»Wasser + Umwelt«

Exkursionen des WW40 "Umweltrecht" zu Projekten der Renaturierung bzw. Altlastensanierung in Thüringen



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Das Weiterbildende Studium Wasser und Umwelt führt für den WW40 "Umweltrecht", in der Regel in Weimar, eine kursabschließende Präsenzphase durch. Die Teilnehmer haben in dieser Zeit die Gelegenheit, den in der Fernstudienphase bearbeiteten Lernstoff zu vertiefen. Dazu sind die Autoren der entsprechenden Kapitel anwesend und nehmen Stellung zu den Fragen der Studierenden, führen den Lehrstoff an Beispielen und Berechnungen weiter aus und berichten über neue Erkenntnisse aus ihren Fachgebieten.

Zur Vertiefung der Kenntnisse wird auch jeweils eine ganztägige Exkursion zu diversen Projekten der Renaturierung bzw. Altlastensanierung in Thüringen organisiert. Unter anderem konnten die Teilnehmer bisher den ehemaligen Wismut-Tagebau Lichtenberg,in der Nähe von Ronneburg, die sanierten industriellen Absetzanlagen (IAA) Culmitzsch & Trünzig bei Seelingstädt, das Tagebaurestloch „Neue Sorge" in Rositz und die Dohlenkolonie in der Saalebrücke der BAB 4 besichtigen.

Haldensanierung und -verfüllung im Tagebau Lichtenberg,
Insitu-Verwahrung der industriellen Absetzanlagen bei Seelingstädt,
Sanierung des Teersees im Tagebaurestloch „Neue Sorge" in Rositz,
Schutz der größten Dohlenkolonie Thüringens beim Ausbau der BAB A 4
 

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Sanierungsmaßnahmen am Altlastenstandort Tagebau Lichtenberg

Eine der offenkundigsten Hinterlassenschaften der ehemaligen SDAG Wismut ist der Tagebau Lichtenberg. Hier, wo sich einst die Ortschaften Schmirchau, Lichtenberg und Gessen befanden, entstand ein Loch von fast einem Kilometer Breite und zwei Kilometern Länge in der Erde. Seine größte Tiefe betrug 240 Meter. Rings um den Tagebau hatte sich eine Haldenlandschaft gebildet.


Tagebaurestloch Lichtenberg:

Insgesamt wurden aus dem Tagebau Lichtenberg rund 160 Mio. m3 Berge (i) gefördert, aus denen 13.000 t metallisches Uran gewonnen werden konnten. Bereits 1976 musste die Förderung des Erzes im Tagebau Lichtenberg eingestellt werden, da im Norden die Stadtgrenze von Ronneburg und im Osten die Anlagen des Bergwerkes Schmirchau eine Erweiterung unmöglich machten. Bis 1990 wurde dann Abraummaterial, u.a. aus umliegenden Schächten, in den Tagebau verbracht. Im Jahre 1990 hatte der Tagebau immer noch ein Restvolumen von ca. 86 Mio. m3 bei einer Tiefe von 150 m.

Als Teilprojekt der Sanierungsmaßnahmen am Standort Ronneburg im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland wurde die komplette Verfüllung des Tagebaus vorgesehen. Das Sanierungskonzept sieht vor, alle Halden südlich der BAB 4 (außer Halde 381) abzutragen und in das Tagebaurestloch Lichtenberg umzulagern.

Bei Tagesleistungen um 40.000 m3 ergeben sich Jahresleistungen von ca. 10 Mio. m3. Sind alle Halden eingelagert, wird eine Abdeckung aus unbelastetem Material den Aufschüttkörper des Tagebaus Lichtenberg abschließen. Mit dem Abschluss der Sanierung des Tagebaus Lichtenberg entsteht ein Landschaftsbauwerk, in dem ca. 130 Mio. m3 Haldenmaterial (Stand Februar 2007) sicher verwahrt werden. In unmittelbarer Nähe des ehemaligen Tagebaus wird zur Bundesgartenschau ab April 2007 die »Neue Landschaft« Ronneburg entstehen. Aus dem einstigen Tagebaurestloch Lichtenberg wird dann schon ein "Tagebauberg" - die "Schmirchauer Höhe" - entstanden sein.

