternehmen als Reparationsleistungen in sowjetisches Eigentum überführt und Ländereien in Sperrzonen verwandelt. Unter Einsatz eines riesigen Menschenpotentials breitete sich der Uranerzbergbau schnell im Erzgebirge und in Ostthüringen aus.

Die als Wismutregion bezeichneten Gebiete in Sachsen und Thüringen sind durch eine mehr als 40jährige intensive Gewinnung und Verarbeitung von Uranerzen stark beeinflusst. Als der Uranerzbergbau Ende 1990 abrupt eingestellt wurde, hinterließ er tief greifende Schädigungen der Umwelt. Mensch und Natur waren gleichermaßen betroffen. Zurückgeblieben waren 1400 km offene Grubenbaue, 311 Mio. m3 Haldenmaterial und 160 Mio. m3 radioaktive Schlämme in dicht besiedelten Gebieten.

Heute ist die Wismut GmbH ein Unternehmen des Bundes in Sachsen und in Thüringen. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Stilllegung, Sanierung und Rekultivierung von Urangewinnungs- und Uranaufbereitungsbetrieben. Gesellschafter ist die Bundesrepublik Deutschland, welche durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit vertreten wird. Seit der Gründung 1991 befindet sich der Sitz des Unternehmens in Chemnitz/Sachsen. Die ca. 2300 Beschäftigten der Wismut stellen sich mit der Sanierung der Uranbergbauhinterlassenschaften einer der größten ökologischen und technischen Herausforderungen. Das Wismut-Projekt ist zu einem international bedeutsamen Referenzobjekt für zukunftsweisende Technologien bei der Sanierung radioaktiver Altlasten geworden. Die Flächen, welche jahrzehntelang vom Uranerzbergbau beansprucht wurden, sind zum großen Teil wieder nutzbar gemacht.

In der Sanierungsverantwortung der Wismut GmbH befinden sich ebenfalls die industriellen Absetzanlagen Culmitzsch (235 ha) und Trünzig (115 ha) am Standort Seelingstädt. Diese ehemaligen Urantagebaue dienten zur Aufnahme von ca. 110 Mio. m3 radioaktiven Schlamm aus der Uranaufbereitungsfabrik Seelingstädt. Die feinkörnigen Rückstände der Uranerzaufbereitung über Rohrleitungen eingespült und eingelagert. Die stellenweise bis zu 60 m mächtigen Schlämme unterschiedlichster Konsistenz waren mit einer Wasserlamelle (ca. 8,5 Mio. m3) bedeckt.

In den ersten Jahren nach dem Ende der Urangewinnung mussten vor allem Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr erfolgen. Freiliegende Spülstrände wurden vorerst mit mineralischem Boden bedeckt, um das Abwehen radioaktiven Staubes zu reduzieren. Zum Schutz der Oberflächengewässer und Grundwasserleiter wurden Sickerwasserfassungen erweitert bzw. neu errichtet. Parallel zu diesen ersten Maßnahmen wurden verschiedene Sanierungsoptionen untersucht.

Ziel war es, einen langfristig sicheren Zustand der Anlagen zu erreichen. Im Ergebnis der Untersuchungen wurde die sogenannte trockene Insitu-Verwahrung als Sanierungsverfahren gewählt, d.h. die Schlämme werden vor Ort verwahrt. Dabei wird das Freiwasser entfernt und die eingelagerten, feinkörnigen Rückstände werden unter Zuhilfenahme geotechnischer Hilfsmittel (Geogitter / Geotextil) teilentwässert und stabilisiert. Abschließend werden die Rückstände mit einer Endabdeckung (ca. 2 m) versehen und naturnah begrünt.

Bei der Verwahrung der Anlagen wurden in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt. So ist auf der Absetzanlage Trünzig das Freiwasser entfernt und die sogenannte Zwischenabdeckung als erste mineralische Abdeckschicht komplett aufgebracht worden. Auf der Absetzanlage Culmitzsch ist das Freiwasser noch nicht vollständig entfernt. Hier laufen noch die Arbeiten zur Zwischenabdeckung der Schlämme.

Bei der Absetzanlage Culmitzsch wurde die Sanierungstechnologie der Zwischenabdeckung modifiziert. Aufgrund der schwierigen geotechnischen Verhältnisse in den Zentralbereichen der Becken müssen die hier sehr feinkörnigen Schlämme vor dem Abzug des Wassers stabilisiert werden. Dazu wird von einer schwimmenden Klappschute aus rieselfähiges Material (Haldenmaterial bzw. Kies/Sand) in mehreren dünnen Lagen auf dem gering tragfähigen Untergrund aufgebracht. Dieser Vorgang wird als subaquatische Verklappung bezeichnet. Seit dem Frühjahr 2004 wird hierzu ein Bootsverband eingesetzt.

Absetzanlagen bei Seelingstädt
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Wasserbehandlungsanlagen (WBA) bei Ronneburg

Zur Niederlassung Ronneburg gehören die Wasserbehandlungsanlagen (WBA) Ronneburg, Seelingstädt und Helmsdorf. Dabei wird in der WBA Ronneburg, das nach Abschluss der Flutung übertretende Wasser der Gruben südlich der BAB 4 behandelt. Dieses zu behandelnde Grubenwasser ist ein typisches, bergbaulich geprägtes Wasser, das durch einen pH-Wert im sauren Bereich und hohe Schwermetallgehalte (vor allem Eisen, Nickel, Zink) charakterisiert ist. Im Gegensatz zu den Aufgaben der anderen WBA`s der Wismut spielen die radioaktiven Komponenten eher eine weniger bedeutende Rolle. Das austretende Flutungswasser wird dann über eine Wasserfassung im Gessental der WBA Ronneburg zugeführt. Der Abstoß des behandelten Wassers erfolgt über den Wipsegraben in die Wipse.

