Ergebnisse:
Den Nachweisen nach DIN 1045 (7.88) und EC 2 liegt eine
Rißgleichung zugrunde, die nach der klassischen
Rißtheorie hergeleitet wurde. Diese setzt ein
abgeschlossenes Rißbild im Bauteil voraus. Die mittlere
Rißbreite wird allgemein durch den mittleren Rißabstand und die
mittlere Stahldehnung wm = am * eSm
bzw. wm = srm * eSm beschrieben.
Durch Korrekturfaktoren, die über eine Vielzahl von Versuchen
ermittelt wurden, wird die Gleichung den entsprechenden
Einflußfaktoren
- Verbundeigenschaften des Bewehrungsstahls
- Dehnungsverteilung im Querschnitt
- Art der Belastung
angepaßt.
Über einen Streuungsfaktor, der ebenfalls durch
Versuchsauswertungen ermittelt wurde, wird die mittlere
Rißbreite in einen Rechenwert der Rißbreite wk
umgerechnet. Damit wird sicher gestellt, daß der Großteil der
entstehenden Risse unterhalb dieses Wertes liegt.
- Rißgleichung nach DIN 1045 (7.88): wk = k4 * am * eSm
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(mittlerer Rißabstand) |
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(mittlere Stahldehnung), |
- Rißgleichung nach EC 2: wk = b * srm * eSm
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(mittlerer Rißabstand) |
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(mittlere Stahldehnung), |
Nennenswerte Unterschiede zwischen den Ansätzen dieser
beiden Normen sind auf den Elastizitätsmodul des
Bewehrungsstahls zurückzuführen. Dieser wird in der DIN 1045
(7.88) mit ES = 210000 N/mm² und im EC 2 mit ES
= 200000 N/mm² angesetzt.
Dem Nachweis zur Beschränkung der Rißbreite nach DIN
1045-1 (Entwurf 11.98) liegt eine Rißgleichung zugrunde, die
nach der kontinuierlichen Rißtheorie aufgestellt
wurde. Der Rechenwert der Rißbreite wird dabei direkt aus dem
maximalen Rißabstand und der mittleren Dehnung wk
= smax * (eSm - ecm) ermittelt.
Im Unterschied zur klassischen Rißtheorie werden
hierbei die Verbundeigenschaften über das Verbundgesetz
rechnerisch erfaßt und die Rißentwicklung für eine
Erstrißbildung und eine abgeschlossene Rißbildung betrachtet.
- Rißgleichung nach DIN 1045-1 (11.98): wk = smax * (eSm - ecm)
|
(maximaler Rißabstand) |
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(mittlere Dehnung) |
Vergleicht man die Bestimmungsgleichungen für die Rißabstände, so ergeben sich Unterschiede in Abhängigkeit vom Verhältnis dS / mZw und den Koeffizienten k1 (k2) und k2 (k3). Dabei sind die mittleren Rißabstände nach DIN 1045 (7.88) und EC 2 mit dem Streuungsfaktor k4 bzw. b in einen maximalen Rißabstand umzurechnen.
Diagramm1: |
k2 (k1) = 0,8 (Betonrippenstahl) |
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Diagramm2: |
k2 (k1) = 0,8 (Betonrippenstahl) |
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k1 (k2) = 1,0 (Zug) |
k1 (k2) = 0,5 (Biegung) |
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Unterschiede in den mittleren Dehnungen ergeben sich aus
dem Berechnungsansatz, mit dem die Mitwirkung des Betons zwischen
den Rissen auf Zug berücksichtigt wird.
In den Gleichungen nach DIN 1045 (7.88) und EC 2 wird dies durch ssr / Es und den Abminderungsfaktor b1* b2 * ssr / ss berücksichtigt.
Das heißt, mit steigender Beanspruchung wird die Mitwirkung des Betons zwischen den Rissen auf Zug in Abhängigkeit der Beiwerte:
b1 Beiwert
zur Berücksichtigung der Verbundwirkung des Bewehhrungsstahls
b2 Beiwert
zur Berücksichtigung der Belastungsdauer
abgemindert.
Im Gegensatz dazu wird in dem Berechnungsansatz nach DIN 1045-1 (11.98) die Mitwirkung des Betons zwischen den Rissen auf Zug durch ssr,eff / Es und den konstanten Abminderungsfaktor 0,4 berücksichtigt.
Aus den Rißgleichungen, die die Grundlage für den Nachweis zur Beschränkung der Rißbreite nach DIN 1045 (7.88), EC 2 und DIN 1045-1 (11.98) bilden, wurden jeweils Berechnungsalgorithmen zur Bestimmung
· des
Rechenwertes der Rißbreite
· des zulässigen Grenzdurchmessers
· der erforderlichen Mindestbewehrung bei
Zwangsbeanspruchung
abgeleitet.
Diese bieten den Vorteil, daß alle relevanten
Kenngrößen direkt in die Berechnung eingehen, und somit der
Nachweis auf genaue und einfache Weise geführt werden kann.
In den Rißgleichungen wird die Bewehrung zur Abdeckung
von Zwangsbeanspruchungen (Mindestbewehrung) über die
Rißbildungsschnittgrößen ermittelt. Das Abfließen der
Hydratationswärme ist eine der häufigsten Ursachen für die
Rißbildung im jungen Betonalter. Deshalb wurde ein
Bemessungskonzept zur Berechnung der Mindestbewehrung für
Bauteile unter zentrischen Temperaturzwang und Einbeziehung der
tatsächlichen Temperaturverhältnisse erarbeitet. Hierfür
mußten zunächst die Temperaturen ermittelt werden, die in
Abhängigkeit der Zementsorte, infolge der Hydratationswärme im
Bauteil auftreten. Mit Hilfe dieser Temperaturen läßt sich die
Temperaturdehnung im Bauteil bei einer verhinderten Verformung
ermitteln. Diese entspricht der mittleren Bauteildehnung und kann
somit in die Rißgleichungen einbezogen werden. Weiterhin wurden
Gleichungen zur Ermittlung der Temperaturänderung bezüglich der
Erstrißtemperatur aufgestellt, bei der sich ein abgeschlossenes
Rißbild, in Abhängigkeit der Mitwirkung des Betons zwischen den
Rissen auf Zug, im Bauteil einstellt. Über diese
Temperaturänderung kann abgeschätzt werden, ob sich ein
abgeschlossenes Rißbild auftritt und ob mit einer Zunahme der
Rißbreiten zu rechnen ist.