Aus dem einstigen Uranerzbergbaugebiet entsteht somit eine komplett neue, faszinierende Landschaft mit unverwechselbarer Identität. Bestimmend sind die gewaltigen, streng geometrisch angelegten »Lichtenberger Kanten«, welche eine Reminiszenz an den ehemaligen Erzbergbau sind. Sie verdeutlichen den gigantischen Maßstab des Bergbaugeschehens und erinnern in ihrer Stufenform an den ehemaligen Tagebau Lichtenberg. Die begehbaren Kanten werden von Bäumen gesäumt. Auf den Hängen sind vielfältige Kräuter ausgesät, die einen attraktiven Anblick bieten und würzig duften. Das Plateau des »Ronneburger Balkons« bietet bereits heute schon einen überwältigenden Blick in das weite Tal. Die Böschungen der am Balkon befindlichen Terrassen wurden üppig mit bodendeckenden Rosen und Weiden bepflanzt, die der Landschaft einen farbenprächtigen Akzent verleihen und der Hangsicherung dienen.

 
Tagebau Lichtenberg
 

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Insitu-Verwahrung der industriellen Absetzanlagen bei Seelingstädt

In der Sanierungsverantwortung der Wismut GmbH befinden sich ebenfalls die industriellen Absetzanlagen Culmitzsch (235 ha) und Trünzig (115 ha) am Standort Seelingstädt. Diese ehemaligen Urantagebaue dienten zur Aufnahme von ca. 110 Mio. m3 radioaktiven Schlamm aus der Uranaufbereitungsfabrik Seelingstädt. Die feinkörnigen Rückstände der Uranerzaufbereitung über Rohrleitungen eingespült und eingelagert. Die stellenweise bis zu 60 m mächtigen Schlämme unterschiedlichster Konsistenz waren mit einer Wasserlamelle (ca. 8,5 Mio. m3) bedeckt.

In den ersten Jahren nach dem Ende der Urangewinnung mussten vor allem Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr erfolgen. Freiliegende Spülstrände wurden vorerst mit mineralischem Boden bedeckt, um das Abwehen radioaktiven Staubes zu reduzieren. Zum Schutz der Oberflächengewässer und Grundwasserleiter wurden Sickerwasserfassungen erweitert bzw. neu errichtet. Parallel zu diesen ersten Maßnahmen wurden verschiedene Sanierungsoptionen untersucht.

Ziel war es, einen langfristig sicheren Zustand der Anlagen zu erreichen. Im Ergebnis der Untersuchungen wurde die sogenannte trockene Insitu-Verwahrung als Sanierungsverfahren gewählt, d.h. die Schlämme werden vor Ort verwahrt. Dabei wird das Freiwasser entfernt und die eingelagerten, feinkörnigen Rückstände werden unter Zuhilfenahme geotechnischer Hilfsmittel (Geogitter / Geotextil) teilentwässert und stabilisiert. Abschließend werden die Rückstände mit einer Endabdeckung (ca. 2 m) versehen und naturnah begrünt.

Bei der Verwahrung der Anlagen wurden in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt. So ist auf der Absetzanlage Trünzig das Freiwasser entfernt und die sogenannte Zwischenabdeckung als erste mineralische Abdeckschicht komplett aufgebracht worden. Auf der Absetzanlage Culmitzsch ist das Freiwasser noch nicht vollständig entfernt. Hier laufen noch die Arbeiten zur Zwischenabdeckung der Schlämme.

 
Absetzanlagen bei Seelingstädt
 

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Sanierung des Teersees im Tagebaurestloch „Neue Sorge"

Die Kursteilnehmer besuchten ebenfalls den Altlastenstandort Rositz - "Neue Sorge". Die kleine Stadt Rositz liegt ca. 10 km nordwestlich von Altenburg in Thüringen. Das ehemalige Teerverarbeitungswerk Rositz besteht aus dem eigentlichen Werksgelände (43,6 ha), dem Teersee im Tagebaurestloch "Neue Sorge" (1,9 ha) und der "Aschenhalde Fichtenhainichen" (15,9 ha).

Zwischen 1917 und 1990 wurden hier folgende Rohstoffe verarbeitet:
Braunkohlenschwelteer (BKST): ca. 17,5 Mio. t
Erdöl: ca. 9,25 Mio. t
sonstige Rohstoffe: ca. 0,6 Mio. t
darunter 0,2 Mio. t Schwefelsäure, Natron- und Kalilauge
Bei Bombenangriffen in den Jahren 1944/45 wurde ein Tankraum für ca. 100.000 t völlig zerstört. (Quelle: Umweltbundesamt)

Diverse Untersuchungen und Gutachten im Auftrag des Umweltbundesamtes ergaben die folgende Gefährdungssituation für die Bereiche des ehemaligen Teerverarbeitungswerks.

Die Kontaminationen von Boden und Grundwasser sind im wesentlichen:

Das Grundwasser im Bereich des Werksgeländes und in dessen Abstrom ist mit diesen Stoffen zum Teil erheblich belastet. Im Untergrund des Werksgeländes wurden auf dem Grundwasser schwimmende Öllinsen nachgewiesen.