Die WBA Ronneburg ist in der Lage, bis zu 450 Kubikmeter Grubenwasser je Stunde zu behandeln. Es wird mit einer Betriebsdauer von 15 bis 25 Jahren gerechnet.

Wasserbehandlungsanlage bei Ronneburg
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ICE-Strecke Nürnberg – Berlin, Projektteil Finnetunnel

Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE) Nr. 8 Aus-/Neubaustrecke Nürnberg–Erfurt–Leipzig/Halle–Berlin

lm April 1991 beschloss der Bundestag im Vorgriff auf den Bundesverkehrswegeplan 1992 die „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ (VDE). Diese Vorhaben dienen dem schnellen Zusammenwachsen der neuen und alten Bundesländer. Sie verbinden die Wirtschafts- und Handelszentren in Ost- und West und stärken die Verkehrsinfrastruktur in Mitteleuropa.

Die geplante Hochleistungstrasse der Bahn zur umweltfreundlichen Aufnahme gegenwärtiger und künftiger Ströme des Personen- und Güterverkehrs ist Teil der östlichen Nord-Süd-Achse in Deutschland. Im Süden schließt sich die 170 Kilometer lange Neu- und Ausbaustrecke Nürnberg-Ingolstadt-München an. In den Planungen für ein transeuropäisches Verkehrsnetz wird die Verbindung von Norditalien über Österreich nach München, über die deutschen Aus- und Neubaustrecken nach Berlin und weiter bis nach Skandinavien als Projekt Nr.1 bezeichnet (Achse: Berlin–Verona/Mailand–Bologna–Neapel–Messina–Palermo).

Nach Abschluss der Arbeiten beträgt die Fahrzeit zwischen München und Berlin weniger als 4 Stunden. Das bedeutet eine Halbierung im Vergleich zum Ausgangszustand. In den Ausbau des Korridors München-Berlin werden insgesamt 13 Milliarden Euro investiert. Die Verkehrsprojekte „Deutsche Einheit“ waren 1991 nach der Wiedervereinigung Deutschlands von der Bundesregierung beschlossen worden (i). Verwirklicht wird das Projekt von der DB ProjektBau GmbH, einem Tochterunternehmen der Deutschen Bahn AG.

Die Neubaustrecke Erfurt-Leipzig/Halle ist als regelspurige, zweigleisige, elektrifizierte Eisenbahnstrecke für den hochwertigen Reise- und Güterverkehr konzipiert. Sie hat eine Gesamtlänge von 122 km. Die Trassierung ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 300 km/h ausgelegt. Der Oberbau wird als so genannte „Feste Fahrbahn“ ausgeführt. Die Strecke verläuft von Erfurt Hauptbahnhof (km 0) aus in Richtung Nordosten durch das Thüringer Becken (i). Zwischen Kilometer 38 und Kilometer 60 wird der Finne-Höhenzug mit drei Tunnelbauwerken von insgesamt 15,4 km Länge durchfahren. Der längste Tunnel ist dabei der 6.886 m lange Finnetunnel. Der Tunnel ist mit zwei parallelen, eingleisigen Röhren konzipiert. Der lichte Querschnitt beträgt jeweils über 60 m2. Der Vortrieb erfolgt überwiegend im Buntsandstein, wobei der Bergwasserspiegel in weiten Bereichen teilweise über 60 m über der Tunnelsohle liegt. Von Westen werden die Tunnelröhren mittels Tunnelvortriebsmaschinen aufgefahren und mit einer einschaligen Tübbingauskleidung ausgebaut. Von Osten sind konventionelle Spritzbetongegenvortriebe vorgesehen. In diesem Bereich werden die Tunnelröhren zunächst mittels Ankern, Bögen und Spritzbeton gesichert und später mit einer druckwasserdichten Ortbetoninnenschale ausgebaut.

Im Abstand von unter 1.000 m werden die beiden Röhren durch insgesamt 6 Verbindungsstollen miteinander vereint. Zur Unterbringung von Anlagen der technischen Ausrüstung sind in den Voreinschnitten Technikgebäude sowie im Tunnel unterirdische Technikräume teilweise in gesonderten Technikstollen, teilweise als Erweiterung von Verbindungsstollen vorgesehen. Zur Verbesserung der tunnelbautechnischen Verhältnisse ist über weite Strecken eine Grundwasserabsenkung über Bohrbrunnen vorgesehen. Aufgrund der Bedeutung des Grundwasserskörpers für die Trinkwasserversorgung der Region muss das geförderte Wasser als Rohwasser der Trinkwasserversorgung zur Verfügung gestellt werden. Neben der Herstellung des Tunnelbauwerks sind die Erd- und Entwässerungsarbeiten für den Voreinschnitt West und einen im Osten unmittelbar an den Tunnel anschließenden Überholbahnhof, ein Regenrückhaltebecken, 3 Ablagerungsflächen für Tunnelausbruch- und Aushubmassen sowie die Neuanlage und der Ausbau von Straßen und Wegen einschließlich Anlage und Rückbau eines Baustraßennetzes weitere Schwerpunkte der Bauleistungen.

ICE-Strecke Nürnberg – Berlin, Projektteil Finnetunnel
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last update: Tuesday, 12-Jan-2010 10:31:23 CET
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