Die im direkten Umfeld des Teersees im Tagebaurestloch "Neue Sorge" beprobten Grundwassermessstellen weisen ebenfalls eine erhöhte Schadstoffkonzentration auf. Darüber hinaus gehen von der offenen Oberfläche des Teersees je nach Witterung zum Teil sehr geruchsintensive Emissionen aus, die eine erhebliche Belastung für die Anwohner im unmittelbaren Umfeld darstellen.

Zwei Sanierungsvorschläge konnten sich aus ursprünglich 60 diskutierten Varianten hervorheben:

In der Vergangenheit bereiteten jedoch unkontrollierte Wasserzutritte in den See wiederholt Schwierigkeiten. Dies hatte u.a. Unterbrechungen in der Teerentnahme zur Folge. Die Sanierung wird derzeit fortgesetzt, begleitet von umfangreichen Untersuchungen und Feldversuchen (Wasserbilanz etc.). Die Folienabdeckung des Teersees wird verstärkt und ausgebessert, um die Geruchsbelästigung zu minimieren. Zur Stabilisierung der Böschung müssen Teile davon entfernt werden, abgestimmt mit der weiterlaufenden Entnahme von Teer.

 
Teersee im Tagebaurestloch »Neue Sorge«
 

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Schutz der größten Dohlenkolonie Thüringens beim Ausbau der BAB A 4

Die Saalebrücke Jena-Göschwitz beherbergt die größte Dohlenkolonie Thüringens, deren Erhalt ein vorrangiges Ziel des Artenschutzes ist.

Im Rahmen des Ausbaus der BAB A 4, Teilabschnitt Jena, wurden im Umfeld des ursprünglichen Brutgebietes zusätzliche Nisthilfen für Dohlen in geeigneter Lage und Anzahl als Ausgleichsmaßnahme angebracht. Diese Ausgleichsmaßnahme wurde notwendig, da noch bis 2009 die Sanierung der alten Saalebrücke und auch der Neubau einer zweiten Brücke neben der bestehenden Autobahnbrücke anstehen.

Dohlen reagieren sehr empfindlich auf Störungen auch außerhalb der Brutzeit. Das Autobahnamt beauftragte daher vor Beginn der Bauarbeiten Herrn Dr. Hans-Ulrich Peter, vom Institut für Ökologie der Friedrich Schiller Universität (FSU) Jena, ökologische Gutachten über den Einfluss des geplanten Bauvorhabens auf die Dohlenkolonie zu erstellen. Aus diesen Gutachten wurde die Notwendigkeit abgeleitet, dass schon vor dem Beginn der Bauarbeiten Ersatzbrutplätze im unmittelbaren Umfeld der Kolonie angeboten werden müssen.

Folgende Maßnahmen wurden bisher für den Erhalt der Dohlenkolonie realisiert: Im Winter 1998/99 wurden in Jena Lobeda-West insgesamt 79 Dohlen- und Turmfalkennisthilfen an Aufzugschächten von Wohnblöcken angebracht. Weitere 26 Nistkästen wurden an den Dachaufbauten der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie installiert.

Im Frühjahr 2002 konnte die Sanierung eines stillgelegten Wasserturms der Deutsche Bahn AG nahe der Saalebrücke abgeschlossen werden. Insgesamt wurden 40 weitere Nistkästen in diesen Turm eingebaut. Diese Ausgleichsmaßnahmen haben den langfristigen Erhalt dieser bedeutenden Dohlenkolonie in der Saalebrücke zum Ziel. Kurz vor Beginn der Baumaßnahmen wurden die Dohlen von ihren alten Nistplätzen in der Saalebrücke ausgesperrt und nach deren Beendigung können die Dohlen und Turmfalken dann wieder neue Nistkästen in den Brückenbögen beziehen.

Das Umwelt- und Naturschutzamt Jena pflegt des Weiteren Grünlandflächen der Saaleaue in der Nähe der Brutkolonie der Dohlen, um Nahrungsplätze insbesondere in der Brutzeit anzubieten. Diese Maßnahmen wurden zwischen dem Autobahnamt, Staatlichem Umweltamt Gera, Umwelt- und Naturschutzamt Jena und der FSU Jena abgestimmt.

Quelle: Broschüre "Ausbau der Saaletalbrücke bei Jena-Göschwitz" des Autobahnamtes des Freistaats Thüringen

 
Dohlenkolonie an der Saalebrücke Jena-Göschwitz
 

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last update: Wednesday, 06-Feb-2008 17:17:18 CET
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